10. Tag: Vom Bryce Canyon zum Monument Valley

  • Reise 2014 – Rocky Mountain High
  • Tagesetappe über 490 km
  • Bundesstaaten: Utah, Arizona
  • Örtlichkeiten: Red Canyon, Glen Canyon Dam, Monument Valley

Wieder mal bei den ersten am Frühstücksbüfett. Was will man machen. Schon kurz nach unserem Eintreffen im Restaurant, standen schätzungsweise 50 Gäste davor und warteten auf ihren Einlass. Das Essen war wieder mal reichlich und gut, der Tag konnte somit in Angriff genommen werden. Vor der Abfahrt besuchten wir noch kurz die Geschäfte auf der gegenüberliegenden Straßenseite. Im Stile alter Westernhäuser stand hier eine Ladenstraße mit allerhand Geschäften. Mit dabei auch eine Nachbildung einer Mine.

Dann ging es wieder weiter im Bus. Auch heute mussten wir ein paar Meilen zurückfahren, allerdings nicht so lange wie gestern. Die orange-roten Felsformationen sollten uns noch ein Stückchen begleiten. Schon bald aber näherten wir uns dem Ende dieser Landschaftsform. Zum Schluss besuchten wir noch kurz das Red Canyon Visitor Center, denn es war eben der Red Canyon durch den wir nun fuhren. Hier gab es zwei sonderbare Hoodoos zu sehen, die beiden stehen einsam und verlassen oberhalb des Visitor Centers auf einem Felsen. Die beiden Türmchen erhielten auch eigene Namen, und zwar Salz und Pfeffer, da sie wie Salz- und Pfefferstreuer aussahen.

Erst viele Meilen später machten wir unsere erste richtige Pause. In Mt. Carmel Junction machten wieder einmal eine Kaffee/Restroom Pause. Dieser Ort verdankt bestimmt seine Existenz einzig und alleine der Kreuzung des Highway 89 und der Route 9. Nicht umsonst also hat der Ort „Junction“ im Namen, also Kreuzung.

Den nächst größeren Ort, durch den wir fuhren, kannten wir schon von früheren Reisen, dieses jahr allerdings machten wir keinen Stopp. Die Rede ist von Kanab. Zehn mormonische Familien gründeten 1870 den Ort. Der erste Siedler hier war aber bereits 1864 Lewi Steward. Kanab wird auch Little Hollywood genannt, da in dieser Gegend viele Filme, oft Westernfilme,  gedreht werden und wurden.

Hier eine Auswahl an Filmen:

  • Ringo (mit John Wayne)
  • The Lone Ranger (mit Jonny Depp)
  • Rauchende Colts
  • El Dorado
  • Planet der Affen

So langsam kamen wir dann unserem nächsten Bundesstaat, Arizona, näher. Nach Kanab durchfuhren wir das südliche Teilstück der bereits beschriebenen Escalante Staircase. Links von uns kamen dann die ersten Schluchten des Glen Canyon, dem großen Stausee des Lake Powell, in Sicht. Wenig später überfuhren wir die Staatsgrenze von Arizona. Am 14 Februar 1912 trat Arizona als 48. Staat der Union bei. Es leben knapp 6,5 Millionen Menschen in Arizona. Über die Herkunft des Namens gibt es bis heute die unterschiedlichsten Deutungen. Seit langen schon behaupten Historiker, der Name stammt aus dem indianischen Wort „ali sonak“, was „kleine Quelle“ bedeutet. Aber auch das spanische „arida zona“ für „trockenes Gebiet“ ist noch im Rennen. Neuzeitliche Thesen gerufen sich aber auf baskische Wurzeln, so heißt „aritz ona“ so viel wie „gute Eiche“. Die Hauptstadt von Arizona ist Phoenix, das wir aber auf dieser Tour nicht besuchten; also auch kein Capitol.

Unseren ersten Halt machten wir dann am Besucherzentrum, dem Carl Hayden Visitor Center, des Glen Canyon Staudamm. Carl Trumbull Hayden war ein langjähriger Senator des Bundesstaates Arizona.

Wir stiegen also am westlichen Ende der Staumauer aus dem Bus. Zu Fuß konnten wir dann die parallel zur Staumauer verlaufende Brücke überqueren. Links von uns befand sich die Staumauer, an deren Fuß sich die Auslässe der Fallrohre befanden. Wasserwirbel zeigten hier an, das auch wirklich Wasser durchfloss. Die Staumauer hat eine Höhe von 216m, die Krone hat eine Länge von 475m. Gebaut wurde der Damm zwischen 1956 und 1964. Die Betonarbeiten mussten in einem Guss erfolgen, so dass unablässig Beton mittels Seilzüge herbeigeschafft werden musste. Es mussten 4.212.551 m³ Gestein und Sand bewegt werden. Durch die 4 Öffnungen mit je 2m Durchmesser fließen pro Sekunde 420m³ Wasser. Die Glen-Canyon Brücke wurde bereits vor dem Bau der Staumauer im Jahre 1959 fertig gestellt. Ohne diese Brücke müsste man einen Umweg von 200 Meilen in Kauf nehmen, um auf die andere Seite zu gelangen.

