15. Tag: Von Los Angeles nach Pismo Beach

  • Reise 2014 – Rocky Mountain High
  • Tagesetappe über 290 km
  • Bundesstaaten:  Kalifornien
  • Örtlichkeiten: Santa Barbara, Stearns Warf, Solvang

An diesem Morgen hieß es Abschied nehmen von Los Angeles. Man könnte hier noch eine Woche bleiben und dabei jeden Tag etwas anderes erleben und besuchen. Beim diesjährigen Besuch von uns mussten wir auf den Besuch der Filmstudios verzichten, allerdings hat dies unseren Aufenthalt hier nicht geschmälert.

Wir fuhren zur gewohnten Zeit von unserem Hotel Figueroa ab. Unsere Route führte uns nach Norden auf dem Pacific Highway 1. Wir kamen nochmals durch Santa Monica, das wir ja gestern besuchen konnten. Der Highway machte seinem Namen alle Ehre, denn er führte direkt an der Küste entlang. Nach einigen Kilometern kamen wir durch Malibu, einer nicht gerade unbekannten Stadt an der Pazifikküste. Die 12600 Einwohner zählende Stadt ist bekannt für ihre Sandstrände. Viele Filmstars und andere Filmschaffende haben hier ihren Wohnsitz. Malibu wird häufig von Naturkatastrophen wie Waldbrände, Überflutungen und Muren Abgänge (Erdrutsche) heimgesucht. An vielen Stellen entlang des Highways sind die Auswirkungen zu sehen.

Natürlich ist uns Malibu auch vom Fernsehen her bekannt. Man denke nur an die Kultserie „Baywatch“. Schon etwas älter, aber nicht weniger kultig ist die Krimiserie „Detektiv Rockford, Anruf genügt“. Jim Rockford lebte ja in einem Wohnwagen. Und wo stand dieser? Am Strand von Malibu.

Um kurz nach 11 Uhr am Vormittag erreichten wir unser erstes Ziel für den heutigen Tag. Die Stadt Santa Barbara. Die etwas mehr als 90000 Einwohner zählende Stadt wurde als Mission am 4. Dezember 1786 als zehnte Mission zwischen Los Angeles und San Francisco gegründet. Der 4. Dezember ist der Gedenktag der heiligen Barbara von Nikomedien. Die von Touristen sehr beliebte Stadt behielt das mexikanisch-spanische Stadtbild bei. Selbst nach dem großen Erdbeben im Jahre 1925 wurde Santa Barbara im traditionellen Stil wieder aufgebaut.

Nach unserer Ankunft fuhren wir zunächst in das historische Gerichtsgebäude des Santa Barbara County. Das Gebäude wurde 1929 im Spanisch-maurischen Stil eines Palastes errichtet. Großzügige Grünanlagen befinden sich ebenfalls auf dem Gelände. Wir wurden darum gebeten, uns der „Würde des Gerichts“  entsprechend zu verhalten, denn es handelt sich hier nicht um einen Museumsbau, sondern um ein arbeitendes Gericht. Es hätte also durchaus vorkommen können, dass ein Gefangenentransport uns auf den Fluren begegnet. Dem war aber nicht so. Wir konnten sogar den historischen Gerichtssaal betreten. Wandmalereien zeigen die Geschichte von Santa Barbara. Gerichtsverhandlungen finden hier gelegentlich auch noch statt. Im Anschluss konnten wir über viele Treppenstufen hinauf in den Glockenturm. Der Turm „El Mirador“ hatte eine Höhe von 26m. Er erlaubte einen schönen Ausblick in alle Richtungen.

Blick vom Glockenturm über Santa Barbara

Nach dem Besuch des Gerichts machten wir uns dann zu Fuß auf den Weg Richtung Strand. Ungefähr 2 Kilometer mussten wir zurücklegen. Aber zu Fuß sieht man halt auch mal Dinge, die man aus einem fahrenden Bus heraus nicht sieht. So konnten wir die vielen Restaurants, Geschäfte und Lokalitäten sehen, die sich hier entlang der Hauptstraße befanden.

