3. Tag: Von Cheyenne nach Deadwood

  • Reise 2005 – Land der Abenteurer
  • Tagesetappe über 553 km
  • Bundesstaaten: Wyoming, South Dakota
  • Örtlichkeiten: Cheyenne, Fort Laramie, Crazy Horse Monument, Mount Rushmore, Deadwood

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Schon am frühen Morgen wurden einige Mitreisende unserer Gruppe vor ein fast unlösbares Problem gestellt. Das Rotationsverfahren im Bus, bei dem man jeden Morgen im Uhrzeigersinn um zwei Plätze weiterrückt scheint für die Tageszeit zu kompliziert zu sein. Es gab halt mal wieder Diskussionen ohne Ende. Wir blieben davon jedoch unbeeindruckt und rotierten, wie sich das gehört.

Doch nun zur Tagesordnung. Wir begannen den Tag mit einer kurzen Stadtrundfahrt durch Cheyenne. Cheyenne, die Hauptstadt von Wyoming, liegt 1.850 m hoch am Rande der Laramie Mountains. Das Bild der Stadt ist von breiten Straßen geprägt, die in der Woche nahezu menschenleer bleiben, am Wochenende jedoch von den Cowboys gefüllt werden, die von den nahen Ranches kommen. Cheyenne wurde am 4. Juli 1867 gegründet, als die Union Pacific hier einen Bahnhof errichtete. Mit der Eisenbahn kamen neben Siedlern auch viele Revolverhelden. Bald besaß die Stadt um die 60 Bordelle und Saloons. Nachdem die zweifelhaften Gestalten um 1875 weiterzogen, gewann Cheyenne durch die Landwirtschaft zunehmend an Reichtum, so dass die Stadt bald „Paris der Prärie“ genannt wurde. Der harte Winter von 1887 beendete diese Phase; die Stadt verlor immens an Bedeutung. Cheyenne ist auch heute noch ein Zentrum der Viehzucht „(Cowboy Capital)“. Jedes Jahr finden in der letzten Juliwoche die „Frontier Days“ statt, ein Festival mit über 300.000 Besuchern. Seit 1897 werden diese Reiterspiele veranstaltet.

Hier einiges wissenswertes zum Bundesstaat Wyoming.

Wyoming ist mit knapp 500.000 Einwohnern der bevölkerungsmäßig kleinste Bundesstaat der USA. Er liegt im Westen der Vereinigten Staaten und steigt von den Prärien Ost-Wyomings zu den Rocky Mountains hin an. Er grenzt im Norden an Montana, im Osten an South Dakota und Nebraska, im Süden an Colorado und im Westen an Utah und Idaho. Zu den bekanntesten Sehenswürdigkeiten Wyomings zählen der „Yellowstone Nationalpark“ und der „Grand-Teton-Nationalpark“. Zu beiden Parks später mehr. Bis zum Ende des 19. Jahrhunderts war Wyoming zu einem großen Teil von Indianern folgender Stämme bewohnt: Absarokee, Arapaho, Bannock, Cheyenne, Lakota, Pawnee, Nördliche Shoshone, Ute. Früher pflegten auch die Comanchen, Kiowa und Kiowa-Apachen im heutigen Wyoming zu jagen.

Bei der Besiedlung des Westens spielte der bekannte „Oregon Trail“ eine sehr große Rolle. Da sich der Weg auch durch Wyoming schlängelte, gehe ich hier auf den Trail ein.

Der „Oregon Trail“ war einer der bedeutendsten Landmigrationströme in der Besiedlung des Westens der Vereinigten Staaten. Die Siedler reisten dabei im 19. Jahrhundert von St. Louis ca. 3.000 km in Planwagen, um neue Gebiete zu besiedeln. Die Reise führte in den Jahren von 1841 bis 1869 durch die heutigen Bundesstaaten Missouri, Kansas, Nebraska, Wyoming in den Nordwesten und an die Westküste. Dank der Lewis-und-Clark-Expedition von 1804/1805 war die Gegend gut kartographiert. Allerdings stellte sich heraus, dass der „Lolo Pass“ in den Rocky Mountains als zu steil für die Planwägen nicht zu befahren war. Im Jahre 1810 initiierte John Jacob Astor eine Expedition, um eine Versorgungsroute für einen Pelzhandel an der Mündung des Flusses Columbia zu finden. Obwohl die Expedition ein Fehlschlag war, wurde auf dem Rückweg eine weitaus bessere Route durch die Rocky Moutains gefunden: Der „South Pass“.