Der Glen Cayon Dam staut den Colorado zum Lake Powell auf. Ab Anfang 1963 wurde mit der Flutung des Sees begonnen. Sein entgültigen Volumen erreichte er im Jahre 1980, also brauchte der Colorado 17 Jahre dafür. Durch die unzähligen seitlich abzweigenden Canyons, 96 an der Zahl,  und Einschnitte erreicht der See eine Uferlänge von 3153 km. Der See hat eine Länge von bis zu 300 km, je nach Wasserstand. Benannt ist der Stausee nach John Wesley Powell, einem Bürgerkriegsveteran. Zusammen mit 9 Männern erforschte der einarmige Powell den Colorado River und dessen Verlauf im Grand Canyon.

Zurück zu uns. Wir marschierten also per Pedes über die Brücke auf die Ostseite des Dammes. Rechts von uns konnten wir den Colorado in seiner Schlucht bewundern, bevor er dann in einem weiten Bogen aus unserem Blickfeld verschwand.

Nach ein einigen Minuten im Bus machten wir wieder einmal an einem Supermarkt einen Einkaufsstopp. „Picknick im Bus“ war angesagt. Unser Zeitplan ließ keinen längeren Halt zum Mittagessen zu.

Gegen 14:30 erreichten wir dann unser heutiges Etappenziel, das Monument Valley. Dazu mussten wir wieder ein kleines Stückchen nach Utah hinein fahren. Teile des Monument Valley liegen in Utah, andere wiederum in Arizona. Unser erster Anlaufpunkt war das Besucherzentrum. Das Monument Valley liegt auf dem Gebiet der Navajo Indianer und wird auch von den Navajo verwaltet. Es ist daher kein staatliches Schutzgebiet, also kein National Monument oder National Park. Die weltbekannten Tafelberge sind nicht zuletzt durch Werbefilme und Kinofilme bekannt geworden. John-Ford-Country ist eine Bezeichnung des Monument Valley, da der Regisseur bereits vor dem Zweiten Weltkrieg hier Western drehte. An John Ford erinnert ein Felsvorsprung, der als Standort für Filmkameras diente; der John-Ford´s Point“. Der Blick von hier aus ist aber auch überwältigend. Noch heute leben ungefähr 300 Navajo Indianer im Monument Valley und pflegen die Traditionen ihres Stammes und deren Vorfahren.

Nach einem ersten Ausblick von der Besucherterrasse begaben wir uns zu unseren Jeeps für die Fahrt ins Monument Valley. Ich habe ja schon mehrere solcher Jeeptouren mitgemacht, aber so einen noblen Jeep hatten wir noch nicht. Irgendwie müssen die wohl auch mit der Zeit gehen. Wir hatten sogar Gurte zum Anschnallen. Scheinbar haben die mal bei dem unwegsamen Gelände einen Passagier verloren. Und wie die Regressansprüche in den USA sind weiß man ja. Also alles aufgesessen, angeschnallt, und los.

Tipp für Erstbesucher. Nicht gerade mit dem weißen Hemd eine solche Tour im offenen Jeep machen. Auch sollte man sein Fotoequipment gut einpacken. Der rote Staub ist überall. Aber das gehört auch dazu. Auf dem Weg nach unten ins Tal konnten wir von unserem Fahrer Richard allerlei Dinge über das Monument Valley erfahren. Außer uns waren natürlich auch viele Besucher mit dem privaten PKW unterwegs. Allerdings würde ich meinem Auto bzw. dessen Stoßdämpfer und Federungen so eine Tortur nicht zumuten. Ebenso sind große Teile des Tales für den privaten Verkehr gesperrt und man kommt nur mit geführten Touren dort hin. Ich finde, sparen am falschen Ende.

Als aller erstes konnten wir uns an dem wohl bekanntesten Anblick des Monument Valley ergötzen. Schon vom Besucherzentrum aus und jetzt quasi vom Tal aus sahen wir die mächtigen Felsen des East Mitten, des West Mitten und des Merrick Butte.

