12. Tag: Von Mammoth Lakes nach San Francisco

  • Tagesetappe über 507 km
  • Bundesstaaten: Kalifornien
  • Örtlichkeiten: Yosemite Park, San Francisco, Pier 39
  • Reiseroute auf Google Maps

Gestern wurden wir noch von der Sonne und dadurch von angenehmen Temperaturen verwöhnt, an diesem Morgen waren allerdings bei unserer Abfahrt vom Hotel ungefähr 4°C. Nach einem sehr ausgiebigem Frühstück auf dem Zimmer (sprich: Reste-Essen mit dünnem Kaffee) ging es auch schon wieder weiter.

Schon kurz nach dem Start sagte uns unsere Reiseleiterin, das wir noch einen kurzen Abstecher zum nahe gelegenen Mono Lake unternehmen würden. Darüber habe ich mich sehr gefreud, denn bei meinen beiden anderen Besuchen in den letzten Jahren war dies nicht getan worden.

Der „Mono Lake“ ist ein alkalischer Salzsee im zentral-östlichen Teil von Kalifornien. Er befindet sich östlich vom Yosemite National Park, zwischen der Sierra Nevada und den kalifornischen White Mountains. Ein winziges Dorf, Lee Vining, liegt am südlichen Rand des Sees. Um die schnell wachsende Stadt Los Angeles mit Wasser zu versorgen, leitete man in den späten 1920er Jahren Wasser von dem Owens-Fluss sowie von den Nebenflüssen, die in den Mono Lake mündeten nach Los Angeles. 1941 verbreitete Los Angeles sein Aquäduktsystem direkt in das Stromgebiet von Mono Lake. Deswegen leitete man das Fließgewässer, welches normalerweise in den Mono Lake gehen würde, ab. Der See enthält ungefähr 254 Millionen Tonnen von aufgelösten Salzen. Der Salzgehalt variiert zu jeder beliebigen Zeit mit dem jeweiligen Wasservolumen.

Sehr lange hielten wir uns hier nicht auf, denn es war ja noch früher Morgen und die Geschäfte waren noch alle geschlossen. Die Fahrt ging nun immer mehr bergan. Bei Lee Vining ging es wieder westwärts, dem nächten Punkt unserer heutigen Etappe entgegen.

Doch zunächst mussten wir über den Tioga Pass. Die Tioga Road (Highway 120) ist die südlichste Passstraße über die Sierra Nevada. Sie durchtrennt den Yosemite Nationalpark in der Mitte von West nach Ost und führt hinunter nach Lee Vining am Mono Lake. Ursprünglich wurde die Straße 1882-83 von der Great Consolidated Silver Company über den Tioga Pass als Zufahrt zu einem Bergwerk gebaut. 1961 wurde sie in ihrer heutigen Form ausgebaut und der Öffentlichkeit freigegeben. Der Pass ist zwischen November und Mai/Juni gesperrt, da er in der Zeit zuschneit (bis 14 Meter hoch). Die Tioga Road ist nur einspurig, aber wie alle Highways in einem hervorragenden Zustand und eine überaus sehenswerte Strecke, denn sie führt quer durch den ansonsten unerschlossenen nördlichen Teil des Yosemite Nationalparks und die Tuolumne Meadows. An zahlreichen besonders sehenswerten Stellen gibt es Ausweichstellen mit Parkmöglichkeiten. Die kurvenreiche Straße führt an Berghängen entlang, gewährt immer wieder tolle Ausblicke in Täler und auf neue Bergrücken. Nach der Überschreitung des Passes kamen wir dann wieder in tiefer gelegene Waldgebiete. Hier besuchten wir das Tuolumne Visitor Center.

Auch hier an diesem Visitor Center gab es diese massiven Aufbewahrungsboxen für die Lebensmittel der hier campierenden Urlauber. Weiter ging es dann, vorbei am Tenaya Lake immer tiefer in den Nationalpark hinein. Tenaya war der Häuptling, der hier ansässigen Indianer. Einen weiteren Stopp machten wir am Olmsted Point, an dem man einen schönen Blick in Richtung Yosemite Tal richten konnte.