Ausgangspunkt des Oregon Trail war zumeist Independence oder Kansas City im Bundesstaat Missouri. Das Ende des Oregon Trails war typischerweise Oregon City. Viele Siedler siedelten auch unterwegs.

Die heutigen Landstraßen verlaufen größtenteils auf oder neben dem Pfad, z.B. der Highway 26.

Nun zurück zu unserer Tour. Eigentlich die einzige Station auf unserer Rundfahrt war das Capitol. Hier sahen wir aus das Standbild der ersten weibl. Gouverneurin Esther Hobart Morris. Ebenfalls vor dem Capitol, jedoch an einer anderen Seite befand sich das Rodeoreiter-Standbild, das zum Symbol des Bundesstaates Wyoming wurde. Am meisten findet man dies auf den Kennzeichen der Autos und der Trucks.

An der Straßenecke befand sich dann noch eine Nachbildung der Freiheitsglocke, deren Original in Philadelphia zu besichtigen ist. Damit war die Rundfahrt durch Cheyenne beendet und wir machten uns auf in Richtung Ft. Laramie. Aber zuerst hieß es einmal sich im Bus bequem hinzusetzen, den die Fahrt durch die Plains zog sich ungemein hin. Die „Plains“ (engl. Great Plains Große Ebenen) sind ein trockenes Gebiet Nordamerikas. Sie reichen von der den kanadischen Provinzen Alberta, Saskatchewan und Manitoba im Norden bis nach Südtexas. Die westliche Grenze bilden die Rocky Mountains. Die Ostgrenze wird unterschiedlich definiert. Unter der Regierung von Franklin D. Roosevelt wurde der 100. Längengrad als Ostgrenze gesetzt. Andere verbinden sämtliche Ränder der Ebene, die auf 600 Meter Höhe liegen und benennen die so entstandene Linie als Ostgrenze. Die meteorologische Linie verbindet Orte, bei denen eine durchschnittliche jährliche Niederschlagsmenge von maximal 50 cm gemessen wurde. Die östlichen, etwas tiefer gelegenen Randzonen der Plains heißen Prärie. Oft werden die beiden Begriffe im deutschen Sprachgebrauch als synonym verwendet.

Die Plains umfassen etwa 1,3 Millionen km² Land in den zehn Bundesstaaten New Mexico, Texas, Oklahoma, Colorado, Kansas, Nebraska, Wyoming, Montana, South Dakota und North Dakota. Kilometer um Kilometer nichts als gelbes Gras, nur unterbrochen von dem Highway, dessen Fahrspuren hier sicherlich 30 m auseinander lagen. Die einzigen Abwechslungen waren langgezogene Kurven und seichte Hügel, über die der Bus sanft dahin schaukelte. Beste Vorraussetzungen für ein kleines Schläfchen.

Unsere erste Anlaufstelle erreichten wir dann am Vormittag. Es war das historische Fort Laramie, dessen Namen zumindest man von vielen Western her kennt. Hier wurde das erste Abkommen zwischen den Weißen und den Indianern abgeschlossen. Seinem Ruf als Cowboyland wird Wyoming spätestens mit Fort Laramie gerecht, das einst als wildeste Stadt des Wilden Westens galt. Es wurde 1834 von den Trappern William Sublette und Robert Campbell errichtet, zunächst als Handelsstation für die Pelze der „Rocky Mountain Fur Company“. 1849 kaufte die US-Regierung das Fort und machte aus ihm den wichtigsten Militärstützpunkt des Westens. Zugleich entwickelte es sich zur wichtigsten Zwischenstation für die nach Westen ziehenden Siedler des Oregon Trails.

Fort Laramie ist ein bedeutender Punkt in der Geschichte der Indianer und der Weißen. 1851 rang man den Indianern das Versprechen ab, gegen entsprechende Zahlungen die durchreisenden Siedler nicht anzugreifen. Der Waffenstillstand währte nur drei Jahre, bis Leutnant John L. Grattan in der Nähe des Forts ein Sioux-Dorf angriff, das seinerseits zum Vergeltungsschlag ausholte.

