14. Tag: Los Angeles

  • Reise 2014 – Rocky Mountain High
  • Tagesetappe über 75 km
  • Bundesstaaten:  Kalifornien
  • Örtlichkeiten: Downtown Los Angeles, Hollywood, Walk of Fame, The Getty, Santa Monica, Venice Beach

Keine Koffer packen und vor die Tür stellen. Ganz entspannt zum Frühstück gehen. So begann unser zweiter Tag in Los Angeles. Trotzdem hatten wir einiges vor. Wir starteten also an diesem Morgen zu unserer Stadtrundfahrt und zum anschließenden fakultativen Ausflugsprogramm. Ähnlich wie gestern mussten wir nicht lange im Bus sitzenbleiben. Schon bald erreichen wir unseren ersten Haltepunkt auf der Rundfahrt. Wir besichtigten das Areal der Disney Concert Hall. Dabei konnten heute auch zwischen den einzelnen Gebäudeteilen spazieren gehen. Die Edelstahlfassade der Gebäude ist schon beeindruckend, allerdings haben die Planer und die Erbauer an etwas wichtiges nicht gedacht. Nämlich, das in Südkalifornien öfters mal die Sonne scheint. Viele Anlieger rund um das Areal haben sich darüber beschwert, weil sich die Sonne in der Fassade spiegelt und alles rund herum geblendet wird. Als Abhilfe hatte man sich dann dazu entschlossen, die ganze Fassade quasi „anzurauen“. Wenn man ganz an die Bleche herantritt, sieht man diese Nacharbeiten. Als wäre mit Schmirgelpapier ein Edelstahl bearbeitet worden. Man kann sich beim jetzigen Glanz der Fassade gar nicht vorstellen, wie es vorher gespiegelt hat. Der Rundgang zwischen den Gebäuden war schon beeindruckend.

Unser nächster Halt auf der Tour war geprägt von der Geschichte der Stadt Los Angeles. Nicht weit von Downtown befindet sich die älteste Straße der Stadt, die Olvera Street. Am 4 September 1781 wurde hier die Stadt offizielle gegründet. In der Straße stehen noch 27 Häuser unterschiedlichen Alters und dementsprechend unterschiedlicher Baustile. In den Häusern befinden sich nun Restaurants und Geschäfte aller Art. Nach unserer Ankunft besuchten wir das Avila Adobe Haus. Francisco Avila baute dieses Haus im Jahre 1818. Es ist somit das älteste Haus in Los Angeles. Die Mauern des Hauses sind fast einen Meter dick und bestehen aus Adobe (Lehmsteine). Die originale Deckenhöhe war 4,60 m. Ursprünglich war das Haus doppelt so lange wie heute und hatte einen L-förmigen Grundriss. Heute befindet sich in dem Haus ein Museum mit sieben Räumen. Zu sehen ist hier eine Komplette Wohnung aus der damaligen Zeit. Es ist schon sehr interessant zu sehen, wie man zur Gründerzeit gelebt hatte. Allerdings würden Häuser der „normalen“ Bevölkerung sicherlich anders aussehen. Nach einem Rundgang im Haus machten wir uns auf den Weg, um den Rest der Olvera Street zu sehen. Wie bereits erwähnt, Restaurants und Geschäfte nicht nur zu beiden Seiten der Straße, sondern auch mitten drin. Die Straße ist so breit, das man in der Mitte eine ganze Zeile mit Läden errichten konnte.

Nach dem Besuch des „alten“ Los Angeles begaben wir uns dann in die neuzeitlicheren Gefilden. Nach Hollywood.

Wir dem Aussteigen aus dem Bus konnten wir bereits die ersten Sterne auf dem berühmten „Walk of Fame“ sehen, die rechts und links auf den Gehwegen des Hollywood Boulevard ins Pflaster eingelassen waren. Über 18 Häuserblocks hinweg erstreckt sich inzwischen dieser Teil des Hollywood Boulevard. Über 2500 Sterne sind hier zu Ehren vieler Starts aus den unterschiedlichsten Kategorien zu sehen. Es gibt aber auch einen Abzweig in eine andere Straße, in der man an drei Häuserblöcke entlang die Sterne ansehen kann.

