11. Tag: Vom Monument Valley zum Grand Canyon

  • Reise 2014 – Rocky Mountain High
  • Tagesetappe über 260 km
  • Bundesstaaten:  Arizona
  • Örtlichkeiten: Cameron Trading Post, Grand Canyon

Nach dem obligatorischen Frühstück ging es wieder auf große Fahrt. Mussten wir gestern im Monument Valley nach oben auf die Tafelberge schauen, hieß es heute, den Blick nach unten zu richten. Aber der Reihe nach. Unsere Route führte uns auf der 160 in Richtung Südost. Nach etwas mehr als einer Stunde kamen wir durch die Stadt Tuba City. Die Stadt hat 8600 Einwohner, die meisten sind Angehörige der Navajo und der Hopi Minderheit. Das Reservat der Hopi ist um einiges kleiner als das der Navajo. Es liegt zu 100% inmitten des Navajo Reservats am Rande der Painted Desert. Tuba City ist die größte Gemeinde der Navajo und dort befindet sich auch die Zentrale der Western Navajo Agency. Toova, ein Häuptling der Hopi, ist der Namensgeber der Stadt und der bedeutet so viel wie „Verschlungene Wasserläufe“.

Unseren ersten Halt machten wir machten wir dann etwas später in Cameron, und zwar bei der Cameron Trading Post. Im Jahre 1911 wurde hier eine Brücke über den kleinen Colorado errichtet. Diese ermöglichte zum ersten Male einen einfachen Übergang über die Schlucht. Bald darauf, im Jahre 1916 gründeten die zwei Brüder Hubert und C. D. Richardson die Cameron Trading Post. Hier konnten die Navajo und Hopi ihre Waren (Wolle, Decken, Vieh) eintauschen. Dieser Handelsposten lag weit weg von besiedelten Gebieten, sodass sich bald ein Hotel und ein Restaurant an den Trading Post angegliedert wurde.

Wir besuchten natürlich die Restrooms und den größten Giftshop diesseits des Atlantik. So hatte man zumindest den Eindruck. Aber das gehört natürlich dazu. Nachdem sprichwörtlich alle Geschäfte erledigt waren, konnten wir nach einem kurzen Rundgang wieder in den Bus einsteigen und unsere Fahrt fortsetzen. Die amerikanischen Gesetzte verlangen von den Fahrern der Busse eine strikte Einhaltung der Ruhezeiten. Deshalb mussten auch alle aus dem Bus heraus, auch wenn es sich nur um eine kleine Pause wie hier handelte. Denn die Ruhezeiten werden nur anerkannt, wenn sich niemand mehr im Bus aufhält. Bisher unerwähnt von mir ist in diesem Zusammenhang, das eine kleine Webcam an der Windschutzscheibe den gesamten Innenraum des Busses, einschließlich Fahrer, im Visier hatte. Das Busunternehmen kann sich, wann immer es will, per Internet einloggen und in den Bus schauen. Es soll überwacht werden, ob sich Fahrgäste während der Fahrt unnötig in dem Mittelgang befinden, oder ob es andere Schwierigkeiten gibt. Es wurden schon Diebstähle aus dem Bordgepäck gefilmt und aufgedeckt. Aber ganz ehrlich, man fühlt sich schon etwas beobachtet und es hat eine abschreckende Wirkung.

Wie oben mal kurz erwähnt, durchfuhren wir auch Teile der sogenannten „Painted Desert“, also der „Farbigen Wüste“. Hier waren aber keine Graffitikünstler am Werk, sondern der größte Künstler der Welt; die Natur. Den Namen erhielt diese Wüste von den unterschiedlichen Farben der einzelnen Erdschichten, die an den Berghängen sichtbar zu tage traten. Vorwiegend sind dies Rot- und Gelbtöne, aber auch weiße und extrem dunkle Schichten kommen hier an die Oberfläche. Bereits um 1540 nannten die ersten spanischen Entdecker das Land „El Desierto Pintado“. John Strong Newberry übertrug den Namen um 1864 ins Englische und dies ist bis heute die offizielle Bezeichnung.