Heute können die Besucher durch die restaurierten Gebäude spazieren und sich im Visitor Center über die denkwürdige Geschichte des Forts informieren.

Nach dem Aufenthalt in Fort Laramie rief uns wieder der Highway, unser Tag war noch lange nicht beendet. Nach dem Abstecher in Richtung Osten ging nun wieder in nördlicher Richtung weiter. Pünktlich zur Mittagszeit kamen wir in die Kleinstadt Lusk, in der wir Mittagspause machten. Hier gab es einen Hähnchengrill. Hier konnten wir gegrillte Hähnchenbrust mit Pommes essen. Mir hat hier der Slogan des Imbiss, den jeder auf dem T-Shirt stehen hatte sehr gut gefallen. „We are not Fast Food, we are half fast!”

Am frühen Nachmittag erreichten wir einen neuen Bundesstaat auf unserer Tour, nämlich South Dakota. South Dakota ist einer der nordwestlichen Prärie-Bundesstaaten der USA. Er umfasst 199551 km². Im Westen befinden sich die Black Hills, östlich davon der „Badlands-Nationalpark“. Die größte Stadt ist Sioux Falls, die Hauptstadt ist Pierre. South Dakota beheimatet mehrere Indianerreservationen, insbesondere der Lakota. Der Staat hat innerhalb der USA den zweithöchsten Indianeranteil in der Bevölkerung, nach Alaska. Der Name Dakota leitet sich von den Dakota-Indianern ab, die vor der Unterwerfung durch die US-Amerikaner in diesem Gebiet lebten.

Unser erster Anlaufpunkt in den Black Hills war das „Crazy Horse Monument“. Das „Crazy-Horse-Monument“ ist eine sich im Bau befindende Skulptur zu Ehren des Oglala-Lakota-Indianers Crazy Horse, die ähnlich wie das Mount Rushmore National Memorial in einen Berg gehauen wird, jedoch um ein Vielfaches größer. Es ist etwa 25 km südwestlich vom „Mount Rushmore National Memorial“ gelegen.

Crazy Horse („Tashunka Witko“ 1840 – 2.September 1877) war neben Sitting Bull der bekannteste Führer der Dakota und der einflussreichsten Kriegshäuptlinge seines Stammes. Gerühmt wurden an ihm vor allem seine Charakterstärke, sein Mut und seine Opferbereitschaft für die Freiheit der Indianer. Er besaß ein außergewöhnliches taktisches Geschick in den Kämpfen und war ein unversöhnlicher Feind der Weißen. Er wurde durch ein Bajonettstich hinterrücks ermordet.

Obwohl mit dem Bau bereits 1948 begonnen wurde, ist bisher nur das Gesicht fertiggestellt. Viele Indianer stehen dem Projekt kritisch gegenüber. Sie beklagen die Entweihung ihrer heiligen Black Hills und weisen darauf hin, dass Crazy Horse sich nie fotografieren ließ, weil er nicht abgebildet werden wollte.

Nach dem Stop am auf lange Zeit noch unfertigen Crazy Horse Monument machten wir uns auf den Weg zu unserem letzten Höhepunkt des Tages. Nicht zuletzt deswegen habe ich mich für diese Reise entschlossen. Wir fuhren zum Mount Rushmore mit seinen in Felsen gehauenen vier Präsidentenköpfen. Je näher wir kamen, um so mehr verrenkte man sich im Bus den Hals um den ersten Blick zu ergattern. Dann endlich kamen sie, als der Bus eine Linkskurve machte, in unser Blickfeld. Wir parkten den Bus auf dem neu gestalteten Gelände und dann konnten wir die Köpfe in voller Pracht genießen.