Es gibt folgende fünf Kategorien, die per Symbol auf dem Stern zu unterscheiden sind:

  • Film – Symbol ist eine Kamera
  • Fernsehen – Symbol ist ein TV Gerät
  • Musik – Symbol ist eine Vinyl Schallplatte
  • Radio – Symbol ist ein Mikrofon
  • Theater – Symbol(e) sind Masken

Es gibt auch Sonderausführungen die in keine der Kategorien passen. So wurde der langjährige Bürgermeister von Los Angeles, Tom Bradley, mit einem Stern geehrt, als auch die Besatzung der Mondlandefähre der Apollo11. Doch nicht nur Menschen sind hier verewigt. Es gibt auch Stern für Puppen und Trickfiguren (zum Beispiel Bigs Bunny, Donald Duck, Kermit, die Muppets, Mickey Maus…) als auch für Tiere (zum Beispiel Lassie).

Sollte ein Inhaber eines Sterns sterben, so werden auf dem Stern Blumen niedergelegt und Kerzen aufgestellt. Wir hatten das selber gesehen, denn nur wenige Tage vor unserem Besuch verstarb Joan Rivers, eine amerikanische Entertainerin.

Aber noch an einer anderen Stelle haben die Stars und Sternchen ihre Fußspuren hinterlassen. Und das im wörtlichsten Sinne. Auf dem Vorplatz von  Grauman’s Chinese Theatre, einem Kino, sind die bekannten Fuß- und Handabdrücke im Beton zu besichtigen. Das Kino wurde von Sid Grauman im Jahre 1927 im Stil einer chinesischen Pagode gebaut. Es dient bis heute als Premierenkino. Viele Kinos zur damaligen Zeit waren einem „Thema“ gewidmet. Unweit des Chinese Theatre steht ein Kino in ägyptischen Stil. Dieses wurde ebenfalls von Grauman gebaut, und das bereits im Jahre 1922. Wie es zu der Tradition der Fuß- und Handabdrücke kam ist schleierhaft. Es gibt allerdings die Legende, das die Schauspielerin Norma Talmadge das sich noch im Bau befindliche Kino besuchte sie mit den Schuhen im frischen Beton des Vorhofs stecken geblieben sei. Sid Grauman kam dann die Idee, das es doch solche Abdrücke quasi als Autogramm geben könnte. Verbürgt ist allerdings, dass sich einer der Bauarbeiter bei der Fertigstellung des Vorhofes im frischen Beton mit seinem Handabdruck und Monogramm verewigte. Es handelte sich um Jean Klossner, der dann von 1927 bis 1962 die Abdruckzeremonie überwachte. Die ersten offiziellen Abdrücke stammen ebenfalls aus dem Jahr 1927 und sind von Mary Pickford und Douglas Fairbanks. Rund weitere 200 Abdrücke kamen seit dem dazu. Allerdings nicht nur von Menschen und nicht nur von Händen und Füßen. Hier gibt es auch Abdrücke von Donald Duck, Darth Vader, R2D2, C3PO usw. Harold Lloyd drückte seine markante Brille in den Beton, Roy Rogers verewigte sein Pferd mit dessen Hufabdruck.

Man kann sich sicherlich vorstellen, was in dem Vorhof los war. Ausnahmslos alle Besucher starrten auf den Boden, um die Abdrücke ihres Stars zu finden. Jeder gab dem anderen einen Tipp. Natürlich machten auch wir dabei mit. Schließlich haben wir auch gefunden, wen wir suchten. John Wayne.

Neben dem Chinese Theatre steht das Dolby Theatre, das bis ins Jahr 2012 noch Kodak Theatre hieß. Es ist ein Veranstaltungs- und Konzertsaal, in dem seit der Eröffnung 2002 die alljährlichen Oscar-Verleihungen stattfinden. Man kann sich sicherlich vorstellen, das der Ausdruck „Konzerthalle“ für hiesige Verhältnisse nicht ausreicht. Es ist weit mehr. Über eine große Freitreppe kann man hier in eine Art Mall gelangen. Es gibt hier allerlei Geschäfte und Restaurants. Vom hinteren Bereich aus hat man eine sehr schöne Sicht auf das Hollywood Sign. Im Blickfeld ist auch die Hollywood United Methodist Church, die oftmals als Filmkulisse und Drehort für Filme diente. So zum Beispiel für Sister Act und Zurück in die Zukunft.

