13. Tag: Von Las Vegas nach Los Angeles

  • Reise 2014 – Rocky Mountain High
  • Tagesetappe über 440 km
  • Bundesstaaten:  Nevada, Kalifornien
  • Örtlichkeiten: Barstow, Los Angeles, Griffith Observatorium

Gestern war viel los am Frühstücksbüfett? Kein Vergleich zu dem heutigen Andrang. Wir waren schon eine halbe Stunde vor der Öffnung des Restaurants vor Ort, waren aber nicht bei den ersten Gästen dabei. Aber es ging noch. Hinter uns bildete sich binnen Minuten eine Schlange, die sich bis hinaus in den Casinobereich erstreckte. Ein findiger Mitarbeiter hatte bestimmt mal eine Prämie für folgenden Verbesserungsvorschlag erhalten: Man könnte ja dort, wo sich die Schlange vorm Restaurant bildet, Spielautomaten aufstellen. Der Vorschlag wurde umgesetzt, es standen wirklich Automaten parallel zu den warteten Gästen; gespielt hat aber keiner. Im Restaurant selbst entspannte sich die Lage hinsichtlich der vielen Gäste etwas, es ist halt für ein Hotel in dieser Größe ausgelegt. Das Essen selbst lies auch hier keine unserer Wünsche offen. Also hauten wir auch hier wieder kräftig rein, denn es sollte ein langer Bustag werden. Zum ersten und einzigen Male sollten wir die Koffer im Zimmer lassen und nicht wie sonst üblich auf den Flur stellen, verständlich bei dem großen Hotel und dem Betrieb auf den Hotelfluren. Trotzdem verliefen der Transport und das Einladen in den Bus wieder reibungslos.

Abfahrt war an diesem Tag erst um 9 Uhr, was uns natürlich die Gelegenheit gab, noch etwas im Casino herumzuschlendern. Hatten die denn schon offen? Nun, andersherum geantwortet; die haben gar nicht geschlossen. Das Casino ist rund um die Uhr in Betrieb. Das Wetter hat sich auch geändert. Es war an diesem Morgen so, wie man es sich mitten in der Wüste vorstellt, die Sonne lachte an einem blauen Himmel.

Wir konnten also die Fahrt nach Los Angeles beginnen. Schon nach einer guten dreiviertel Stunde hatten wir Nevada verlassen und wir erreichten unseren nächsten, und letzten, neuen Bundesstaat: Kalifornien. Kurz vor der Grenze standen noch die letzten Casinos, oder wenn man andersherum fährt, gleich nach der Grenze.

Kalifornien wurde am 9. September 1850 der 31. Staat der USA. Er ist flächenmäßig der drittgrößte Staat, hat aber mit mehr als 37 Millionen Einwohnern die meiste Bevölkerung. Die Herkunft des Namens ist bis heute noch nicht ganz geklärt. Eine Erklärung dafür besagt, das in einem Roman von Garci Rodríguez de Montalvo eine Insel mit dem Namen Kalifornien erwähnt wird, die Herrscherin der Insel sei Königin Califia. Spanische Soldaten kamen 1535 zu der Halbinsel mit dem heutigen Namen Baja California und benannten diese dann nach der Insel im Buch von Montalvo.

Unsere Route führte uns durch die Mojave Wüste, sich sich über Teile von Nevada, Kalifornien, Utah und Arizona erstreckt. Dass man nach einer Überschreitung eine Staatsgrenze gewogen wird, hatten wir ja mehrmals erlebt. Bei der Überschreitung der kalifornischen Grenze gab es außerdem noch Kontrolle darüber, ob man Früchte mit sich führt. In Kalifornien wird viel Landwirtschaft betrieben und man will mit den Kontrollen das Einschleppen von Schädlingen und Krankheiten verhindern. Berge und Wüsten bilden zwar eine natürliche Pufferzone, aber durch den Reiseverkehr können eben solche Gefahren ungehindert eingeschleppt werden. Bei uns in Europa ist es ja auch nicht anders. Da ist das Mitbringen von bestimmten Lebensmitteln ja auch untersagt.

Unsere Maria machte uns auf ein Gebiet aufmerksam, der etwas abseits des Highway lag. Wir konnten daher nur den Namen des Gebietes auf Straßenschilder lesen. Maria wollte von uns wissen, wie man den Namen ausspricht. Es war unmöglich. Hier der Beweis: Der Ort hieß Zzyzx. Der Name wurde 1984 bestätigt und belegt, wen wundert’s, den letzten Platz in den alphabetisch sortierten Ortsnamen der USA. Erfunden wurde der Name von dem Hochstapler Curtis Howe Springer, der sich u.a. als Arzt ausgab und hier bis in die 60er Jahre einige Gebäudekomplexe errichtete. Diese illegale Nutzung des Geländes wurde 1974 untersagt.