Nun wird es aber Zeit, das ich einiges über den Nationalpark berichte. Hier nun die Fakten und Daten. Der Yosemite-Nationalpark (ausgesprochen „Jo-ssi-me-dih“) ist einer der Nationalparks in den USA. Er liegt in Zentral-Kalifornien, 200 km östlich von San Francisco. Er erstreckt sich über eine Fläche von 3.079 Quadratkilometern an den westlichen Hängen der Sierra Nevada. Das Yosemite Valley ist der zentrale Teil des Nationalparks. Es wird vom Merced River durchflossen. Hier gibt es zahlreiche Wasserfälle, der Yosemite Falls ist der höchste Nordamerikas und der fünfthöchste der Welt, und viele von Gletschern geformte Felsformationen. Die bekanntesten Felsen sind der Half Dome (2693m) und El Capitan (2307m), beides beliebte Kletterreviere. Die Felswände zu beiden Seiten des Yosemite Valley erreichen eine Höhe von knapp 1000 Metern.

Im Hochland von Yosemite liegen schöne Naturgegenden, darunter

  • Tuolumne Meadows
  • Dana Meadows
  • Clark Range
  • Cathedral Range
  • Kuna Crest
  • Mount Dana
  • Mount Gibbs und
  • Mount Conness

An diesem Tag ereignete sich etwas, das ich bis dahin noch nie bei meinen Reisen erlebt hatte – eine Panne an dem Bus. Während der Fahrt gab es einen Schlag im Motorraum, der nichts Gutes verlauten lies. Während einer kurzen Pause schaute dann unsere Busfahrerin nach und entdeckte, das für die Klimaanlage der Keilriemen gerissen war. Zum Glück hatten wir ein Ersatzstück bereit und dieses war auch schnell montiert. Wir streubten sich jetzt schon die Nackenhaare, nicht wegen der Panne, das ja mal passieren kann, sondern wegen den jetzt schon aufkeimenden Kommentaren der Nörgler im Bus. Zumal die Reparatur nicht lange anhielt, der Kompressor der Klimaanlage war defekt. Für mich unvorstellbar war das herumkritisieren einiger Fahrgäste, die nicht wahrhaben wollten, das dies hier im Nationalpark nicht zu reparieren war. Schon blöd, das hier mitten in der Wildnis keine Werkstatt war(!)

Die Fahrt ging aber trotzdem weiter. Wir fuhren nun zum Aussichtspunkt mit dem Namen „Tunnel View“, der wie schon im Namen ersichtlich, am Ausgang eines Tunnels lag. Das Yosemite Tal lag der Länge nach vor uns. Der Blick von hier oben war einer der schönsten Blicke der ganzen Tagesetappe. Hier versammelten sich viele Besucher des Nationalparks, bevor sie in das eigentliche Yosemite Tal weiterfuhren. Auch unsere fünf Busse drängten sich hier.

Nach diesem herrlichen Ausblick verließen wir den Aussichtspunkt, um ins Innere des Tals zu fahren. Wir kamen nun in dichten Wald. Zum Glück kannte sich unsere Fahrerin hier sehr gut aus, den trotz vieler verschiedener Karten konnte man sich hier relativ schnell verfahren. Unterwegs hielten wir natürlich noch einige Male an, um die entsprechenden Punkt schön besichtigen zu können.

Besonders beeindruckend ist die Anicht der Felswand des „El Capitan“, der fast senkrechten Felswand die ein Paradies für Kletterer ist. Leider waren die Wasserfälle fast ausgetrocknet, nur der „Bridalvail Fall“ (“Brautschleier Fall“) hatte noch etwas Wasser.

Zur Mittagszeit erreichten wir dann das Yosemite Tal. Der Hunger trieb uns dann sofort ins Besucherzentrum, wo wir dann ein kleines Mittagessen einnahmen. Nach einer Stärkung mit leckerem Eis nahmen wir Abschied vom Yosemite Park. Mittlerweile hatten wir ein Caprio-Bus. Wegen der defekten Klimaanlage hatten wir die Dachfenster geöffnet. War das dann das Ende vom Lied? Es kamen die Beschwerden, das es zieht. Wie gesagt, ich hatte es geahnt.

Den nächsten Halt machten wir dann erst wieder in dem kleinen Städtchen Merced, und zwar am Nachmittag und weit weg vom Nationalpark. Wir steuerten den Früchtebauernhof „Fruit Barn“ („Frucht Stall“) an und wer wollte konnte sich hier mit allerelei Früchten eindecken. Es gab aber auch frisch gepressten Orangensaft und andere kühle Getränke.

