7. Tag: Von Jackson Hole nach Salt Lake City

  • Reise 2005 – Land der Abenteurer
  • Tagesetappe über 448 km
  • Bundesstaaten: Wyoming, Idaho, Utah
  • Örtlichkeiten: Salt Lake, Salt Lake City, Mormonentempel
  • Reiseroute auf Google Maps


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An diesem schönen Morgen wurden einigen Mitreisenden klar gemacht, das man auf die Reiseleitung hören sollte, auch wenn man diese, aus welchen Gründen auch immer, nicht leiden kann. Bei der gestrigen Ankunft wurde uns durch Jutta mitgeteilt, das es das Frühstück in zwei Etappen gibt. Die erste Etappe war für den ersten Bus um 6 Uhr 45 eingerichtet und unser Frühstück sollte um 7 Uhr 15 beginnen. Ich muss erwähnen, das es ein warmes Frühstücksbüffet gab. Wie es mal so im Leben ist sind halt einige Leute (scheinbar) schlauer als andere. Natürlich mussten die schon um 7 Uhr in den Frühstücksraum kommen und standen natürlich vor einem geplünderten Büffet. Bereits 10 Minuten später, als wir eintrafen, war alles wieder aufgefüllt und das Frühstück war einsame Spitze. Die offiziellen Beschwerden dieser „Spezialisten“ bei dem Frühstückspersonal schmetterte dann später Jutta im Bus mit deutlichen Worten ab, zumal diese Leute sich auch noch mit Obst für den ganzen Tag eindeckten. Wie gesagt, das Frühstück war köstlich und somit war es auch nicht verwunderlich, dass wir die letzten unserer Gruppe waren, die den Raum verließen. Apropos verlassen! Auf dem Parkplatz des Hotels war heute Morgen die Hölle los. Warum auch immer verließen bestimmt an die 50 PKW auf einmal das Gelände des Hotels.

Unsere Route führte uns dann südlich auf dem Highway 26 in Richtung der Stadt Freedom. Hierbei streiften wir die den Nationalwald des „Targhee National Forest“ und wir fuhren durch den „Caribou National Forest“. Zuvor passierten wir allerdings die Grenze zum Bundesstaat Idaho. Von nun an mussten wir Abschied nehmen von Wyoming.

Am 4. März 1863 unterzeichnete Präsident Abraham Lincoln ein Gesetz mit dem das „Idaho Territory“ geschaffen wurde. Idaho wurde bereits 1805 durch die „Lewis-und-Clark-Expedition“ erforscht. Zu dieser Zeit lebten etwa 8.000 Indianer in der Gegend.

Nach der Fahrt durch den Nationalwald machten wir eine halbe Stunde Pause in Soda Springs. Danach folgten wir mit dem Bus dem Mormonenpfad, dem Weg, den die Siedler damals allerdings mit Handwagen zurückgelegt hatten. Anhand des Berichtes lässt sich erkennen, dass wir heute wieder viele Meilen im Bus zurück legen mussten.

Leider verließen wir bald Idaho und kamen in den Bundesstaat Utah, der bei uns vor allen Dingen wegen der Mormonen sehr bekannt ist. Utah hat allerdings auch viele Naturschönheiten zu bieten. Dies drückt sich nicht zuletzt dadurch aus, das Utah die größte Anzahl an Nationalparks besitzt. Hier weitere Daten und wissenswertes zu Utah.

Die Hauptstadt Utahs ist Salt Lake City. Die Abkürzung ist UT, der Beiname des Staates lautet „The Beehive State“ (dt.“Bienenkorb-Staat“). Ab 1847 wurde Utah von den Anhängern der „Kirche Jesu Christi der Heiligen der Letzten Tage“ (Mormonen) auf zum Teil ungewöhnliche Weise besiedelt. Um die Mitglieder der Kirche nach Utah zu bringen, wurde 1850 der „Ständige Einwanderungsfonds“ (engl. „Perpetual Emigrating Fund“ – PEF) ins Leben gerufen. Finanziert aus Spenden sollten die Mittel in diesem Fonds dazu genutzt werden, noch im Osten der USA lebende, vor allem aber Neubekehrte aus Europa, nach Salt Lake City zu bringen. Je nach Bedürftigkeit des Einzelnen übernahm der PEF Teile oder die ganzen Kosten für die Reise nach Utah, wobei sich das jeweilige Kirchenmitglied vertraglich verpflichtete, dieses Geld nach seiner Ankunft zurück zu zahlen.