Gegen 9 Uhr 40 erreichten wir dann am Desert View Watchtower den östlichen Teil unseres heutigen Etappenziels, dem Grand Canyon. Die Architektin Mary Colter baute diesen Turm im Jahre 1932. Sie erbaute im Grand Canyon Gebiet auch die Phantom Ranch am Fuße des Grand Canyon (1922), sowie die Bright Angel Lodge und viele andere Gebäude am Südrand.

Das Wetter war auf unserer Seite, als wir am Südrand des Grand Canyon ankamen. Die 450km lange Schlucht wurde in Jahrmillionen von dem Colorado River in das Felsgestein des Colorado-Plateaus gefräst. Jährlich wir der Grand Canyon von fünf Millionen Menschen besucht. Der erste Europäer, der den Grand Canyon zu Gesicht bekam, war der Spanier Garcia Lopez de Cardenas, der eigentlich auf der Suche nach sagenumwobenen Städten war. Im September 1540 kam er mit Soldaten unter der Führung von Hopi Indianern hier am Südrand an. Er war aber nicht sonderlich begeistern von dieser Schlucht, hinderte sie ihn doch daran, seinen eigentlichen Auftrag zu erfüllen. Man denke sich nur folgendes: Da reitet man monatelang von Süden her kommend durch viele unterschiedliche Gegenden, und dann tut sich vor einem so ein riesen „Loch“ auf. Keine Chance rüber zu kommen auf die andere Seite. Wie geht es weiter? Ist nach links der bessere Weg oder nach rechts? Nun, der Canyon wurde für wertlos erachtet und er geriet für 200 Jahre in Vergessenheit, kein Europäer kam mehr hierher.

Ab 1880 wurde die touristische Seite des Grand Canyon entdeckt und bereits 1901 erhielt er eine direkte Anbindung an das  Eisenbahnnetz. Theodore Roosevelt ernannte das Gebiet am 11. Januar 1908 zum National Monument und am 26. Februar 1919 zum Nationalpark. Seit 1979 ist der Grand Canyon UNESCO Weltkulturerbe.

Zurück zu unserem Trip. Bevor wir dann in den Watchtower gingen, konnten wir schon mal erste Eindrücke sammeln. Man kann eigentlich die Größe des Grand Canyons gar nicht richtig erfassen. Er ist zwischen 6km und 30km breit und bis zu 1800m tief.

Nun erreichten wir den Watchtower und wir gingen auch gleich in das Innere, um die Aussichtskanzel ganz oben zu erreichen. Über Treppen, die wie eine Wendeltreppe an der Innenwand angebracht waren, stiegen wir nach oben. Das Innere des Turms ist mit indianischer Malkunst geziert. Der Turm hat eine Höhe von 21m. Im unteren Bereich befand sich ein – Giftshop. Nach einer ausgiebigen Besichtigung sammelten wir uns alle wieder am Bus und die Fahrt ging wieder weiter.

Wir fuhren nun ungefähr 40 km am Südrand entlang nach Westen, um unseren eigentlichen „Hauptort“ zu erreichen. Gegen Mittag erreichten wir diesen dann auch. Hierbei handelte es sich um das Grand Canyon Village. An der Bright Angel Lodge wurden wir abgesetzt, der Bus musste weiterfahren. Maria erklärte uns dann, was wir alles unternehmen konnten und lies uns dann nach der Bekanntgabe der Abfahrtszeit freien Lauf. Mary Colter war auch an Bau der Bright Angel Lodge beteiligt. Die Bright Angel Lodge ist ein Hotelkomplex hier am Südrand des Grand Canyon. Ein Restaurant, ein Museum und kleine Läden gehören ebenfalls zu dem Gebäudekomplex.

Wir ergötzten uns nach unserer Ankunft erst mal an dem grandiosen Ausblick in die Tiefen des Grand Canyons. Was mir aber bis heute ein Rätsel bleibt ist die Tatsache, warum man sich beim Fotografieren in eine gut 1500 m tiefe Schlucht auf das ungefähr 60 cm hohe Mäuerchen stellen muss. Wahrscheinlich sind diese 60cm am Ende Ausschlaggebend für perfekte Bilder. Was die Reiseleiter und die Parkranger davon halten, kann man sich wohl denken.