Am späten Nachmittag erreichten wir die Bucht von San Francisco. Die Stadt erkannte man schon von Weitem, jedoch nicht anhand den Gebäuden, sondern nur anhand der dicken Nebelwand, die sich vor uns ausbreitete. Man muß schon sehr viel Glück haben, wenn man mal San Francisco komplett ohne Nebel erleben will. Hinter Oakland befuhren wir dann die sogenannte San Francisco-Oakland Bay-Bridge. Leider war gerade Berufsverkehr und sämtliche Fahrspuren in Richtung San Francisco waren verstopft. Parallel zur vorhandenen Brücke entsteht zur Zeit ein riesiger Neubau, der dann für Entlastung sorgen soll. Die San Francisco-Oakland Bay Bridge (auch verkürzt nur Bay Bridge genannt) überspannt die Bucht von San Francisco und verbindet die beiden Städte Oakland und San Francisco.

Beim Loma-Prieta-Erdbeben am 17. Oktober 1989, das die Stärke 7,1 auf der Richterskala erreichte, brach ein 15m langes Teilstück des Oberdecks auf das untere Deck. Die Brücke war über einen Monat geschlossen; die Wiedereröffnung war am 18. November desselben Jahres.

Technisch gesehen lautet der offizielle Name der Brücke „James ´Sunny Jim´ Rolph Bridge“, aber dieser Name wird sehr selten benutzt und fand erst 1986 dank der Feierlichkeiten zum 50jährigen Bestehen der Brücke überhaupt Beachtung. Der zweckmäßige offizielle Name war stets San Francisco-Oakland Bay Bridge. James Rolph war früher Bürgermeister von San Francisco und zu Beginn des Baus der Brücke Gouverneur des Staates Kalifornien.

Über diese gigantische Brücke fuhren wir also nach San Francisco. San Francisco ist eine Stadt und eine Metropolregion in Kalifornien an der Westküste in den Vereinigten Staaten von Amerika. Mit 744.230 Einwohnern ist es die viertgrößte Stadt Kaliforniens. Sie gilt als die „europäischste“ aller Städte in Nordamerika.

Die Stadt liegt an der nördlichen Spitze der San-Francisco-Halbinsel, welche die Bucht von San Francisco bildet und wird im Westen vom Pazifik, im Norden vom Golden Gate und im Osten von der Bucht begrenzt.

Nach dem erreichen des Hotels und dem Beziehen des Zimmers machten wir uns nun auf zu unserem ersten Besuch des Pier 39, das quasi um die Ecke von unserem Hotel lag. Das Mekka jedes San Francisco Besuchers ist der am 4. Oktober 1978 eröffnete Pier 39, der mithin 2003 sein 25jähriges Jubiläum feierte. Über 110 Geschäfte, 11 Restaurants und zahlreiche Attraktionen bietet der von Moor + South / Pier Management Co. gemanagte „festival marketplace“ mit jährlich über 10,5 Millionen Besuchern. Er wurde aus „historischen“ Planken der Piers 3 und 34 aus dem Jahre 1910 errichtet und ist die Attraktion in sich, ein Selbstläufer genau wie Las Vegas.

Zu einer wahren Attraktion sind die hier lebenden Seelöwen geworden, die von vielen Touristen beobachtet werden. Wer sich jemals über Geruchsbelästigungen von zum Beispiel Ziegen bei uns beschwerte, der sollte mal am Pier 39 zu den Seelöwen gehen.

Die Tiere blökten herum und stupsten sich gegenseitig von den Pontons während die Touristen artig an der Pier Beplankung durch ihren Kameragucker linsten und eifrigst den Auslöser betätigten. Übrigens war es am 19. Januar 1990, kurz nach dem Loma Prieta Erdbeben vom 17. Oktober 1989, als die ersten Seelöwen hier am Dock K ankamen. Erst 10 bis 50 Exemplare, doch schon nach wenigen Monaten hatte die Population 300 erreicht. Dies lag zum einen an der geschützten Liegestelle, zum anderen am reichhaltigen Heringsangebot der Bay und einer Heringswanderung infolge des Bebens. Jeden Winter wächst die Zahl der Tiere auf über 900 an, die dann im Sommer wieder zu den Channel Islands abwandern. Seit einigen Jahren verbleiben aber zunehmend mehr Tiere auf ihren 1994 von der Stadt eingerichteten Pontons. Vor 1990 lagen die Seelöwen am Ocean Beach in der Nähe des Cliff House. Dorthin waren sie nach dem großen Beben von 1906 gekommen.