     

Gegen Ende unseres Besuchs hier am Hollywood Boulevards suchten wir noch die letzten Sterne auf, bevor wir uns wieder zum Bus begaben. Auf dem Weg zu unserer nächsten Station fuhren wir durch Beverly Hills.

Man verbindet Beverly Hills automatisch mit Los Angeles und denkt, das wäre ein Stadtteil wie Hollywood. Aber weit gefehlt. Beverly Hills ist eine eigenständige Stadt, die allerdings im großen Los Angeles ein Inseldasein führt. Hier leben ca. 34000 Menschen, viele davon bekanntermaßen sind Prominente Schauspieler und Regisseure. Das Gebiet war im Besitz einer Ölfirma, die Erträge jedoch blieben aus. Das Land wurde 1906 in Grundstücke aufgeteilt. Der Beverly Hills wurde nun eingeführt. In Beverly Hills befindet sich eine der teuersten Straßen der Welt, der Rodeo Drive. Schon bei meinen früheren Besuchen hier fiel einem auf, das die Auslagen in den Schaufenstern keine Preise an den Waren haben; wer hier einkauft braucht sich ums Geld eh´ keine Gedanken machen. Der Clou damals war ein ca. 3m breites Schaufenster, in dem sage und schreibe EIN Paar Schuhe ausgestellt waren. In diesem Jahr allerdings machten wir hier keinen Stopp. Um sich optisch von dem Stadtgebiet von Los Angeles zu unterscheiden, haben die hier komplett andere Straßenschilder. Ebenso die Wasserhydranten sehen anders aus. In Los Angeles sind sie wie fat überall knallrot, in Beverly Hills sind sie silbern.

Über den Sunset Boulevard, 35km lang und eines der bekanntesten Straßen von Los Angeles, fuhren wir dann zu unserer nächsten Station auf der Tour des heutigen Tages. Wir erreichten kurz vor Mittag das Getty Center, unser Ziel.

Seit 1997 beherbergt das Kunstmuseum große Teile des  J. Paul Getty Museums. Es gibt hier aber auch wissenschaftliche Einrichtungen. Der amerikanische Architekt Richard Meier hat diesen Gebäudekomplex entworfen. Vom Baubeginn 1991 bis zur Fertigstellung 1997 vergingen sechs Jahre. Es wurden aber nicht nur Gebäude entworfen und errichten, sondern auch diverse Gärten wurden hier angelegt. Der Milliardär Jean Paul Getty hat hier etwa 50000 Kunstwerke zusammengetragen.

Mit dem Bus fuhren wir nun in die Garagenanlage, die sich etwas unterhalb des Hügels, auf dem das Getty Center stand, befand. Von hier aus fährt eine automatische Bahn den Hügel aufwärts. Im großen Foyer erhielten wir dann unsere Gutscheine für das Mittagessen. Wir machten uns dann auch sofort auf den Weg ins Café. Die einzelnen Speisen wurden hier nach „Herkunft“ geordnet angeboten. So gab es einen Bereich mit italienischen Gerichten, einen Bereich mit mexikanischen Gerichten und einen Bereich mit amerikanischen Gerichten; sprich Burger. Es also für jeden etwas dabei. Der Tag war bis jetzt sehr anstrengend, so dass wir uns hier genügend Zeit nahmen.

Frisch gestärkt gingen wir dann an die Besichtigung des Getty Centers. Zugegeben, wir sind nicht so die Kunstfreunde. Wir haben uns damit begnügt, die weitläufigen Anlagen im Freien zu besuchen. Die Gärten waren wirklich sehr schön angelegt. Auch mit dem Wetter hatten wir Glück. Von den Terrassen hatten wir einen sehr schönen Blick über diesen Teil von Los Angeles und besonders auf Hollywood. Wir genossen unseren ganzen Aufenthalt hier im Bereich der Gärten. Erst kurz vor der Abfahrt begaben wir uns nochmals ins Café um uns etwas zu erfrischen. Mit der Bahn fuhren wir dann wieder nach unten zum Parkhaus, wo wir dann von Paul abgeholt wurden.