Utah wurde am 4. Januar 1896 als 45. Staat als voll berechtigtes Mitglied in die USA aufgenommen.

 Nationalparks in Utah:

  • Arches-Nationalpark
  • Bryce-Canyon-Nationalpark
  • Canyonlands-Nationalpark
  • Zion-Nationalpark
  • Capitol Reef National Park

Der Name Utah leitet sich von dem Indianer-Volk der Ute ab, die neben einigen anderen Völkern bis heute in Utah leben. Nach dem Wunsch der Mormonen sollte der Staat Deseret heißen, dieser religiös begründete Name, der aus dem Buch Mormon, der heiligen Schrift der Mormonen stammt, wurde von der amerikanischen Regierung jedoch wegen der Trennung von Kirche und Staat nicht akzeptiert. Einer der Landungsstrände bei der alliierten Operation Overlord (Invasion in der Normandie) am 6. Juni 1944 trug den Code-Namen „Utah Beach“, der heute zum offiziellen Namen geworden ist.

Ich habe nun schon mehrmals den Begriff Mormonen im Zusammenhang mit der Religionsgemeinschaft der „Kirche Jesu Christi der Heiligen der Letzten Tage“ genannt. Der nächste Abschnitt beschäftigt sich mit dem Begriff „Mormonen“.

Als „Mormonen“ wurden schon früh die Anhänger der von Joseph Smith 1830 gegründeten Kirche, die seit 1838 „Kirche Jesu Christi der Heiligen der Letzten Tage“ genannt wird, bezeichnet. Der Name wurde ihnen aufgrund ihres Glaubens an das Buch Mormon als weitere Heilige Schrift, von Außenstehenden gegeben. Heutzutage werden alle der mehreren Dutzend Gemeinschaften und Gruppierungen als „Mormonen“ bezeichnet, die im Laufe der Zeit aus der ursprünglichen von Joseph Smith gegründeten Kirche hervorgegangen sind oder sich in ihrem Glaubensbekenntnis auf das Buch Mormon berufen. Dazu gehören auch polygame Gruppen im Süden und Westen der USA, von denen sich die Hauptkirche und viele andere der Splittergruppen ausdrücklich distanzieren.

Ankunft in Salt Lake City. Unser erster Anlaufpunkt war das State Capitol von Utah, das sehr schön gelegen an einem Hügel über die Stadt Wache hält. Die Kuppel des Gebäudes ist die höchste in den USA und somit auch höher als die des Capitols in Washington. Da sich das in Washington auf einem Hügel befindet, sieht dieses allerdings höher aus als es in Wirklichkeit ist.

Das Gebäude selbst und das ganze Umfeld wurden zum Zeitpunkt unseres Besuches renoviert. Einen Eindruck der Größe konnten wir trotzdem machen. Leider war es sehr schwierig, überhaupt mit dem Bus dort hin zu kommen. Nach mehreren Ehrenrunden konnten wir vor einer Einfahrt anhalten und um die Ecke herum laufen, damit wir die Frontseite des Capitol anschauen konnten. Nach einer viertel Stunde brachen wir dann von hier wieder auf. Unser nächster Halt war am Tempel Square in der Innenstadt.

Der Tempel Square ist das Herz der „Kirche Jesu Christi der Heiligen der Letzten Tage“. Wir waren für diesen Mittag zu einer Führung angemeldet. Pünktlich trafen wir am Eingang ein und wurden von offizieller Seite begrüßt. Nach dem Betreten des Geländes wurde uns eine deutsche Schwester vorgestellt, die uns den Tempel Square und die Gebäude darauf vorstellte. Selbstverständlich konnten wir auch Fragen zu der Kirche stellen, die uns auch ohne Umschweife beantwortet wurden.