Schließlich kamen wir an unserem Ziel an: Stearns Wharf.

Stearns Wharf ist ein Pier im Hafen von Santa Barbara. Nach dessen Vollendung im Jahre 1872 war dies die längste Pier zwischen Los Angeles und San Francisco. Benannt ist das Pier nach John P. Stearns, dem Erbauer und  ortsansässigen Holzfäller. Erbaut wurde Stearns Wharf, um Passagiere und Fracht anlanden zu können. Das Restaurant auf dem Wharf wurde 1941 erbaut. In der Geschichte des Wharf finden sich auch viele Katastrophen wieder. So wurde auch das Wharf 1925 von einem Erdbeben beschädigt. Im Jahre 1973 erfolgte nach einem Brand sogar die Schließung. Nach sechs Jahre der Restauration wurde das Pier 1981 wieder eröffnet. Im Winter 1998 brach erneut ein Feuer aus, das die letzten 30m des Piers inklusive Moby Dick Restaurant zerstörte.

Direkt neben Stearns Wharf haben Studenten etliche amerikanische Flaggen in den Sand gesteckt. Es handelte sich um Memorial, denn unser Besuchstag war der 11. September. Man gedachte hier den Opfern der Anschläge von New York, Washington und Shanksville.

Entlang des Piers haben einfallsreiche Menschen, ich denke das waren Bedürftige, kleine Spielchen ausgedacht. Sie platzierten zum Beispiel Plastikbecher an Schnüren, oder sie schnitten Öffnungen in Pappschachteln, damit die Besucher von der Reling aus Cent-Stücke hineinwerfen konnten. Davon wurde rege Gebrauch gemacht. Ähnlich wie in Santa Monica spazierten wir gemütlich bis ans Ende des Piers. Es war zwar Mittagszeit, aber wir blieben dennoch nicht zum Essen hier. So langsam mussten wir uns nämlich wieder auf den Weg machen, denn unsere Abfahrtszeit rückte näher. Unser Bus wartete schon auf uns.

Santa Barbara war für uns aber noch nicht erledigt. Wir besuchten als nächstes die alte Mission von Santa Barbara. Franziskaner gründeten diese Mission, wie bereits erwähnt, am 4. Dezember 1786. Dem Gedenktag der heiligen Barbara. Ziel war es – natürlich – die Ureinwohner vom Stamme der Chumash zum Christentum zu bekehren. Die Leitung der Mission liegt noch heute in den Händen der Franziskaner. Der komplette Originalname der Mission lautet „La Misión de La Señora Bárbara, Virgen y Mártir“ oder auf Deutsch „Die Mission der Frau Barbara, Jungfrau und Märtyrerin“. Wir gingen sofort nach unserer Ankunft in die Kirche um diese zu besichtigen. Die ganze Mission, die Kirche, das umliegende Gelände war sehr schön. Ein Besuch hier an dieser Ursprungsstätte der Stadt Santa Barbara hatte sich gelohnt.

Santa Barbara ist aber nur eine von vielen Missionen entlang der Westküste. Zwischen Los Angeles im Süden und San Francisco im Norden gibt es noch viel mehr. Da die Entdecker, Erforscher und Missionare von Süden nach Norden die Westküste entlang fuhren, ist die Reihenfolge entsprechend von Süd nach Nord geordnet.

  • Mission San Diego de Alcalá, in San Diego
  • Mission San Luis Rey de Francia, in Oceanside
  • Mission San Juan Capistrano, in San Juan Capistrano
  • Mission San Gabriel Arcángel, in San Gabriel
  • Mission San Fernando Rey de España, in Mission Hills
  • Mission San Buenaventura, in Ventura
  • Mission Santa Barbara, in Santa Barbara
  • Mission Santa Inés, in Solvang
  • Mission La Purísima Concepción, northeast of Lompoc
  • Mission San Luis Obispo de Tolosa, in San Luis Obispo
  • Mission San Miguel Arcángel, in San Miguel
  • Mission San Antonio de Padua, northwest of Jolon
  • Mission Nuestra Señora de la Soledad, south of Soledad
  • Mission San Carlos Borromeo de Carmelo, south of Carmel
  • Mission San Juan Bautista, in San Juan Bautista
  • Mission Santa Cruz, in Santa Cruz
  • Mission Santa Clara de Asís, in Santa Clara
  • Mission San José, in Fremont
  • Mission San Francisco de Asís (Mission Dolores), in San Francisco
  • Mission San Rafael Arcángel, in San Rafael
  • Mission San Francisco Solano, in Sonoma