Mount Rushmore ist eine Gedenkstätte, die aus monumentalen Porträtköpfen von vier bedeutenden und symbolträchtigen US-Präsidenten besteht. Jedes Porträt ist 60 Fuß (18,3 m) hoch. Dargestellt sind von links nach rechts:

  • George Washington (Baubeginn 1930)
  • Thomas Jefferson (1936)
  • Theodore Roosevelt (1939)
  • Abraham Lincoln (1937)

Das Monument wurde durch John Gutzon de la Mothe Borglum (1867-1941) in 14 Sommern zwischen 1927 und 1941 in den Granit des Mount Rushmore gesprengt, gehauen und gemeißelt. Im Alter von 74 Jahren starb der Bildhauer John Gutzon de la Mothe Borglum am 6. März 1941 in Chicago.

In Alfred Hitchcocks klassischem Thriller „Der unsichtbare Dritte“ von 1959 sind die Präsidentenköpfe des „Mount Rushmore“ Schauplatz des atemberaubenden Finales. Leider waren bei unserer Ankunft alle Besucher sichtbar, ich will damit sagen, dass hier die Hölle los war. Sicherlich zählt Mount Rushmore nicht nur in den USA zu den bekanntesten und beliebtesten Monumenten. Kein Wunder also, das auch die Filmindustrie hier nicht zurückstehen wollte.

Als wir dann die Köpfe lange genug angesehen hatten, gingen wir noch in den obligatorischen Giftshop, der bei keiner Touristenattraktion fehlen darf. Nachdem wir uns dort mit T-Shirt, Panoramabilder und Postkarten eingedeckt hatten, machten wir uns wieder langsam zurück zum Bus. Allerdings muss ich gestehen, das mir der Abschied von hier sehr schwer fiel, schließlich habe ich mich sehr lange schon auf Mount Rushmore gefreut. Aber wenn es am schönsten ist, soll man gehen.

Bevor wir allerdings zu unserem Endpunkt kamen, machten wir noch einen Abstecher zum Pactola Lake. Dieser ist kein natürlicher See, sondern ein Stausee. Der Forstbezirk jener Gegend ist der bedeutendste Holzlieferant der USA.

Nun ging es aber gerade weiter zu unserem Zielort – Deadwood. Allerdings fuhren wir zuerst zum Nachbarort Lead, denn dort befand sich unser Hotel. Nach dem Einchecken konnten wir mit dem kostenlosen Hotelshuttle nach Deadwood fahren. Da der heutige Tag ein Feiertag war (Tag der Arbeit, immer am ersten Montag im September) kann man sich sicherlich vorstellen, was hier in Deadwood los war.

Deadwood ist eine Stadt in Lawrence County (South Dakota). Im Jahr 2000 hatte die Stadt 1.380 Bewohner. Seit dem 1. November 1989 ist in Deadwood offiziell das Glückspiel genehmigt. Durch seine Geschichte während des Goldrausch und die historischen Stätten in der Umgebung der Black Hills zieht der Ort jährlich Tausende von Touristen an. Seit kurzem ist die Stadtgründung Handlung der TV-Serie „Deadwood“.

Der Ort Deadwood entstand aus einem Zeltlager von Goldgräbern, die es 1875 während des Goldrauschs in die Black Hills gezogen hatte. Da die Black Hills aber Indianer-Gebiet waren, kam es immer wieder zu Auseinandersetzungen mit den Sioux. Am 26. September 1879 wurde die Stadt durch einen Brand fast vollkommen zerstört. Prominenteste Bürger der Stadt waren der Revolverheld Wild Bill Hickok, die Western-Heldin Calamity Jane und Marshal Seth Bullock. Das Leben der drei wird am Ende meines Tagesberichts beschrieben.

Nach der Ankunft auf der Mainstreet war es schon fast dunkel, wir konnten aber trotzdem etwas von der Stadt sehen. Besonders vielen uns einige Schüsse auf, die irgendwo am Ende der Straße abgefeuert wurden. In zeitgenössigen Uniformen der Gründerzeit patrollierten hier Schauspieler des Western-Theaters auf der Straße herum und machten auf ihre Vorführung das Publikum aufmerksam. Dies hat auch funktioniert, denn fast alle Passanten folgten dem Trupp nach.

Nachdem wir nun zwei Mal die Straße entlang die Hotels und Bars besichtigt hatten, nahmen wir wieder den Shuttle zurück zu unserem Hotel.

Ein ereignisreicher, sehenswerter Tag ging zu Ende.


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