5. Tag: Von Cody zum Yellowstone Park

  • Reise 2005 – Land der Abenteurer
  • Tagesetappe über 573 km
  • Bundesstaaten: Wyoming, Montana
  • Örtlichkeiten: Yellowstone National Park
  • Reiseroute auf Google Maps

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Der heutige Tag stand ganz im Zeichen des Reisehöhepunktes Yellowstone Park. Aber immer der Reihe nach.

Am Ortsausgang Richtung Westen kamen wir am Rodeo Stadion von Cody vorbei. Um diese Jahreszeit ein eher trauriger Anblick. Alle Corals sind leer und verlassen. Leider war die Saison für Rodeos vorbei. Wir hätten aber wahrscheinlich sowieso keines besuchen können.

Schon bald konnten wir buchstäblich eine Vorgeschmack auf unser heutiges Reiseziel. Es lag nämlich ein leichter Schwefelwasserstoffgeruch (wie faule Eier) in der Luft. Auch in dieser Gegend, wie Meilen vor dem Yellowstone Park gab es heiße Quellen. Unsere Route führte uns am „Buffalo Bill State Park“ vorbei und am Buffalo Bill Stausee. Den Namen Buffalo Bill findet man hier wohin man geht.

Der Stausee dient hier ausschließlich zur Bewässerung der Felder und als Trinkwasserreservoir für die Menschen in dieser einsamen Gegend. Geradewegs erreichten wir dann unseren heutigen Höhepunkt, den Yellowstone National Park. Wir „betraten“ diesen durch den Süd-Ost-Eingang. Dieser Eingang ist erst seit diesem Sommer wieder geöffnet, weil ein Erdrutsch die Straße auf einer Länge von mehreren Kilometern völlig zerstörte. Teilweise lagen hier 7m Geröll auf der Straße. Die Bauarbeiten sind allerdings noch nicht beendet, was sich auch auf uns auswirkte. Stau wie auf einer deutschen Autobahn. So langsam sahen wir auch, was sich hier im Jahre 1988 für eine Naturkatastrophe ereignet hat. Verheerende Waldbrände zerstörten ca. 75% des Wald- und Buschbestandes. Bevor ich nun weiter über die Tour schreibe, anbei wieder einige Anmerkungen zum Nationalpark.

Der Yellowstone Nationalpark

Der in den US-Bundesstaaten Wyoming (96%), Montana (3%) und Idaho (1%) gelegene „Yellowstone National Park“ wurde am 1. März 1872 gegründet und ist damit der älteste Nationalpark der Welt.

Mit seinen 8.983 km² Fläche (mehr als dreimal so groß wie das Saarland) gehört er zu den größten Nationalparks der USA. Seinen Namen trägt der Park wegen der gelben Felsen im Grand Canyon of the Yellowstone. Er ist Teil der Rocky Mountains und hat eine durchschnittliche Höhe von etwa 2.440 Meter über Normalnull.

Der höchste Punkt des Parks, Eagle Peak, links im Bild, erreicht sogar eine Höhe von 3.462m. 1978 hat ihn die „United Nations Educational, Scientific and Cultural Organization“, UNESCO zum Welterbe erklärt.

Um 1807 bekam der Trapper John Colter das Gebiet des heutigen Nationalparks als erster Weißer zu Gesicht. John Colters Schilderungen über den Yellowstone wurde kaum Glaube geschenkt, als er 1810 in die Zivilisation zurückkehrte. 1869 kam eine erste Expedition, die Folsom-Expedition, in das Yellowstone-Gebiet. Immerhin stellte General Henry D. Washburn gemeinsam mit dem Schriftsteller Nathaniel P. Langford und Leutnant Gustavus C. Doane ein Jahr später die Washburn-Langford-Doane-Expedition zusammen. Sie gaben unter anderem dem Geysir „Old Faithful“ seinen Namen.

2003 besuchten knapp drei Millionen Touristen den Park.

Der Yellowstone National Park liegt zu weiten Teilen in der Caldera des Yellowstone Vulkans. Von den rund 200 Geysiren im Nationalpark erfreut sich besonders der Geysir Old Faithful bei Touristen großer Beliebtheit, spuckt er nämlich in ungewohnter Regelmäßigkeit sein Wasser in Abständen von momentan zwischen etwa 60 und 90 Minuten in die Luft.

Angriffe von Bären auf Menschen sind selten, denn der Bär meidet die Nähe des Menschen. Die meisten gefährlichen Begegnungen passieren mit Bisons. Viele Besucher verkennen, dass auch dies Wildtiere sind. Denn Bisons können sehr rasch auf über 50 km/h beschleunigen und halten diese Geschwindigkeit über einen längeren Zeitraum aufrecht.