Neben dem Kolb Studio (hier kann man Bilder vom Grand Canyon in allen Variationen kaufen) beginnt der Bright Angel Trail. Dieser Weg führt nach unten zum Colorado River und wieder hinauf auf die Nordseite des Grand Canyon. Um zum Colorado zu kommen, müssen 1400 Höhenmeter überwunden werden und man durchschreitet hierbei fünf Klimazonen. Etwa 1,7 Milliarden Jahre Erdgeschichte kann man hier erkunden. Eigentlich eine nicht greifbare Zeitspanne für uns Menschen. Der Abstieg endet an der Phantom Ranch. Wer nicht zu Fuß gehen will, kann auf dem Rücken eines Muli den Weg in Angriff nehmen. Aber wir gingen zu Fuß auf dem Bright Angel Trail, allerdings nicht bis nach unten zum Colorado. Gut eine halbe Stunde gingen wir den Weg bergab, um wenigstens sagen zu können, wir waren nicht nur am Grand Canyon, sondern auch im Grand Canyon. Nach unserer Rückkehr am Visitor Center mussten wir uns erst mal richtig stärken. Wir gönnten uns ein Eis und wir relaxten eine kurze Zeit.

Sobald man sich irgendwo hin gesetzt hatte, kamen auch schon Besucher einer ganz anderen Art zu einem. Eichhörnchen. Allerdings sehen die etwas anders aus als bei uns, denn die hier sind nicht braun, sondern grau. Schließlich leben die zwischen den Felsen und müssen sich entsprechend anpassen. Die sind zwar auf dem ersten Blick ziemlich niedlich, die haben es aber faustdick hinter ihren Ohren. Ein unachtsamer Moment und die klauen einem das Essen aus den Taschen. Das Füttern ist natürlich strengstens verboten.

Nach dieser Stärkung begaben wir uns wieder auf den Wanderweg, diesmal aber in östliche Richtung. Wir kamen dabei am Hotel El Tovar vorbei. Auch an diesem Hotel war Mary Colter beteiligt, allerdings nicht als Architektin; sie richtete das Hotel ein. Das Hotel wurde 1905 eröffnet, also noch vor der Grand Canyon zum Nationalpark erkoren wurde.

Unser Spaziergang endete am Hopi Haus. Natürlich gab es hier wieder ein Geschäft zu „Besichtigen“, was wir auch taten. Unseren Abschluß machten wir dann dort, wo wir gestartet waren, nämlich an der Bright Angel Lodge. In der Cafeteria tranken wir erst mal einen Kaffee.

Unser Bus war über pünktlich und wir konnten direkt vor der Lodge einsteigen. Das Wetter hat sich mit auf einmal sehr verschlechtert. Das sollte noch Auswirkungen haben. Unser Besuch am Grand Canyon endete nun hier. Unser Übernachtungsquartier war in Tusayan, einem kleinen Ort etwa 10 km südlich des Grand Canyon. Bevor wir aber am Hotel anhielten, fuhren wir noch zum Helikopterterminal auf dem Flugplatz von Tusayan, denn einige Mitreisende hatten einen Helikopterflug gebucht. Wir hatten diesmal darauf verzichtet. Allerdings hatte das besagte nun schlechte Wetter einen Strich durch die Rechnung gemacht. Alle Flüge wurden kurzfristig abgesagt. Schade, denn wir wussten von früheren Reisen, was die Reisekollegen versäumten. Aber das sind halt Dinge, die man einkalkulieren sollte und die man dann akzeptieren muss.

Nach dem Bezug der Zimmer meldete sich die Natur wieder zu Wort, wir hatten Hunger. Wir begaben uns also ins Hotelrestaurant und wir labten uns am Büfett. Wieder ein langer Tag erfolgreich zu Ende gebracht.


Unser Hotel in Tusayan

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