Schon von Weitem erkennt man den Tempel der Mormonen, der das Herzstück des 40.000 m² großen Temple Squares in Salt Lake City bildet. Der „Salt Lake Tempel“, auch „Salt Lake City Tempel“ genannt, ist der bekannteste und größte Tempel der Kirche Jesu Christi der Heiligen der Letzten Tage. Er ist der vierte noch bestehende Tempel der Kirche. Am 14. Februar 1853 wurde der Bauplatz zugewiesen, große Zeremonien wurden von Brigham Young, der den Grundstein legte, abgehalten. Offiziell begann der Bau am 6. April (der von den Mormonen als Jahrestag ihrer Kirchengründung stets feierlich begangen wird). Auf Ochsenkarren wurde Granit vom Little Cottonwood Canyon zwanzig Meilen südöstlich der Baustelle herangebracht. Weitere wichtige Gebäude am Tempelplatz sind das Konferenzzentrum Salt Lake City und das Tabernakel. Das „Tabernakel“ (lat. „tabernaculum“ = Hütte, Zelt) ist in der Römisch-katholischen die Bezeichnung für den Aufbewahrungsort der Brotgestalt (z.B. Hostie), die als der Leib Christi verehrt wird („das Allerheiligste“).

Zu Beginn unseres Rundganges besichtigten wir die „Assembly Hall“. Vor der Halle befindet sich ein Brunnen mit einer Säule. Auf dieser Säule befindet sich eine Möwe, die den Staatsvogel des Bundesstaates Utah darstellt. Sicherlich fragt man sich, warum ausgerechnet ein Staat, der zumeist aus Wüstenlandschaften besteht ausgerechnet eine Möwe als Staatsvogel gewählt hat. Nun, auch hier zeigt sich die Besiedelung durch die Mormonen dafür verantwortlich. Nach deren Ankunft und dem Urbarmachen des Landes bestellten die Siedler ihre Felder. Als dann die Pflanzen heran wuchsen, überkam dem Land eine Heuschreckenplage (wie sie ja auch im Alten Testament beschrieben wurde). Völlig machtlos mussten die Farmer der Vernichtung zusehen. Auf einmal tauchten am Himmel Möwen auf, die sich an den nahen Seen niedergelassen hatten und fraßen die Heuschrecken weg. Die Ernte war gerettet und das Volk der Mormonen konnte den nahen Winter unbeschadet überstehen. Als Zeichen der Dankbarkeit ehrt man heute die Möwe als Staatsvogel.

Hier wurde uns im Vorfeld erklärt was es mit der Kirche Jesu Christi der Heiligen der Letzten Tage so auf sich hat. Natürlich erhielten wir auch einige Verhaltensregeln, die wir während der Besichtigung einzuhalten hatten. Diese waren aber nicht irgendwie streng und gebieterisch, sondern eigentlich so veranschlagt, dass der normale Menschenverstand dies auch nicht anders vorgesagt hätte.

Im Innenraum konnten wir uns dann hinsetzen. Hier hatten wir Gelegenheit, an unsere Führerin Fragen zu stellen. Ich muss sagen, sie ist keiner Antwort ausgewichen, obwohl sich einige Antworten auf immer dieselben Fragen wie auswendig gelernt anhörten. Ich denke aber, wenn man ein katholisches Kloster besucht und die obligatorischen Standardfragen stellt, ist es auch nicht anders. Natürlich wurde auch nach der Finanzierung der Kirche gefragt. Nun, diese ist relativ einfach. Der Beitragssatz jedes Mitglied der Kirche ist schon in der Bibel festgelegt worden. Jedes Mitglied bezahlt „den Zehnten“ seines Einkommens an die Kirche. Sofort erfolgte die Nachfrage, ob es den damit getan ist, denn schließlich hat man hier den großen Tempel und daneben das neue Konferenzzentrum gebaut. Nun, sicherlich reichen da die Beiträge der kleinen Leute nicht aus. Da sich aber auch Topmanager und Besitzer großer Firmen als Mitglieder sehen und auch diese den „Zehnten“ abtreten, steht die Kirche auf finanziell guten Beinen da. So ist der Besitzer der Marriott Hotelkette ein ziemlich gut situiertes Mitglied. Einer von uns wollte dann noch wissen, warum hier alle so lange Kleider und hochgeschlossene Krägen tragen. Dies sei allerdings nur Pflicht, so lange man hier im Tempel seinen Dienst verrichtet. Wenn man wieder (nach zwei Jahren) zu Hause ist, läuft man wie jeder anderer auch mit T-Shirt und Jeans herum.

