2. Tag: Von Denver nach Cheyenne

  • Reise 2005 – Land der Abenteurer
  • Tagesetappe über 376 km
  • Bundesstaaten: Colorado, Wyoming
  • Örtlichkeiten: Denver, Rocky Mountain National Park, Cheyenne

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Der erste Morgen. Natürlich brauchten wir den bestellten Weckruf nicht. Jeder von uns hat schon gegen vier Uhr ausgeschlafen gehabt. Unser Frühstück nahmen wir im Hotel ein, allerdings waren wir nicht die Einzigen. Aber wir hatten ja Zeit. Das Frühstück war sehr deftig und wir machten uns bei der gestern genannten Zeit auf den Weg zum Bus. Zu dem Bus? Welcher war nun unserer? Nach einigen Fragen an die umherspringenden Reiseleitungen haben wir doch noch „unseren“ gefunden, was uns dann bei dem Vorlesen der Namen durch Jutta bestätigt wurde. Unsere Gruppe bestand aus 36 Personen, sodass einige Plätze im Bus noch frei waren, später mehr davon. Als dann die Begrüßung vorbei war wurde uns unsere Fahrerin Janet vorgestellt. Eine Fahrerin, die auf eine 30-jährige Erfahrung als Truckerin zusammen mit ihrem Mann zurückblicken kann.

 Nun begann das offizielle Programm mit einer Stadtrundfahrt durch Denver. Hier nun einige Informationen aus dem Reiseführer, den wir vom Veranstalter der Reise erhalten hatten. Die Aufgabe von Denver, schrieb einmal ein prominenter amerikanischer Journalist, sei es, nicht nur dem Staat Colorado zu dienen, sondern der gesamten Region der Rocky Mountains – als Arzt, Rechtsanwalt, Händler, politischer Führer ebenso wie als Banker, Metzger, Lehrer und Dienstleister für Verkehr, Handel, Entertainment, Kultur und die Versorgung für Durchreisende. Tatsächlich haben sich Bedeutung und Einfluss der knapp 2,3 Millionen-Einwohner-Stadt in den letzten Jahren erheblich ausgeweitet. Die Gouverneure der westlichen Bundesstaaten koordinieren ihre Politik durch ein gemeinsames Büro in Denver; die amerikanische Bauerngewerkschaft hat ihren Hauptsitz hier; Geologen und Energieexperten aus Kanada, Mexiko oder Brasilien treffen sich in Denver zum Informationsaustausch und Geschäftemachen. Keine Frage, Denver, geboren im Gold Rush von 1859, steht gut da. Nicht so sehr die Schafe tragen allerdings zu seiner Spitzenstellung bei (Denver ist größter Schafsmarkt der USA), sondern vor allem seine High-Tech-Produkte.

Die wegen ihrer Höhenlage von rund 1 600 Metern sogenannte „Mile High City“ bietet dem Besucher eine Reihe attraktiver Plätze und Sehenswürdigkeiten. Der historische Larimer Square ist fotogen, das prunkvolle Atrium des altgedienten Brown Palace Hotel ist ein Juwel, das, 1892 errichtet, so aussieht, als hätte die Architektur der Hyatt Hotels hier ein wenig abgeguckt. Auch der alte Bahnhof kann sich sehen lassen, und das „Museum of Western Art“ sowie das Denver Art Museum mit seiner Sammlung indianischer Kunst zählen zu den besten Instituten ihrer Art im amerikanischen Westen. Eigentlich machten wir bei der Rundfahrt nur einen Stopp und zwar am Capitol. Leider war das Gebäude geschlossen, es war Wochenende. Trotzdem aber konnten wir das Gebäude wenigstens von außen besichtigen.

