6. Tag: Vom Yellowstone Park nach Jackson

  • Reise 2014 – Rocky Mountain High
  • Tagesetappe über 250 km
  • Bundesstaaten: Wyoming
  • Örtlichkeiten: Yellowstone Park, Grand Teton National Park, Snake River, Jackson

Frostiger Empfang an diesem Morgen. Zwei Grad unter null zeigte unser Thermometer an. Der Winter kündigte sich so langsam an. Normalerweise geht die Reise ja am Morgen direkt zur nächsten Station weiter. Heute aber nicht. Wir hatten ja noch einiges im Yellowstone Park zu besichtigen. Zuerst fuhren wir wieder nach Norden um den Yellowstone Lake herum. Wir besuchten den Fluß, der dem gesamten Park seinen Namen gab – der Yellowstone River. Der Fluß hat eine Länge von 1114km. Den Namen („Gelber Stein“) erhielt er von den Indianern der Hidatsa, wegen der gelben Färbung des Gesteins an seinem Ufer. Der Yellowstone mündet in North Dakota in den Missouri. Er ist dabei breiter als der Missouri, in den er fließt.

Wir besuchten den Fluß am, beziehungsweise im Grand Canyon of the Yellowstone. Die Schlucht ist zwischen 250 und 400m tief und hat eine Breite von 500 bis 1300m. Der Canyon erreicht eine Länge von 32 km. Wir besuchten die beiden bekanntesten Wasserfälle in der Schlucht, den Upper und den Lower Falls. Die Namen haben nichts mit der Höhe der Fälle zu tun, sondern deren Reihenfolge im Flußlauf. So sind die Upper Falls kleiner als die Lower Falls, liegen aber im Flußlauf „oberhalb“ der „Unteren“. Die Upper Falls haben somit eine Höhe von 33m. Die Lower Falls haben eine Höhe von 94m und sind damit doppelt so hoch wie die Niagara Fälle in New York. Wir fuhren zunächst an den Artist Point, von wo man einen schönen Blick in den Canyon und auf die Lower Falls genießen kann.

Als nächstes fuhren wir dann, wie kann es anders sein, zu den Upper Falls. Diese Fälle haben zwar nur ein Drittel der Fallhöhe wie die Lower Falls, allerdings befindet sich der Aussichtspunkt näher an den Fällen. Auch hier wurde vom Fotoequipment reichlich Gebrauch gemacht. Überhaupt von unseren Freunden aus dem fernen Osten. Bis hier mal jeder mit jedem auf dem Bild ist, dauert es schon seine Zeit.

Gegen 9:40 Uhr saßen wir alle wieder im Bus und es ging zur nächsten und zugleich letzten Station im Yellowstone Park. Wir fuhren nun wieder nach Süden und kamen zu den Mud Vulcanos, also zu den Schlamm-Vulkanen oder Schlammtöpfen. Das aufsteigende heiße Wasser sammelt sich in Vertiefungen und vermischt sich dabei mit Asche, Ton oder sonstigen Teilen, die sich dann zu Schlamm vermischen. Das aufsteigende Wasser, zusammen mit Dampf, bringt das dieses Becken zum Brodeln. Der Schlamm kann dabei unterschiedlich dick oder dünn sein. Auch hier konnten wir wieder auf Holzstegen einen Rundgang zu den einzelnen Stationen machen. Ganz am Ende des Rundweges befand sich eine kleine Höhle in der Felswand. Daraus floss ein kleiner Bach. Allerdings mit heißem Wasser. Alle paar Sekunden sprudelte eine Dampfwolke aus der Höhle zusammen mit einem Wasserstoß.

Um halb elf Uhr hieß es dann Abschied nehmen vom Yellowstone Park. Die Fahrt ging dann in Richtung Süden. Durch den South Entrance verließen wir den Park.

Aber schon kurz nach diesem Nationalpark kamen wir in den nächsten Nationalpark. Dem Grand Teton National Park. Am 26. Februar 1929 wurde diese Gegend zum Nationalpark erklärt. Der Name hat einen französischen Ursprung, denn Teton bedeutet Brust und soll die Form der Bergkette darstellen. Der höchste Berg im Nationalpark hat eine Höhe von 4198m. Der Park hat eine Fläche von 1255km² und wird pro Jahr von mehr als 2,5mio Menschen besucht. Es gibt hier viele Wanderwege und die Berge laden Kletterer ein.

Über den John D. Rockefeller Jr. Parkway (!!) fuhren wir dann am Jackson Lake entlang, nicht ohne an einem schönen Fleck einen Fotostop zu machen. Schon erstaunlich, wie sich binnen weniger Kilometer die Landschaft verändern kann. Imposant erhoben sich die Berge hinter dem See in die Höhe, quasi ohne Vorgebirge. In Colter Bay machten wir dann am Besucherzentrum unsere längere Mittagspause. John Colter, nachdem der Ort benannt ist, soll um 1808 der erste weiße Mann gewesen sein, der hier in diese Gegend kam.

