16. Tag: Von Pismo Beach nach San Francisco

  • Reise 2014 – Rocky Mountain High
  • Tagesetappe über 460 km
  • Bundesstaaten:  Kalifornien
  • Örtlichkeiten: Monterey, 17-Mile-Drive, Carmel, San Francisco

An diesem Morgen mussten wir wieder früher ran. Alles fand eine halbe Stunde früher statt. Trotzdem waren wir wieder mal die ersten beim Frühstück. Das war auch diesmal gut so. Heute stand die letzte große Etappe auf dem Plan. Auf der 101 fuhren wir sofort nach dem Frühstück in Richtung Norden. Erst in Salinas verließen wir die 101 und fuhren westlich auf der 68, um zu unserem ersten Stopp des heutigen Tages zu kommen; Monterey. Kurz nach Salinas fuhren wir an dem kleinen Städtchen Spreckels vorbei. Die Ortschaft kann ca. 675 Einwohner. Benannt ist der Ort nach dem deutschen Industriellen Claus Spreckels, der 1828 im Landkreis Cuxhaven geboren wurde. Als „Sugar King“ von Hawaii und Kalifornien stieg er mit seiner Zuckerfabrik zu einem der erfolgreichsten deutschstämmigen Unternehmer der USA auf. Gebaut wurde die Stadt als Wohnstätte für die Arbeiter in der Zuckerfabrik.

Gegen 10 Uhr erreichten wir dann Monterey. Die Stadt heißt ins Deutsche Übersetzt „Königsberg“ und liegt direkt an der Pazifikküste auf einer Halbinsel in der Monterey Bay. Sie hat ungefähr 27800 Einwohner. Die Bucht wurde 1602 von Sebastian Vizcaino erforscht und zu Ehren des spanischen Vizekönigs, dem Grafen von Monte Rey, benannt. Die ersten Gebäude waren der Militärstützpunkt und die Mission. Als Gründungsdatum der Stadt gilt der 3. Juni 1770. Monterey war sogar kurz die Hauptstadt des noch jungen Kalifornien. Zu den bekanntesten Söhnen der Stadt zählt der Schriftsteller John Steinbeck (Geboren in Salinas), bei dem Monterey auch Schauplatz seiner Romane wie „Straße der Ölsardinen“ war.

Nach unserer Ankunft konnten wir auf der Cannery Row spazieren gehen. Cannery bedeutet Konservenfabrik. Hier waren früher die Konservenfabriken, die die Fänge der Fischer in Dosen verpackten. In der Cannery Row gibt es auch ein großes Aquarium, das wir aber leider nicht besuchen konnten. Wir begnügten uns damit, auf dem Pier die Geschäfte zu besuchen. Hier konnten wir auch eine alte Tradition weiterführen; den Kauf der Flaggen jener Bundesstaaten, die wir besuchten. Neu für uns war ja Michigan. So kauften wir also unsere Flaggen und gingen dann wieder zum Bus, der schon zur Abfahrt bereit stand.

Unseren nächsten Besichtigungspunkt konnten wir fast komplett „fahrend“ bewältigen; den 17-Mile-Drive. Die Straße verläuft zwischen Pebble Beach und dem Del Monte Forest. Er ist, wir der Name schon andeutet, 17 Meilen (27km) lang. An dem Drive befinden sich viele bekannte Golfplätze und Villen von noch bekannteren Zeitgenossen. Die Straße ist Privateigentum der Pebble Beach Company, die für das Befahren eine Maut verlangt. Anwohner und deren Gästen wir keine Gebühr verlangt – nur von uns Touristen.

Wir fuhren also mit dem Bus nach der Errichtung der Maut auf dem 17-Mile-Drive. Beeindruckende Villen standen zu beiden Seiten der Straße. Unterbrochen wurden die Grundstücke von diversen Golfplätzen, auf denen schon die größten Golfturniere stattfanden. Auch an diesem Morgen wurde überall Golf gespielt. Was soll man am Wochentag, morgens um 11 Uhr, auch sonst machen. Auf der Route lagen aber auch viele Naturschauplätze. An einem dieser Plätze hielten wir dann auch an. Es war der „Bird Rock“, der Vogelfelsen, der unmittelbar vor der Küste lag. Auf dem Felsen tummelten sich aber nicht nur Vögel, sondern hunderte von Seehunden. Es ist erstaunlich, was diese Tier für eine Kraftanstrengung aufbringen müssen, um nach ganz oben auf den Felsen zu klettern.