Zum Mittag machten wir dann Pause bei Barstow. Die Stadt hat etwas über 22000 Einwohner und liegt mitten in der Mojave Wüste. Hier war ungefähr Halbzeit zwischen Las Vegas und Los Angeles. Benannt ist die Stadt nach William Barstow Strong, der Präsident der Santa-Fe-Eisenbahngesellschaft war. Für die Pause fuhren wir ins Tanger Outlet Center vor den Toren der Stadt. Zum Essen gingen wir ins In-N-Out Burger Restaurant. Dieses hat Ähnlichkeiten mit anderen bekannten Burger-Ketten, aber mit dem Unterschied, das hier die Burger erst nach der Bestellung zubereitet werden. Man erhielt also mit dem Kassenbon eine Nummer, die dann per Lautsprecher aufgerufen wurde. Das Essen war gut und reichlich. Wir wollten uns aber auch die Beine etwas vertreten. Auf der anderen Straßenseite lag das eigentliche Outlet Center mit allerlei Geschäften. Diese sind hufeisenförmig angeordnet, die Eingänge der Geschäfte zeigen alle ins Innere des Areals. Es ist zwar inzwischen auch in den USA ein kleines Umdenken bezüglich Umwelt und Klima im Gange, aber hier in der Wüste ist dies scheinbar noch nicht angekommen. Da nutzen auch gefühlte 25 Nachrichtensender im Fernsehen nichts. Was war passiert? Eigentlich nichts schlimmes. Das die Geschäfte bei dieser brütenden Hitze klimatisiert sind ist ja noch nachvollziehbar. Das man aber, damit es im Laden nicht ganz so kalt ist, den gesamten Eingangsbereich offen stehen lässt, verschlägt einem die Sprache. Zudem scheint es nicht möglich, das die Kunden durch Türen treten müssen, die sich erst bei Annäherung öffnen. Aber na gut. Wir kauften uns eine Erfrischung in flüssiger Form, Cola Zero, und spazierten im Schatten der Vordächer an den Läden vorbei. Zum Zeitpunkt der Weiterfahrt waren wir dann wieder alle vollzählig beim Bus erschienen.

Am Nachmittag sahen wir dann in der Ferne unser heutiges Ziel, Los Angeles. Von der „Stadt“ Los Angeles zu sprechen ist eigentlich falsch. Die Ausmaße sind so gewaltig, dass man hier schon von einem ganzen Landkreis reden muss. Schon alleine der „richtige“ Namen der Stadt zeugt von der Größe, der lautet nämlich: „El Pueblo de la Reina de Los Ángeles“, auf Deutsch „Das Dorf der Königin der Engel“. Es gibt abe auch die inoffizielle Maxi-version die da lautet: “ El Pueblo de Nuestra Señora la Reina de los Ángeles del Río de Porciúncula“, also „Das Dorf Unserer Lieben Frau, Königin der Engel des Flusses Portiuncula“. Wir bleiben aber bei Los Angeles, der „Stadt der Engel“. Gegründet wurde die Stadt am 4. September 1781 von dem Gouverneur Felipe de Neve. Los Angeles hat etwas mehr als 3,7 Millionen Einwohner, mit den Umlandgemeinden 11,8 Millionen und ca. 17,8 Millionen Menschen leben in der Metropolregion. Das Stadtgebiet erstreckt sich über eine Länge von 71 km von Norden nach Süden und 47 km von Osten nach Westen. Zu Beginn des 20. Jahrhunderts setzte eine regelrechte Bevölkerungsexplosion ein. Um 1900 hatte die Stadt gerade mal 102000 Einwohner. Neue Bauten wurden meist als Flachbauten ausgeführt, was eben zur Folge hatte, das sich die Stadt so in der Fläche ausdehnte. Ein eigentliches Stadtzentrum wie bei anderen Großstädten findet man hier eher nicht. Hochhäuser findet man im Prinzip „nur“ an zwei Stellen.

Unser Hotel, das wir nun am Nachmittag erreichten, lag in einem solchen Stadtzentrum mit Hochhäusern. Es war das Figueroa Hotel in der gleichnamigen Straße. Ich kannte ja das Hotel von einer früheren Reise und war gespannt, wie es bei den anderen Mitreisenden so ankam. Nun, entweder man liebt es oder man hast es. Zugegeben, es ist etwas abgewohnt auf den Zimmern. Aber das Ambiente des Hotels ist schon beeindruckend. Erbaut wurde es schon im Jahre 1925. Das Innere des Hotels ist im marokkanischen Stil eingerichtet. Halt eben kein Glaspalast mit Neonlicht. Die Wände sind bemalt, von der Decke hängen Lüster, die Gänge sind mit Deckengewölbe versehen und so weiter.