Die heißen Quellen des Nationalparks:

  • Artist Point – Beeindruckender Aussichtspunkt
  • Grand Canyon of the Yellowstone – Bis zu knapp 400 m tiefe Schlucht mit drei Wasserfällen
  • Mammoth Hot Springs – Kalkterrassen im Norden des Parks
  • Old Faithful – Wohl bekanntester Geysir der Erde
  • Petrified Tree – Einige Millionen Jahre alter versteinerter Baumstamm
  • Yellowstone Lake – Größter Bergsee der USA
  • Yellowstone (Fluss) – Fluss, der durch den Nationalpark fließt
  • Yellowstone-Fälle – Verschiedene Wasserfälle des Yellowstone-Flusses
  • Tower-Falls – Wasserfall des Tower Creek Flusses

Nun wieder zurück zu meinem Bericht. Vieles, was im vorherigen Kapitel beschrieben wurde haben wir auch besucht. Als erstes machten wir oberhalb des Yellowstone Sees eine Rast. Anschließend fuhren wir dann auf einen Rastplatz direkt am Ufer des Sees. Hier sahen wir auch an einigen Dampfwolken, die sich am Ufer zeigten, das hier schon der Untergrund sehr aktiv ist.

Unseren ersten Rundgang an einer vulkanischen Sehenswürdigkeit hatten wir am „Mud Vulcano“ zu deutsch am Schlammvulkan. Schon gleich neben dem Parkplatz war die erste Schlammquelle, die leise vor sich hinblubberte. Es zischte und dampfte und es roch nach faulen Eiern. Einige Herrschaften mit überempfindlichen Nasen mußten das natürlich gleich in negative ziehen. Auf hölzernen Stegen konnten wir von einer Quelle zur anderen gelangen. Allerdings wurden wir unterwegs von einer kleinen Herde Büffel aufgehalten, denen es scheinbar Spaß bereitete, sich auf den Steg zu stellen und die Touristen zu erschrecken. Als sich dann dieser Büffel bequemte Platz zu machen, huschten wir hier vorbei. Zu unterschätzen sind die Büffel nicht, immrhin ist das hier kein Tierpark sondern freie Wildbahn. Im letzten Jahr gab es einen tötlichen Unfall. Eine Touristin, die im Park campierte wollte unbedingt am Abend einen Büffel aus der Nähe fotographieren. Allerdings war der Blitz eingeschaltet, so das sich das Tier so sehr erschrak, das es auf die Dame los ging und dabei tötete. Mit einem asiatischen Touristen gab es auch einen Zwischenfall, der allerdings glimpflicher verlief.

Ein „Schlammvulkan“ (auch „Schlammsprudel“ oder „Schlammtopf“, englisch „mud pot“), ist eine heiße Quelle, welche in geothermal aktiven Gebieten bei schwachem Grundwasserzufluss entsteht. Der kochende Schlamm wird häufig über die Ränder gespritzt und so entstehen vulkanförmige Kegel von gewöhnlich nicht mehr als 1 bis 2 Meter Höhe. Der Vulkanschlamm ist im Allgemeinen von weißer bis grauer Färbung, manchmal treten auch rote oder rosa Kleckse auf, die durch Beimengungen von Eisen erzeugt werden. Quellen mit solchen bunten Farben werden auch „paint pots“ (Farbtöpfe) genannt.

Unser nächster Anlaufpunkt nach dem Schlammvulkan war der “Grand Canyon of the Yellowstone”.

Der „Grand Canyon of the Yellowstone“ ist eine Schlucht, in dem der Yellowstone River fließt. Der Canyon ist zwischen 250 m und 400 m tief, seine Breite misst zwischen 500 m und 1.300 m. Er erstreckt sich auf ungefähr 32 km Länge. Der Grand Canyon wurde durch Erosion erzeugt. Mit einem Alter von 10.000 bis 14.000 Jahren ist er eines der jüngeren Attraktionen des Parks. Seine Entstehungsgeschichte ist noch nicht ausführlich erforscht worden. Es gibt im ganzen drei große Wasserfälle im Canyon:

  • Die Upper Falls (33,2m)
  • Die Lower Falls (94m)
  • sowie den weniger bekannten Crystall Falls

Verschiedene Aussichtspunkte bieten einen schönen Blick in den Grand Canyon des Yellowstone.

Der wohl bekannteste Aussichtspunkt ist der „Artist Point“. Dieser war auch unser Aussichtspunkt, den wir anfuhren. Den Namen erhielt er, weil der Maler Thomas Moran während der Hayden-Expedition von 1871 dort verschiedene Bilder malte.

Nachdem nun das Auge ausgiebig zu seinem Recht kam, meldete sich nun unser Magen buchstäblich zu Wort. Anders ausgedrückt, wir hatten Hunger. Aus diesem Grunde machten wir eine Stunde Mittagspause im Canyon Village. Wir begnügten uns mit einem Hot Dog und einer kühlen Cola. Die Bedienung am Schalter würde man bei uns als „Rentnerband“ bezeichnen. Ich glaube, hier war keiner unter 70 Jahre alt. Ein so hohes Lebensalter wirkt sich auch auf das Gemüt aus. Unbeirrt von den langen Schlangen am Schalter wurde hier in Seelenruhe ein Würstchen hervorgeholt, das Brötchen in der Mitte halbiert, das Würstchen in das Brötchen bebettet, das ganze dann in ein Körbchen gelegt und an die Kasse weiter gereicht. Der Zahlungsprozess verlief genauso ab. Mich hat es nicht gestört. Mit Hektik, wäre es auch nicht schneller gegangen.