Ein weiterer Punkt ist die sogenannte „The Lone Cypress“. Seit etwa 250 Jahren steht die „einsame Zypresse“ auf dem Felsen und widersteht den pazifischen Stürmen. Zum Schutz wurden jedoch Zäune und Kabel errichtet. Der Baum ist das Symbol der Pebble Beach Company. Allerdings konnten wir hier mit dem Bus nicht anhalten, so dass wir aus den Fenstern des Busses heraus diese Zypresse ansehen mussten.

Am südlichen Ausgang des 17-Mile-Drive kamen wir dann zu unserem nächsten, etwas längerem Aufenthalt. Wir besuchten die Stadt Carmel-by-the-Sea, kurz Carmel genannt. Die Stadt lag ca. 5 Kilometer südlich von Mo0nterey und hat ca. 4000 Einwohner. Viele Autoren, wie John Steinbeck, Ernest Hemingway oder Jack London lebten und arbeiteten hier. Heute leben hier Hollywoodgrößen wie Brad Pitt, Jennifer Aniston oder Doris Day. Bei uns wurde Carmel eigentlich erst richtig bekannt, als der Schauspieler Clint Eastwood am 8. April 1986 zum Bürgermeister gewählt wurde. Er blieb Bürgermeister bis ins Jahr 1988.  Die Mission von Carmel wurde im Jahre 1770 errichtet. Das heutige Carmel hat einige Besonderheiten zu bieten. So gibt es zum Beispiel keine Hausnummern oder Briefkästen. Die Post wird im zuständigen Post-Office abgeholt. Ebenso gibt es keine Straßenlaternen, Parkuhren, Leuchtreklamen oder Fußgängerüberwege.

Unsere Rast machten wir in der Carmel-Plaza. Über drei Ebenen erstreckt sich dieser Restaurant- und Shoppingbereich. Das Zentrum des Courts bilden schöne Blumenarrangements. Der Tageszeit entsprechend machten wir es uns auf der Terrasse von einem Cafe´ gemütlich. Danach bummelten wir noch etwas durch die Etagen und besahen uns die Schaufenster der Geschäfte und Kunstgalerien.

Um 13 Uhr hieß es dann wieder Abschied nehmen. Schnurstracks machten wir uns auf den Weg zu unserem Tagesziel; San Francisco.

Am Nachmittag kamen wir dann in San Francisco an, sehr gespannt wie die Wetterlage ist. Denn es grenzt an ein Wunder, wenn man mal die Stadt ohne Nebel erleben kann. Na ja, strahlender Sonnenschein war es nicht, aber wir waren fürs Erste zufrieden. Laut letzter Zählung hat San Francisco etwas über 800000 Einwohner. Benannt ist die Stadt nach dem heiligen Franz von Assisi. Im Jahre 1776 siedelten die ersten Europäer in der heutigen Stadt. In amerikanischen Besitz kam die Stadt erst im Jahre 1846, nach dem amerikanisch-mexikanischem Krieg. Bald danach erfolgte um 1848 der erste Aufschwung, ausgelöst vom Goldrausch in Kalifornien. Der Name der Buch „Golden Gate“ leitet sich von diesem Ereignis ab. Ein weiteres, tiefgreifendes Ereignis war das große Erdbeben am 18 April 1906. Durch nicht nur das Erdbeben trug zur Zerstörung bei, sondern auch die vielen Brände in der ganzen Stadt. Das Wahrzeichen von San Francisco, die Golden-Gate-Bridge wurde 1937 eröffnet. In den 60er Jahren wurde San Francisco zur Hochburg der Hippie-Bewegung.