An den Stufen der Freitreppe am Westeingang in Richtung Park befinden sich zwei Messingplaketten, die genau die eine Meile (1,6 Km) Meereshöhe angeben. Was heißt hier zwei Plaketten? Ganz einfach. Nachdem man die erste Plakette angebracht hatte, übrigens nach einer Idee von Professor Herbert A. Howe, wurde diese vier mal gestohlen. James Merrick, seines Zeichens verantwortlich für die öffentlichen Gebäude lies daraufhin 1947 die Zeile „“one mile above sea level“ (dt: “Eine Meile über Meereshöhe“) in eine Stufe einmeißeln. Als diese Arbeit beendet war hörte man ihn sagen “Mal sehen, wer dieses jetzt weg nimmt“. 1969 fanden Studenten der Colorado State University heraus, das sich die Inschrift nicht genau auf einer Meile Höhe befindet. So wurde eine weitere Plakette drei Stufen über dem Schriftzug angebracht. Diese befindet sich genau auf einer Höhe von 5280 Feet. So ist zum Beispiel die Zugspitze in Deutschland in den deutschen Schulbüchern mit einer anderen Seehöhe beschrieben als in italienischen Schulbücher. Der Hintergrund ist schnell erklärt. Die deutschen Höhenangaben beziehen sich auf die Nordsee und die italienischen auf das Mittelmeer. Dadurch gibt es hier einen Unterschied von ca. 30 cm.

Ein anderes Gebäude konnten wir allerdings nur aus dem Bus heraus kurz sehen, nämlich das „Molly Brown House“. Margaret Tobin Brown, geboren am 18. Juli 1867 in Hannibal, Missouri und gestorben am 26. Oktober 1932, auch bekannt als die „The unsinkable Molly Brown“ (dt. „die unsinkbare Molly Brown“) war eine amerikanische Frauenrechtlerin, die 1912 den Untergang der Titanic überlebte. Ihre Lebensgeschichte wurde in einem Broadwaymusical und im Film Titanic verewigt.

Das war dann auch schon unsere Rundfahrt durch Denver. Nun machten wir uns auf nach Westen. Schon kurz hinter der Stadt stieg das Gelände an und wir kamen in die Berge. Auf dem Programm stand die Fahrt durch den „Rocky Mountain National Park“.

Der Rocky Mountains Nationalpark befindet sich nordwestlich von Boulder (Colorado). Der Park wird das gesamte Jahr hindurch gerne besucht, nicht zuletzt wegen seiner spektakulären Ausblicke auf die Rocky Mountains sowie der wilden Tiere und der Natur im Allgemeinen. Es laufen viele Wanderwege durch den Park und Campingplätze sind ebenfalls vorhanden. Durch das Gebiet des Nationalparks laufen die kontinentale Wasserscheide und der Colorado-Fluss. Die Parkverwaltung befindet sich in Estes Park, welcher sich im Nord-Westen (am Osteingang) des Parks befindet. Im Süden schließt sich der Park an die Stadt Grand Lake, im Grand County an. Die Stadt liegt an dem Ihr den Namen gebenden Grand Lake, der im Winter für Schneemobil Rennen, und im Sommer als Anglerparadies gilt. Teile des Grand County können nur durch den Park selber erreicht werden. Der Rocky-Mountains-Nationalpark wurde am 26. Januar 1915 unter Präsident Woodrow Wilson gegründet, nachdem sich der Naturschützer Enos Mills (*1870) jahrelang für einen solchen Nationalpark eingesetzt hatte.

In Winterpark machten wir unseren ersten Stopp, und zwar beim Supermarkt „Safeway“, um hier Material für ein Picknick einzukaufen. Die Fahrt ging danach zügig weiter. Schon bald erreichten wir den südlichen Teil des „Grandby Lake“. Hier konnten wir dann unser erstes Foto schießen. Mittlerweile waren wir von den hohen Bergen des Nationalparks umgeben und wir konnten uns an den verschiedenen Bergpanoramen erfreuen. Das Wetter spielte natürlich seinen Beitrag dazu, blauer Himmel, wohin man auch sah.

Pünktlich zur Mittagszeit erreichten wir dann das Städtchen Grand Lake. Hier konnten wir dann am Badestrand das am Morgen gekaufte Essen verzehren. Wie auch bei uns an den Wochenenden war auch hier alles voller Familien, die Kinder konnten im Wasser spielen, Tretboot fahren oder sich sonst wie beschäftigen.

Nachdem wir gesättigt waren, machten wir uns auf, um das kleine aber feine Städtchen, das sich im Westernlook zeigte, zu besichtigen. Ich bin zwar nicht gerade als Pferdefan bekannt, aber die hätten hier an den Straßenrändern bestimmt besser ausgesehen als die viele geparkten Autos. Natürlich gab es hier lauter Geschäfte, Boutiquen und Restaurants. Eines der vielen Restaurants viel nun bei genauem Hinsehen von außen doch aus dem Rahmen. Es war das „Sagebrush Inn“. Eigentlich ein ganz normales Restaurant, bis auf die Tatsache, das sich die Gäste an den Tischen mit Erdnüssen voll stopfen können und die Schalen davon einfach auf den Boden werfen. Nun ja, andere Länder, andere Sitten. Auf der anderen Seite muss man auch sagen, das ohne diese Eigenart das Restaurant bestimmt nicht mehr in unserem Gedächtnis wäre.