Nach dem Essen und dem Besuch der Rangerstation, in dem ich wie immer meine Bücher gekauft hatte, ging es weiter in Richtung Norden. Fast an der Grenze zu Montana besuchten wir die „Mammoth Hot Springs“.

„Mammoth Hot Springs“ ist der Haupt- und Verwaltungsort des Yellowstone-Nationalpark. Seinen Namen verdankt er den nahegelegenen Kalkterrassen und heißen Quellen. Er liegt auf 1902 m.ü.M. Nebst den Verwaltungsgebäuden besteht die Ortschaft lediglich aus einem Restaurant, einem Hotel, einem Souvenirladen, einer Tankstelle, einer Kapelle, einem Postbüro sowie aus einigen Häusern und Hütten für Angestellte und Touristen.

Heiße Quellen lassen warmes Wasser über die Terrassen gleiten. Das Wasser beinhaltet überdurchschnittlich hohe Kalziumkarbonat (Kalk)- und Mineralienanteile, die sich ständig ablagern. So sind die Terrassen entstanden und erneuern sich stetig. Aufgrund der immer neuen Ablagerungen wechseln die Farben – von Weiß bis Blau, Braun, Grün, Gelb, Orange oder Rot – der Terrassen von Jahr zu Jahr.

In der Gegend von Mammoth Hot Springs sind oft Herden von Wapiti-Hirschen zu beobachten. Oft liegen sie auf den warmen Kalkterrassen.

Die Kalkterrassen umfassen etliche bekannte Quellen, Terrassen und Felsen:

  • Opal-Terrasse: 1947 wurde ein Tennisplatz entfernt, um dieser Terrasse die Möglichkeit zur natürlichen Vergrößerung zu geben. Die Opal ist durch die Straße nach Norris von den übrigen Terrassen getrennt.
  • Angel-Terrasse: Noch 1920 oder 1930 war diese Terrasse algenfarbig, nun beginnt sie zu bröckeln und wird durch Pflanzen überwachsen.
  • White Elephant Back-Terrasse: Bekannt durch eine ungewöhnlich lange weiße Kante. Sie ist wie auch die Angel-Terrasse im oberen Bereich der Terrassen angesiedelt.
  • Minerva-Quelle: Diese Quelle befindet sich im Zentrum der unteren Terrassen. Sie lässt besonders vielfarbige Ablagerungen entstehen.
  • Jupiter-Quelle: Sie liegt südlich der Minerva-Quelle Sie erhielt den Namen in den 1880er-Jahren aufgrund ihrer imposanten, turmähnlichen Formation.
  • New Highland-Quelle: Diese Quelle wurde erst 1952 aktiv. Sie lässt ihre Terrasse sehr rasch wachsen.
  • Orange Mound-Quelle: Sie hat ihren Namen von der orangen Farbe erhalten, welche ihre Terrasse vorweist.
  • Bath Lake: Dieser kleine See wurde bereits um 1880 so benannt; Soldaten pflegten dort zu baden. Heute ist das Baden verboten, da es Algen und Bakterien gefährdet.
  • Liberty Cap: Ein hoher schmaler Felsen.
  • Devil’s Thumb: Ein Felsen in Form eines großen Daumens.

Am Fort Yellowstone wartete schon der Bus auf uns, um die Weiterfahrt antreten zu können. Auf der Fahrt nach Süden hielten wir dann wieder an, diesmal am „Norris Geyser Basin“. Hier konnte man auf verschieden langen Rundwegen die unterschiedlichsten heißen Quellen besuchen. Leider konnten wir nur einen kurzen Weg nehmen. Wenn man nicht wirklich wüsste, das dies alles von der Natur gestaltet wurde, könnte man annehmen, das dies extra für die Besucher angelegt wurde. Von einer kleinen Anhöhe aus, bei dem sich auch ein Museum befand, konnte man eine weitläufigen Ebene überblicken, die praktisch nur aus heißen Quellen und dampfendem Wasser besteht.

Der Tag ging nun zu Ende. Ich denke, wir alle sind heute auf unsere Kosten gekommen. Zu unserer Überraschung übernachteten wir in dem kleinen Ort Namens „West Yellowstone“, der sich in einem neuen Bundesstaat unserer Tour befindet, in Montana.

Nach den Ankunft im Hotel gingen wir mal wieder echt amerikanisch Essen, und zwar bei – McDonalds. Gespannt auf den nächsten Tag gingen wir früh ins Hotel.

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