Nach unserer Ankunft im Hotel bezogen wir unsere Zimmer und machten uns dann auf den Weg zum Pier 39. Unser Hotel lag zwar mitten in der Stadt, aber für unsere Zwecke doch etwas weit vom Schuss entfernt. Maria gab uns den Tipp, das wir am besten die Straßenbahn der F-Linie benutzen sollten. Die Haltestelle lag direkt an der Ecke unseres Blocks. Die F-Linie ist keine „normale“ Straßenbahnlinie. Eigentlich aber schon, nur fährt hier keine Tram wie in San Francisco üblich, sondern es fahren auf der Linie historische Bahnen aus den ganzen USA und dem Rest der Welt, teilweise sind diese Bahnen schon über 40 Jahre alt. Die Route hat 32 Haltestellen und sie geht vom Fishermans Wharf bis hinauf in den Castro District. Erwachsene zahlen einen Preis von 2,25 $ und Senioren von 0,75 $. Der Komfort hält sich in Grenzen, der Lärmpegel allerdings nicht. Aber immer noch besser wie zu Fuß gehen. Das Publikum alleine ist schon eine Reise in dieser Bahn wert.

Am Pier 39 stiegen wir dann aus der Bahn aus. Zu allererst gingen wir ins Hard Rock Cafe. Wenigstens einmal auf der Tour wollte ich ein Hard Rock Cafe besuchen, viel mehr Gelegenheiten sollten ja nicht mehr kommen. Wir bestellten Cheeseburger  und ein halbes Hähnchen sowie „Coke without Ice“, was uns sofort als deutsche Gäste identifizierte. Aber keine Sorge. Das Cola war auch ohne Eiswürfel kurz vor dem Gefrierpunkt.

Nachdem wir uns nun ausgiebig gestärkt hatten, bummelten wir über das Pier 39. Das Pier 39 ist ein Teil des Fisherman´s Wharf im Norden von San Francisco. Früher war es eine Bootsanlegestelle, heute befinden sich auf dem Pier Restaurants und Geschäfte aller Art. Bekannte ist das Pier 39 auch wegen den kalifornischen Seelöwen, die hier im Hafenbecken auf Pontons leben. Die Kolonie hat sich im Winter 89/90 am Dock K angesiedelt und wurde hier zur Touristenattraktion. Vorher lebten die Tiere bei den Seal Rock. Bis zu 1000 Tiere fanden im Laufe der Zeit hier eine neue Heimat. Ende November 2009 verließen die Seelöwen plötzlich den Pier 39. Sie wanderten bis hoch nach Oregon. Nach dem Winter kamen sie aber wieder nach San Francisco zurück. Im Juni 2014 verschwanden sie erneut. Aber auch diesmal kamen die Tiere wieder zurück. Als wir die Pontons besuchten waren auch tatsächlich wieder Seelöwen zu sehen, aber bei Weitem nicht in der Zahl unserer vergangenen Besuche.

Als nächstes begaben wir uns zum Pier 45. Hier liegen zwei alte Schiffe vor Anker, das U-Boot USS Pampanito und die SS Jeremiah O´Brien. Wir besichtigten die Schiffe allerdings nur von außen. Auf dem Weg zurück kamen wir an einer alten Lagerhalle vorbei, aus der Musik und unterschiedlichstes „Geklimmper“ zu hören war. Wir schauten mal nach was es dort so gab. Und siehe da: Es war ein Museum mit historischen Spielautomaten, das Musée Mecanique. Der Eintritt war frei und man konnte an allen Automaten Spielen oder sich etwas vorführen lassen. Wir machten einen ausgiebigen Rundgang in der großen Halle. Es gab Maschinen aus allen Zeiten der mechanischen Spielautomaten, natürlich gab es auch sehr viele alte Flipperautomaten mit mechanischen Spielstandsanzeigen. Schön, dass man auch auf einer vorgeplanten Reise solche „Schnäppchen“ entdecken kann.

Zum Abschluss gingen wir den Embarcadero rauf und runter, um die vielen Geschäfte zu besuchen.

Gekauft haben wir nix. Den Weg zurück machten wir wieder mit der F-Linie, bis fast vor die Haustür. 

Hier unsere „Wanderroute“ am Fisherman´s Wharf


Unser Hotel in San Francisco

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