7. Tag: Von Jackson nach Salt Lake City

  • Reise 2014 – Rocky Mountain High
  • Tagesetappe über 430 km
  • Bundesstaaten: Wyoming, Idaho, Utah
  • Örtlichkeiten: Salt Lake City, Temple Square

Auch an diesem Morgen wurden wir vom kalten Klima überrascht. Man vergisst immer wieder, das man hier auf fast 2000m Höhe ist. Aber mit Jacken waren wir gut ausgerüstet. Will damit sagen: Viel zu viel dabei. Nun nach einer Woche ist der Rhythmus Wecken/Koffer/Frühstück schon in Fleisch und Blut übergegangen. In einem gemütlichen Raum nahmen wir unser Frühstück ein und konnten somit gut gestärkt in den Tag gehen. Kurz nach unserer Abfahrt aus Jackson erzählte uns Maria eine kleine Anekdote über das Buchungssystem unserer Hotels auf der Rundreise. Denn es kam öfters vor, das einem Mitreisenden kein Schlüssel unter seinem eigenen Namen ausgehändigt wurde. Es ist nämlich so, das die Reiseunternehmen die Hotelzimmer ja schon ein Jahr im Voraus buchen müssen. Es müssen also die Buchungen für die neue Saison geschätzt werden. Nun, damit hat der Veranstalter kein Problem. Nur: Den Hotels genügt nicht zu wissen, das man für eine Reise am Tag „x“ zwanzig Doppelzimmer braucht. Die Hotels wollen auch Namen wissen und diese in die Buchung mit aufnehmen. Da der Veranstalter ja noch keine Namen kennt, bekommen die Hotels dann irgendwelche Namen genannt. Es kommt auch mal vor, das sich der Veranstalter einen Scherz erlaubt und Namen aus der Märchenwelt den Hotels nennt. Oder auch Namen von Schauspieler sind sehr beliebt. Das aber nur mal am Rande erzählt.

Wir fuhren also pünktlich um 8:00 Uhr aus Jackson heraus in südliche Richtung. Wir folgten dem Snake River, den wir ja gestern ausführlich bei unserer Rafting Tour kennenlernen durften. Unsere Route führte uns durch den Thargee National Forrest. Später durchquerten wir das Star Valley, das hier durch Käseproduktionen bekannt ist. Das Star Valley beginnt in Alpine.

Um 9:50 Uhr  verließen wir nun endgültig den Staat Wyoming. Wir kamen nach Idaho. Der Staat ist für die Amerikaner sehr wichtig, werden doch hier jede Menge an Kartoffeln angepflanzt; ich sage nur: Chips und Pommes. Auf unserem Weg kamen wir dann durch den Caribou National Forest. Unsere erste Pause machten wir dann in Montpelier. Die Stadt hat 2800 Einwohner und liegt nördlich des Bear Lake. Wir hielten unsere Pause am National Oregon/California Trail Center.

Der Name des Ortes wurde mehrfach geändert. Unter dem Namen Clover Creek kannten ihn die Siedler des Oregon Trail, später hieß er dann Belmont. Den heutigen Namen verdankt die Stadt Brigham Young (Gründer des Mormonentums). Er nannte die Stadt nach seinem Geburtsort in Vermont. Im Jahre 1896 war Montperlier Schauplatz eines Bankraubes durch Butch Cassidy (Butch Cassidy and Sundance Kid).

Bei unserer Ankunft am Trail Center wurden wir herzlich von Frauen in Trachten begrüßt. Natürlich wurden sofort die Cafeteria, der Giftshop und die Restrooms in Beschlag genommen.

Hier ein paar Dinge über den Oregon Trail.