Als nächstes besuchten wir das relativ neue Konferenzzentrum. Es wurde von der Kirche Jesu Christi der Heiligen der Letzten Tage zwischen dem 24. Juli 1997 (Spatenstich) und dem 8. Oktober 2000 (Weihung) errichtet. Es dient unter anderem als Versammlungsraum für die Halbjährlich stattfindenden Generalkonferenzen der Kirche, die auch über Fernsehen, Rundfunk und Internetstreaming übertragen werden. Es ist mit seinen 21.000 Sitzplätzen der größte religiös genutzte Zuhörerraum, der sich innerhalb eines Gebäudes befindet. Die Orgel des Konferenzzentrums besteht aus 7667 Pfeifen. Der gesamte Komplex ist 139.350 m² groß. Es wurden 80,450 km Kabel im Gebäude verlegt.

Bevor wir in den Innenraum gingen, wurde uns vor der großen Jesus-Statue per eingespielten Band in deutscher Sprache den spirituellen Grundgedanken erklärt, der der Kirche zu Grund liegt.

Nach dem Besuch des Konferenzzentrums wurde uns ein Postkarte ausgehändigt, mit der wir kostenlose Mitteilungen bestellen konnten. Da damit auch ein Hausbesuch eingeschlossen war, nahmen wir zwar die Karten aus Höflichkeit an, werden diese aber nicht abschicken.

Unser Rundgang, den ich sehr interessant fand, endete vor dem Tempel. Diesen konnten wir leider von innen nicht besichtigen. Der ist sogar für die Gläubigen an normalen Tagen gesperrt. Nur zu besonderen Anlässen wie Hochzeiten oder kirchlichen Feiertagen steht die Tür offen. Uns wurde nur gesagt, man dürfe nicht ein Kircheninneres wie bei der katholischen Kirche erwarten.

Damit war der offizielle Teil der Tagestour beendet. Um die Stadt besser kennen zu lernen gingen wir zu Fuß zum Hotel. Wir mussten nur der Hauptstraße sechs Blocks nach Süden folgen.

Ach ja, es fehlen ja noch die Stadtinformationen. Hier sind sie. Die Stadt Salt Lake City ist die Hauptstadt des Bundesstaates Utah und ist mit 178.605 Einwohnern (1.7.2004) die größte Stadt von Utah. Die Bevölkerung des Ballungsraums um die Stadt herum ist über eine Million. Im Jahre 2002 wurden in dieser Stadt die olympischen Winterspiele ausgerichtet. Am 24. Juli 1847 wurde Salt Lake City von 143 Männern, drei Frauen und zwei Kindern an der Ostküste des Großen Salzsees gegründet. Diese Mitglieder der Kirche Jesu Christi der Heiligen der Letzten Tage (englisch „Latter-day Saints“), waren hauptsächlich wegen der religiösen Verfolgung und Diskriminierung in den östlichen Staaten geflohen. Sie waren die ersten Weißen, die sich in Utah niederließen.

Pünktlich zur Abfahrt der Abendtour stellte sich auch der Hunger ein. Wir fuhren mit dem Bus zum „Joseph Smith Memorial Building“, in dessen oberem Stockwerk sich ein Restaurant befindet, von dem aus man einen schönen Blick auf den Tempel genießen kann. Das Buffet war eigentlich ganz gut, nur leider etwas zu teuer. Na ja, Hauptsache dabei gewesen. Nach dem Essen war dann für heute Schluss. Wir fuhren wieder zurück ins Hotel und machten Feierabend.

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