Am Abend machten wir uns dann fertig für die Abendtour durch San Francisco. Zur Abfahrt trafen wir uns am Bus unserer deutschen Parallelreisegruppe, da bei beiden Gruppen nicht alle an der Fahrt beteiligt waren. Ich glaube, wenn Blicke töten gekonnte hätten, wären wir nicht mehr lebendig aus dem Bus gekommen. Warum auch immer, hat sich irgendwo ein komisches Gefühl breit gemacht. Es konnte natürlich passieren, das jemand von uns sich irgendwohin in den Bus setzte und der eigentlich von einem anderen Mensch an diesem Tag zur Verfügung stand. Das wir vielleicht insgesamt 10 Minuten im Bus sitzen würden, und dabei der Platz bestimmt keine so große Rolle spielen würde, war den anderen allerdings egal.

Wir fuhren also los, und zwar zu der Endhaltestelle der Cable Car Linie Powel Mason Street, um eine Fahrt mit eben dieser Cable Car zu machen. Wir wollten bis zur Chinatown damit fahren. Es war natürlich die Hölle los, denn alle Reisegruppen waren schon an der Haltestelle. Allerdings hatte unsere Reiseleiterin, nachdem die nächste Bahn anhielt, dafür gesorgt, das wir zuerst einsteigen konnte. Man sollte nicht glauben, wie viele Menschen hier am und in der Bahn Platz hatte. Bis alles verstaut war verging einige Zeit, bevor der Fahrer loslegen konnte. Ratternt und scheppernd fuhren wir die Hügel hinab, bis wir an der Station Chinatown anhielten und ausstiegen. Die Fahrt ist wirklich einmalig und sollte bei keinem Urlaub in San Francisco auf dem Plan fehlen.

Nach der Fahrt machten wir nun einen Rundgang durch das Chinatown von San Francisco. Die „Chinatown“ von San Francisco ist die größte Chinatown in den Vereinigten Staaten von Amerika und zählt zu den bekanntesten Sehenswürdigkeiten der Stadt. Die Einwohnerzahl beträgt ca. 80000. Chinatown reicht im Westen bis zur „Powell Street“ und bis zum „Nob Hill“, im Osten bis zur „Kearny Street“, im Norden bis zum „North Beach“.

Mitten in Chinatown gingen wir dann zu unserem gemeinsamen Abendessen, natürlich bei einem Chinesen. Das Essen war sehr gut, und sogar Leute, die bis jetzt noch keine chinesische Küche probiert hatten, waren zufrieden.
Nun kam der krönende Abschluß des Tages. Der letzte Programmpunkt sollte eine Fahrt zur Insel Yerba Buena sein, um von dort einen Blick auf die abendliche Skyline von San Francisco zu haben.

Leider kam es jedoch ganz anders. Der Fahrer des Busses kannte sich in San Francisco nicht aus, und unsere Reiseleiterin machte den Erzähler. Die mitfahrenden anderen Reiseleiter fühlten sich nicht in der Lage, dem Fahrer die Route zu erklären. Folge : Er hat sich mehrmals verfahren, weil die Reiseleiterin ja mit dem Erzählen beschäftigt war. Der Fahrer ist nun regelrecht ausgerastet, hat unsere Reiseleiterin aus dem Bus zitiert und diese fertig gemacht. Da diese auch nicht auf den Mund gefallen war, konnte sie entsprechend Kontra geben. Zum guten Schluß mischten sich auch die andere Reisegruppe mit ein. Die Abentour wurde abgebrochen, und wir fuhren ins Hotel. Da der Fahrer verboten hatte, das sich die Reseleiterin mittels Bordmikro mit uns verständigte, waren wir über das rasche Ende sehr verdutzt. Am nächsten Tag wurde uns dann, wieder in unserem Bus, die Story erzählt.

Der Tag nahm also ein jähes Ende, war aber dennoch ein sehr ereignisreicher Tag.

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