Über diesen Trail verlief eine über Rocky Mountains führende Siedlerroute zur Besiedelung des Westens der USA. Rund 3500 km mußten dabei vom besiedelten Osten her in Planwagen zurückgelegt werden. Der Trail führte über Steppen, Wüsten und Berge. In der Regel wurde der Trail von Osten nach Westen bereist. Der Weg nach Osten war viel gefährlicher, weil die Gruppen kleiner waren. Schätzungen aus der Zeit besagen, das etwa 600 bis 1000 Personen von West nach Ost reisten, zeitgleich aber mehr als 35000 von Osten nach Westen. Nicht zuletzt wegen dem Goldrausch in Kalifornien.

Die Karte unten zeigt den Verlauf des Oregon Trail. Den Ort Montpelier kann man auch erkennen.

 

Schon bald setzten wir dann unsere Fahrt fort. Wem Montpelier noch nicht französisch genug klang; wir kamen nun zur Steigerung nach Paris. Allerdings ohne Fotostopp. Ein paar Meilen weiter erreichten wir das Ufer des Bear Lake. Der See ist 32km lang und 13km breit und liegt in den Bundesstaaten Idaho und Utah. Wir verließen nun auch schon wieder Idaho und kamen in den nächsten Bundesstaat, Utah. Der Name leitet sich von dem Indianervolk der Ute-Indianer ab.

Gegen 11:30 machten wir dann einen Stopp in Garden City. Im Coffeshop einer Tankstelle konnten wir uns mit Muffins und Kaffee etwas stärken. Kurz nach dem Beginn der Weiterfahrt ging es wieder aufwärts in die Berge des Uinta Wasatch National Forest. Am Bear Lake Overlook machten wir einen Fotostopp. Von hier aus konnten wir weite Teile des Bear Lake überblicken.

Gegen 14:40 Uhr erreichten wir unser heutiges Ziel Salt-Lake-City, die Hauptstadt von Utah. Unser erster Anlaufpunkt war natürlich das Capitol. Neben dem Gebäude parkten wir unseren Bus und wir konnten in alle Richtungen ausschwärmen. Ausschwärmen passt hier wunderbar, den Utah hat den Beinamen „The Beehive State“, also Bienenkorb Staat. Das kommt daher, weil die Mormonen einen Bienenkorb als Symbol des Fleißes darstellten.

Bei unserem letzten Besuch war das Gebäude noch mit Baugerüsten zugestellt. Diesmal erstrahlte es im Sonnenschein in voller Pracht. Von den Stufen aus konnte man weite Teile der Stadt sehen, da das Capitol auf einer Anhöhe erbaut wurde. Diesmal konnten wir auch die große Eingangshalle des Capitols besuchen.

Nach der ausgiebigen Besichtigung des Capitol fuhren wir in die Innenstadt zum Temple Square. Hier wurden wir am Besuchereingang schon von zwei jungen Damen erwartet, die uns über den Temple Square führen und uns einiges über die Mormonen sagen sollten. Beide sprachen deutsch. Wir kennen diese Religionsgemeinschaft unter dem Namen Mormonen, dies ist allerdings mehr ein Spitzname für sie. Der richtige und vollständige Name ist: „Kirche Jesu Christi der Heiligen der Letzten Tage“ (englisch: The Church of Jesus Christ of Latter-day Saints). Das Wort Mormone stammt von dem Engel Mormon. Der Prophet Joseph Smith jr. hat der Überlieferung nach 1827 das Buch Mormon von goldenen Tafeln, die er in den Hügeln von Cumorah (Bundesstaat New York) fand, übersetzt. 1830 gründete Smith die erste Religionsgemeinschaft. Wegen Ablehnungen und Verfolgungen floh Smith mit seinen Anhängern nach Westen. Dort wurden dann die Inhalte der Kirche weiter ausgebaut. Am 27. Juni 1844 wurde Smith uns sein Bruder erschossen. Brigham Young wurde dessen Nachfolger und er versuchte einen Neuanfang. Er gründete am großen Salzsee eine Stadt – Salt Lake City.