Entlang dieser Missionen zieht sich der sogenannte „El Camino Real“, der „Königsweg“. Er ist 970 km lang. Zu Beginn des 20. Jahrhunderts gab es noch keine standardisierten Verkehrszeichen. Zur Kennzeichnung des Carmino Real wurden daher am Straßenrand Mastern aufgestellt, an denen jeweils eine Glocke hängt. Der Mast hat die Form eines Hirtenstabes. Nach einem Restaurierungsprogramm im Jahre 2005 gibt es 555 El Camino Real Glocken.

Die Fahrt ging dann am Nachmittag weiter. Der Westen der USA ist ja geprägt von vielen Einwanderern. Die größte Gruppe davon sind sicherlich die mexikanischen Volksgruppen. Nicht zuletzt war ja der ganze Südwesten der USA mexikanisch. Nun kamen wir allerdings in ein Städtchen, das so gar nichts mexikanisches an sich hatte, Solvang. Hierbei handelte es sich um eine Kolonie aus Dänemark. Die 5300 Einwohner zählende Stadt wurde 1911 von dänischen Pädagogen auf dem spanischen Missionsland von Santa Inés gegründet. Der Name Solvang bedeutet „Sonniges Feld“ auf Dänisch. Alle Häuser hier sind in dänischem Baustil gehalten. So gibt es hier viele Fachwerkhäuser. Ja sogar Windmühlen gibt es hier zu sehen. Auch die Gastronomie hat den dänischen Einfluss beibehalten, egal ob Bäckereien, Restaurants oder andere Geschäfte. Die erwähnte Mission Santa Inéz ist die 19. Mission und wurde 1804 gegründet. Solvang hat einen ganz berühmten Nachbarn – die Neverland Ranch von Michael Jackson.

Die Dänen sind ja berühmt für ihre Bäckereierzeugnisse. So kam es uns gerade recht, zur Kaffeezeit in Solvang Station machen zu können. Wir hielten kurz Umschau und schon waren wir in einem Cafe´ bei Cappuccino und einem Stück Kuchen. Beides war sehr gut. Nach dieser Stärkung schlenderten wir dann gemütlich durch die Hauptstraße von Solvang. Eher zufällig kamen wir dann an einem Eiscafé vorbei. Naja, vorbei ist nicht das richtige Wort. Wir gingen natürlich rein und kauften uns ein großes Eis.

Wir hatten gerade die letzte Kugel Eis verdrückt, als die Fahrt dann auch schon wieder weiter ging. Schnurstracks fuhren wir dann zu unserem Übernachtungsort; Pismo Beach.

Pismo Beach wurde 1891 gegründet und hat heute ca. 8600 Einwohner. Namensgeber der Stadt waren die Chumash Indianer. Pismo bedeudet so viel wie Teer, der in der Nähe abgebaut wird. Pismo Beach selber haben wir nicht besichtigen können, wir fuhren nach unserer Ankunft direkt in Hotel. Nach dem Bezugnehmen der Zimmer (unseres war sogar ein Zimmer mit zwei Schlafräumen) besuchten wir das nahe gelegene Einkaufszentrum. Zum Essen gingen wir wieder mal zu dem Restaurant mit dem großen gelben „M“ auf dem Schild. Auf dem Rückweg besuchten wir noch hurtig einen Supermarkt. Das Bierchen am Abend kauften wir dort und wir ließen es uns auf dem Hotelzimmer schmecken. Wieder ging ein sehr schöner Tag zu Ende.


Unser Hotel in Pismo Beach

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