Unser Ausflugspaket trug den Namen „Getty Center und Strandgemeinden“. Das Getty Center lag nun hinter uns, also folgten nun die Strandgemeinden. Santa Monica war unsere erste Station. Santa Monica hat über 85000 Einwohner und liegt an der Küste entlang des Pazifiks. Wie Beverly Hills ist Santa Monica eine eigenständige Stadt. Das nahe gelegene Hollywood benutzt Santa Monica gerne als Filmkulisse. Forrest Gump zum Beispiel erreichte hier bei seinem jahrelangen Lauf durch die USA die Westküste und drehte wieder um. Besonders bekannt ist das Santa Monica Pier, das wir dann auch besuchten. Die berühmte Route 66 endet hier. Das Pier besteht aus zwei Teilen. Das lange und schmale Municipal Pier wurde 1909 eröffnet und hatte den Zweck, die Abwasserrohre hinter die Brandung zu führen. 1916 erfolgte der Bau der kurzen, aber breiteren Pleasure Pier. In den 60er Jahren überstand die Pier viele Abrisspläne der Stadt. Auf dem Pier befindet sich der Pacific Park Vergnügungspark. Das Karussell stammt aus dem Jahre 1920 und wurde ein Wahrzeichen für das Pier und für Santa Monica. Es befinden sich auch ein Aquarium, Geschäfte, Trödelläden und Restaurants hier. Am Ende des Piers kann man viele Fischer sehen, die hier ihr Angelerglück versuchen. Wir schlenderten gemütlich über das Pier und wir ließen den Blick über den Ozean schweifen. Was für ein Kontrast, nicht zur Millionenmetropole Los Angeles, sondern auch zu den Naturwundern, die wir in den letzten zwei Wochen besuchten. Am Nachmittag wurden wir wieder alle eingesammelt und wir fuhren weiter nach Venice.

Venice wurde von Abbot Kinney 1905 als das „Venedig von Amerika“ als Badeort gegründet. Damit es auch wirklich etwas von Venedig hat, wurden extra Kanäle angelegt. Allerdings wurden 1929 die meisten Kanäle wieder zugeschüttet. Im November 1925 erfolgte der Anschluß der Stadt Venice an Los Angeles. Mit der Zeit wurden die Ufer und die Straßen ein Sanierungsfall. Eine Restauration erfolgte in den Jahren 1992 bis 1993. Zu Venice gehört auch Venice Beach, der 4,5km lange Sandstrand am Pazifik. Das milde Klima Südkaliforniens lässt hier das ganze Jahr über Aktivitäten zu. Egal ob Inliner, Skateboarder, Radfahrer oder Jogger. Sport wird hier sehr groß geschrieben. Am Muscle Beach zeigen die Bodybuilder, was sie sich so antrainiert haben. Ursprünglich war Muscle Beach nahe Santa Monica gelegen. In den 60er Jahren zogen die Sportler nach Venice Beach um. Entlang des Ocean Front Walk lagen allerlei Geschäfte. Straßenkünstler gaben ihr Bestes, um dem Publikum für einen Dollar ein Show zu bieten. Wir besuchten den Sandstrand den Ocean Front Walk.

Am späten Nachmittag beendeten wir unseren Tagesausflug. Die Rückfahrt zum Hotel dauerte nun auch seine Zeit, denn es war reger Feierabendverkehr. Zum Abendessen gingen wir ins neben dem Hotel gelegenen „Pantry Café“. Das Restaurant hat rund um die Uhr geöffnet. Es handelt sich um eines der ältesten Restaurants der Stadt, wurde es doch bereits 1924 gegründet. Zum Bezahlen musste man, nachdem man die Rechnung von der Bedienung erhalten hatte, beim „Cashier“ neben der Eingangstür. Zum Abschluss besuchten wir wieder die Hotelbar am Pool und tranken noch schnell ein Bier.


Unser Hotel in Los Angeles

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