Viele von uns machten Mittagspause im Ranch House, dem Restaurant, so auch wir. Bis 13:45 Uhr konnten wir uns etwas die Beine vertreten, dann ging die Fahrt wieder weiter.

Gegen 15 Uhr erreichten wir dann unser Etappenziel, die Stadt Jackson. Die Stadt hat 8647 Einwohner und ist nach David E. Jackson, einem Trapper und Pelzhändler benannt, der in den 1820er Jahren hier überwinterte. Viele Prominente haben in Jackson ihre Heimat gefunden, so zum Beispiel Sandra Bullock und Harrison Ford. Die wohnen allerdings nicht in der Stadt, sondern etwas außerhalb auf ihren Ranches. Der Hobbypilot Harrison Ford hat sogar einen eigenen Heli-Port auf dem Gelände.

Schon kurz nach der Ankunft am Hotel wurden wir, zusammen mit vier Reisekollegen, zu unserer Rafting Tour abgeholt. Beinahe wäre diese Tour nicht möglich gewesen, da wir aus der Gruppe nur sechs Teilnehmer waren. Da es aber einer anderen Gruppe genauso erging, wurden beide zusammengelegt und die Tour konnte stattfinden. Wir wurden also vom Veranstalter abgeholt. Unser Startpunkt lag wenige Kilometer oberhalb von Jackson. Den Fluss, den wir befuhren, war der Snake River. Schon Karl May beschrieb diesen Fluß. Allerdings hat er den Namen ins Deutsche übersetzt und er schrieb vom Schlangenfluß.

 

Vor dem Aufsitzen auf das Schlauchboot wurden wir natürlich in Schwimmwesten gepackt. Nachdem wir uns es alle „gemütlich“ gemacht hatten ging es los. Unser Guide ruderte uns hinaus in die Strömung. Der Fluß windet sich in unzähligen Armen und Windungen nach Süden. Etliche Kiesbänke mussten umschifft werden. Der Blick vom Wasser aus war natürlich grandios. Wir konnten bis zurück zu den Tetons sehen. Das Wetter spielte natürlich auch mit. Uns wurde unterwegs vieles über die Tier- und Pflanzenwelt am Fluss erzählt. Wir konnten sogar ein Reh am Flussufer trinken sehen. Mehrmals sogar konnten wir in den Bäumen einen Weißkopf-Seeadler sehen, das Wappentier der Vereinigten Staaten. Allerdings nur, weil eben dieser weiße Kopf aus dem Grün der Blätter besonders hervortrat. Die Rafting Tour war nicht sonderlich wild, sondern wir fuhren gemütlich mit der Strömung. Unser Guide am Ruder hatte aber trotzdem seine Last, denn nicht jede Stelle auf dem Fluss war passierbar, sprich das Wasser war nicht tief genug. In jedem Frühjahr müssen die Jungs hier eine neue Route finden, denn die Kiesbänke verändern durch Hochwasser ihre Lage. Nach gut zwei Stunden kamen wir dann am Ende der Reise an. Unser Shuttlebus erwartete uns bereits am Ufer. Nach dem Aussteigen und dem Vertäuen des Schlauchbootes wurde und ein Lunchpaket ausgehändigt. Zumindest über das Wasser konnten wir uns hermachen, denn unterwegs haben wir nichts getrunken. Die Tour war sehr schön, und alle die dabei waren bestätigten dies. Wir wurden dann wieder direkt am Hotel abgesetzt.

Zu Fuß machten wir uns dann in das Zentrum von Jackson auf. Bis in die Abenddämmerung hinein schlenderten wir durch die Stadt. Dieses Jahr setzten wir uns auch an die Bar von der Million Dollar Cowboy Bar um ein Bier zu trinken. Die Besonderheit der Bar sind die Barhocker. Es sind nämlich auf Beine montierte Sättel. Ach ja, über den Preis für eine Dose (!) Bier legen wir den Mantel des Schweigens. Besonders bequem waren die Barhocker nicht, aber wir waren mal dort.

Aber den absoluten Brüller entdeckten wir dann beim nach Hause laufen. Es war ein Fußgängerüberweg. OK, die gibt es bei uns auch, aber der war ohne Ampel. OK, die gibt es bei uns auch. Was ich aber bei uns noch nicht gesehen habe sind Signalrote Fahnen auf beiden Seiten der Straße, die man in die Hand nehmen kann um damit winkend über die Straße zu laufen. Das würde bei uns schon alleine daran scheitern, dass die Fahnen nach zwei Tagen alle geklaut wären.

Ein sehr langer, ereignisreicher Tag war dann mit unserer Ankunft am Hotel zu Ende.


Unser Hotel in Jackson

 

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