Nach der Mittagspause von einer Stunde verließen wir diesen schönen Ort. Wie das aber bei so Fahrten ist, ließ der nächste Stopp nicht lange auf sich warten. An der sogenannten „Fairview Curve“ machten wir wieder Halt, um ein neues Panorama der Rockys zu bewundern. Am „Alpine Visitor Center“ erreichten wir buchstäblich unseren Höhepunkt. Bei der Ankunft fragte uns Jutta, ob wir den Rest zum Gipfel binnen 20 Minuten schaffen. Dieser ist nämlich nur zu Fuß zu erreichen. Da wir ja alle stark und ausgeruht waren, bejahten wir natürlich die Frage. Aber schon nach den ersten Treppenstufen wurden wir auf den Boden der Tatsachen zurückgeholt. Uns wurde nun allen bewusst, dass wir uns auf fast 4000m Höhe befanden, und die Luft entsprechend dünn wurde. Nach ein paar Verschnaufpausen, als Fotostopp getarnt, waren doch endlich oben angekommen und wir konnten hier die Weite der Landschaft genießen.

Nach dem Abstieg und den schon zur Gewohnheit gewordenen Besuchen der Restrooms (Toiletten) ging es dann auch schon wieder weiter auf unserer Tagesetappe.

Mit frischem Wasser aus dem Getränkevorrat erfrischt, ging es auch schon wieder weiter. Natürlich ließ sich keiner die Anstrengung anmerken. Nach einer weiteren Unterbrechung bei dem Aussichtspunk “Many Parks Curve“ setzten wir unsere Fahrt fort. Bei der „Beaver Meadow Entrance Station“ verließen wir den Nationalpark und fuhren direkt in den „Estes Park“ ein. Nach vielen Schluchten und Kurven erreichten und durchfuhren wir den „Big Thompson Canyon“. Es war schon beeindruckend, wie sich die Felswände rechts und links neben der Fahrbahn in die Höhe zogen. So langsam verringerte sich auch wieder unsere Höhe, was wir deutlich in den Ohren zu spüren bekamen. Herunter geht es halt schneller als hinauf.

Nach dem Erreichen der Ebene durchfuhren wir Loveland. Eigentlich ein kleiner Ort ohne größere Bedeutung. Zumindest für 364 Tage im Jahr. Kurz vor dem 14. Februar – Valentinstag – erscheint der Ort im Bewusstsein vieler Amerikaner. Das Postamt von Loveland (dt. „Liebesland“) erhält hierbei Post aus den ganzen USA, die dann in ein Extraumschlag gesteckt wird, mit einer Sondermarke beklebt und einem Sonderpoststempel abgestempelt wird und dann der betreffenden Angebeteten zugesandt wird. Dies sind die kleinen Geschichten am Rande der Tour, die einem die Reiseleitung erzählt. Als Selbstfahrer wären wir bestimmt achtlos an dem Ort vorbeigefahren. Loveland ist eine Stadt im Larimer County mit 57400 Einwohnern (Stand: 2004). Die Fläche der Stadt beträgt 66,1 km². Loveland ist in USA wie erwähnt bekannt als die Heimat des Re-Mailing-Program zum Valentinstag. Jedes Jahr werden hunderttausende Briefe mit selbst gedichteten Versen beantwortet und „handgestempelt“ wieder zurück geschickt.

Nach dem Erreichen der Interstate 25 fuhren wir dann durch bis zu unserem heutigen Endpunkt, Cheyenne. Schon kurze Zeit nach dem Passieren der Bundesstaatengrenze von Wyoming kamen wir im Hotel an. Das einchecken erfolgte schnell und problemlos. Als wir dann die Koffer auf dem Zimmer hatten machten wir uns auf den Weg, um etwas zu Essen. In der Nähe des Hotels gingen wir in ein mexikanisches Restaurant und verzehrten unsere ersten Steaks auf der Reise. Danach beendeten wir den ersten Tag.


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