Unsere beiden Damen führten uns zunächst in das Tabernakel, dem Versammlungshaus. Das Gebäude bietet Platz für 5000 Menschen. Hier probt der Mormon Tabernacle Choir und gibt hier auch Konzerte. Die Akustik der Halle ist exzellent, denn an jedem Platz soll der Redner zu verstehen sein. Lautsprecher und Verstärker gab es zu damaliger Zeit noch nicht. Unser wurde eine kleine Kostprobe geboten, indem am Rednerpult ein Blatt Papier zerrissen wurde und ein paar Nadeln auf das Pult geworfen wurde. Wir konnten beides bis in die letzte Reihe hören. Als nächstes konnten wir die Assembly Hall besichtigen. Hier haben 1400 Menschen Platz.

Das Hauptgebäude auf dem Temple Square, eben den Tempel, kann man nicht besichtigen. Dieser Tempel ist der bekannteste und größte Tempel der Kirche. Baubeginn war der 6. April 1853, dem Jahrestag der Kirchengründung. Einweihung war am 6. April 1893. Somit wurde genau 40 Jahre an dem Tempel gebaut, genauso lange brauchten die Israeliten nach dem Auszug aus Ägypten bis ins gelobte Land. Der Tempel ist 64m hoch und hat eine Grundfläche von 23500m².

Am Besuchereingang endete unsere Führung über das Gelände. Es war sehr interessant.

Nun ging es mit dem Bus weiter ins Hotel. Es lag allerdings nur zwei Blocks vom Temple Square entfernt. Alle Straßen in Utah beziehen sich auf den jeweiligen Tempel. Dieser ist der Mittelpunkt jeder Gemeinde. Der Straßennamen deutet an, wie viele Blocks entfernt und in welcher Richtung der Tempel steht.

Beispiel: Unser Hotel lag in der 200 SW, also 2 Blöcke (aus 200) südlich (aus SW)

Somit kann man, wenn man in eine Stadt kommt, genau sehen, wo der Tempel ist.

Nach dem Bezug der Zimmer machten wir uns dann wieder zu Fuß auf den Weg. Wir besuchten die nahe gelegene Shopping Mall. Hier nahmen wir auch unser Abendessen ein, echt amerikanisch, bei McDonald.

Gegenüber der Mall, neben dem Tempelsquare, befanden sich die beiden Wohnhäuser von Brigham Young. Zwei Wohnhäuser? Natürlich. Für jede seiner Frauen ein Haus. Das Lion-House und das Beehive-House. Zu damaliger Zeit gab es noch die Vielehe, die erst abgeschafft wurde, als Utah im Jahre 1896 in die Union eintrat. Die Abschaffung war eine Bedingung für die Aufnahme in die Union.

Am frühen Abend war dann wieder Feierabend und wir zogen uns müde auf unser Zimmer zurück. Allerdings hatte ich dort mit einem schier unlösbaren Problem zu kämpfen. Es brummte. Aus undefinierbarer Quelle war ein ständiger Brummton zu hören. Ich habe im Zimmer alles abgesucht, ohne Erfolg. Wir vermuteten dann, da es von der Baustelle im Hotel kam, denn einige Zimmer wurden gerade umgebaut. Aber dem war nicht so, denn es war um diese Zeit keiner mehr am Arbeiten. Ich durchsuchte den ganzen Flur auf unserer Etage, ohne Ergebnis. Aber was macht man, wenn man alle möglichen Ursachen untersuchte, aber nichts findet? Man sucht nach den unmöglichen Ursachen. Und siehe da, ich wurde fündig. Die Zimmer in diesem Hotel hatten einen kompletten Wandschrank mit Schubladen, Fernsehschrank und einem eingebautem – Kühlschrank. Dieser hatte sich etwas verschoben und war an der Schrankwand angelehnt, sodass sich das Brummen des Kompressors über die ganze Wand verteilte. Klingt lustig, aber so ein Unterton kann einem den letzten Nerv rauben. Der Kühlschrank wurde zurechtgerückt, Problem gelöst, Tag beendet.


Unser Hotel in Salt Lake City

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