Um 17 Uhr starteten wir zu unserer Abendtour. Wir begannen in der Nähe des Hotels, Downtown Los Angeles. Unsere erste Station war der Water Court auf der California Plaza in der Grand Avenue. Hierbei handelt es sich um eine Freiluft Veranstaltungs- und Begegnungsstätte mit einem großen Essbereich. Wasserspiele, beschattete Sitzplätze und ein Amphitheater stehen hier den Angelstellten der umliegenden Bürotürme als „Pausenzone“ zur Verfügung. Musikkonzerte und andere Vorführungen während der Pausen werden hier „for free“ dargeboten.

Von hier aus gingen wir nach einem Rundgang weiter zur Bergstation der Angel Flight Bahn. Die Standseilbahn ist ein Wahrzeichen von Bunker Hill in Downtown. Zwei Wagons fahren hier alternierend von oben nach unten. Die erste Bahn wurde 1901 erbaut.

Als nächstes konnten wir die Walt Disney Concert Hall besichtigen. Das Gebäude des Architekten Frank Gehry wurde 2003 fertig gestellt. Benannt nach Walt Disney beheimatet es das Los Angeles Philharmonic Orchestra. Das Gebäude soll ein Segelschiff darstellen. Die Fassade ist aus Edelstahl. Es bietet Platz für 2265 Besucher.

Wir warteten vor der Concert Hall, bis uns der Bus wieder aufnahm. Wir fuhren nun etwas länger, denn wir besuchten in den Hügeln von Mount Hollywood das Griffith Observatorium im Griffith Park.  Von hier oben hatten wir einen schönen Panoramablick über Los Angeles, bis zum Pazifik und nach Santa Monica.

Der Kuppelbau wurde am 14. Mai 1935 eingeweiht. Im Jahre 2006 erfolgte nach vierjähriger Renovierung die Wiedereröffnung. Bekannt ist das Observatorium nicht alleine wegen der Ausstellungsstücken und dem Planetarium, sondern auch, weil es schon oft als Filmkulisse in Hollywoodfilmen diente. Wohl einer der bekanntesten Filme war „… denn sie wissen nicht was sie tun“ mit James Dean aus dem Jahre 1955, oder „Terminator“ aus 1984. Vor dem Observatorium steht zur Erinnerung eine Büste von James Dean. Wir besuchten die Dachterrasse und die große Eingangshalle. Hier in der Halle ist ein großes Foucaultsches Pendel installiert. Die Kugel am Ende des langen Drahtseils wiegt 100 Kg. Damit soll die Erdrotation anschaulich gemacht werden.

Vor oben hier konnten wir auch das erste Mal die wichtigsten neun Buchstaben von Los Angeles sehen, den berühmten Hollywood Schriftzug in den Hollywood Hills. Die 15m hohen Buchstaben bilden auf einer Länge von 137m diesen markanten Schriftzug über Hollywood. Die ganze Konstruktion wiegt ca. 220 Tonnen. Eigentlich fehlen hier einige Buchstaben. Der Schriftzug war nie als Hinweis auf den Stadtteil Hollywood geplant. Eine Maklerfirma stellte am 13 Juli 1923 in den Bergen eine Werbeschriftzug auf: Hollywoodland. Konzipiert war das Ganze für eine Dauer von eineinhalb Jahren. Somit ist es nicht verwunderlich, das im Laufe der Zeit der Schriftzug mehr und mehr verrottete. Buchstaben vielen sogar komplett um. 1949 wurde dann der Name zur heutigen Form gekürzt und die Buchstaben wurden restauriert. Ende der 70er Jahre erfolgte erneut eine Restaurierung. 1978 war zwei Monate sogar gar kein Schriftzug zu sehen. Das Hollywood Sign wurde nun komplett neu erstellt, nun gab es feste Fundamente, Stahlrohre und emaillierte Buchstaben. Inzwischen muss das Gelände um den Schriftzug herum abgesperrt und mit Kameras überwacht werden. Der Vandalismus nahm zu und man musste dem Einhalt gebieten.

So langsam brach die Dämmerung an. Mit einem letzten Blick aus Los Angeles begaben wir uns wieder zum Bus. Am Hotel angekommen, begaben wir uns ins Hotelrestaurant. Den Abschluss der Abendtour bildete ein gemeinsames Abendessen. Es war wirklich sehr gut, es gab (wieder) Steaks. Es waren aber fast die besten Steaks auf der ganzen Tour. Unverhofft kommt oft. Koffer packen entfiel heute. Wir blieben ja noch einen kompletten Tag in Los Angeles.


Unser Hotel in Los Angeles

 

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