„Mitten“ ist der englische Begriff für „Fäustling“, sehen doch die beiden Felsen wie nach oben ragende Fausthandschuhe aus. Butte bedeutet „Restberg“, da er oben wie abgeschnitten aussieht. Nahe Verwandte der Buttes sind Mesas, das Tafelberg bedeutet. Es gibt ein allgemeingültiges Unterscheidungsmerkmal zwischen ein Butte und Mesa. Eine Butte ist höher als breit und eine Mesa ist breiter als hoch. Merrick war übrigens ein Goldsucher, der am Fuße des Felsens erschlagen aufgefunden wurde.

Einige Schlaglöcher weiter kamen wir dann zu unserem ersten Haltepunkt auf der Tour, dem John Ford Point. Traumhafte Aussichten wurden uns hier dargeboten. Am dem Felsvorsprung war auch wieder ein Reiter auf seinem Pferd zu sehen, ganz nach dem Willen der Fotografen rings herum. Von hier aus kann man auch die Formation der „Three Sisters“, also der drei Schwestern sehen. Die beiden äußeren Felsnadeln bilden mit der kleineren Nadel in der Mitte ein riesiges „W“. Deshalb sagen auch viele der Navajo, das sei ein Denkmal für John Wayne.

Und weiter ging die Fahrt. Warum man angeschnallt sein muss, wurde einem immer deutlicher. Mit beiden Händen eine Kamera halten und sich gleichzeitig am Jeep festhalten geht so gut wie gar nicht. Also vertraut man sich den Gurten an. Etwas weiter im Tal kamen wir dann an einen Hogan, den wir auch alle von innen besichtigen konnten. Ein Hogan ist das traditionelle Haus der Diné Indianer, wie sich die Navajo selber nennen, Es handelt sich dabei um einen Rundbau, ähnlich wie ein Iglu bei den Eskimos. Allerdings werden diese Hogan aus Baumstämmen errichtet, über die man eine Lehmschicht aufhäuft. In der Regel haben die Hogan 6 bis 8 Ecken, bevor die Lehmschicht drauf kommt. Der Eingang befindet sich immer in östlicher Richtung. Wenn man einen Hogan betritt, soll man immer nach links gehen. Im Inneren des Hogan zeigte uns dann eine Navajofrau wie man Wolle zu einem Faden spinnt.

Nach diesem Hausbesuch ging die Tour dann zu den unterschiedlichsten Formationen. In einiger Entfernung von uns war dann auch der Totem Pole zu sehen, eine große Felsnadel, wohl ein Überrest einer Butte. Die Felsnadel hat eine Höhe von 130m.

Der nächste Halt war dann bei „Sun´s Eye“, dem „Auge der Sonne“. Hier entstand im Laufe der Zeit eine Vertiefung in der Felswand. Diese Vertiefung ist oben offen. Eben diese Öffnung hat die Form von einem Auge.

Weiter ging es dann zum „Big Hogan“. Der ist allerdings nicht von Menschenhand gebaut. Es handelt sich hierbei um eine weitere Einbuchtung im Felsen. Auch hier gab es oben an der „Decke“ eine Öffnung. Die kuppelartige Vertiefung im Felsen und die Öffnung nach oben erinnern eben an einen gigantischen Hogan, darum der Name.

Unser Navajo Tourguide Richard spielte uns dann im „Big Hogan“ noch ein kleines Ständchen auf seiner Flöte. Danach folgte der Guide unseres zweiten Jeeps. Er sang uns ein Lied auf Navajo. Es wird sicherlich im ersten Augenblick als kitschig und klischeehaft abgetan, aber die indianische Flötenmelodie, gespielt in diesem Ambiente, sorgte für Gänsehaut bei uns allen.

Unsere Tour neigte sich nun langsam dem Ende entgegen. Wir fuhren also wieder über Stock und Stein zurück. Viele von uns wussten nun, warum andere Touristen, die uns vorhin am Beginn unserer Tour aus dem Tal heraus entgegen kamen, ein so verkniffenes Gesicht machten. Wir hatten Durst wie ein Fisch, überall war roter Staub und der Wind gab jedem den Rest.

Alles in Allem, eine solche Tour ist ein „Must Have“ bei einem Besuch des Monument Valley. Dabei spielt das, wenigstens für mich, keine Rolle ob ich dies nun schon zum vierten Male mache oder nicht.

Im Bus konnten wir dann unseren Durst löschen. Wie gut doch stilles Wasser schmecken kann. Unsere Fahrt ging dann wieder ein Stück unseres Weges zurück nach Kayenta zu unserem Hotel. Kayenta hat 4922 Einwohner.

Im Hotelrestaurant waren dann die Strapazen bei einem Steak und einem (alkoholfreien) Bier schnell vergessen.


Unser Hotel in Kayenta

 

 

 

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