3. Tag: Von Belfast nach Letterkenny

  • Reise 2016 – Irland
  • Tagesetappe über 238 Km
  • Örtlichkeiten: Belfast, Carnlough, Giant´s Causeway, Derry, Letterkenny


Nun, das ist jetzt der Bericht des dritten Reisetages, und die eigentliche Irland Rundreise fängt jetzt erst an.

Am Morgen begrüßte uns unser Reiseleiter Eberhard im Bus. Er hatte sich zwar gestern Nachmittag mal kurz vorgestellt, aber nun war erst der richtige Zeitpunkt gekommen, um dies offiziell zu tun. Er hat uns sogleich vorgeschlagen, den heutigen Tag mit einer kleinen Stadtrundfahrt in Belfast zu beginnen. Dies stand zwar nicht auf dem eigentlichen Reiseprogramm, aber Belfast liegt ja quasi nur 5 km vom Hotel weg. Natürlich nahmen wir dieses Angebot an. Wir hatten ja keinen festen Zeitplan für das „restliche“ Tagesprogramm.  Um 8:30 Uhr setzten wir uns also in Richtung Belfast in Bewegung.

Zugegeben. Belfast ist mir bis heute eigentlich nur negativ in Erinnerung gewesen. Und zwar von den vielen, jahrelangen schlechten Nachrichten im Fernsehen. Hintergrund dabei waren natürlich die Anschläge und Unruhen rund um den Nord-Irland Konflikt.

Der irische Name von Belfast lautet Béal Feirste und sie ist die Hauptstadt von Nordirland und nach Dublin mit 336.000 Einwohnern die zweitgrößte Stadt auf der Irischen Insel. Hier befindet sich auch der Sitz der Regierung und des Parlamentes von Nordirland.

Der irische Name der Stadt bedeutet „Mündung des Farset – ir. An Fhearsaid„. Dieser Fluß ist heute nicht mehr sichtbar. 

Auf dem Gebiet der 1603 gegründeten Stadt stand bereits um 1177 eine normannische Burg. Im Jahre 1912 lief die auf der Harland&Woll Werft gebaute Titanic zu ihrer ersten Fahrt aus. 

Wir begann nach dem Erreichen von Belfast mit der Rundfahrt durch die Stadt. Unseren ersten Halt machten wir im Hafen. Dort konnten wir, von außen, das Titanic-Museum „Titanic-House“ betrachten. Gleich daneben liegt das Dock, in der die Titanic gebaut wurde.

Titanic Museum Das Trocken-Dock „David“ und „Goliath“
Die „Nomadic“ war der Zubringer der Fahrgäste zur Titanic

Als nächstes fuhren wir dann zum Stormont Estate Park, einige Kilometer östlich des Stadtkerns. Hier befindet sich der Regierungssitz von Nordirland. Der Park ist außerordentlich gut gepflegt, mit typischem Rasen. Die Eingänge zum Park sind zwar bewacht, aber jeder hat hier freien Zutritt. Viele Belfaster gehen hier spazieren oder joggen. Am nördlichen Ende des Park befindet sich das Parmalentsgebäude auf einer Anhöhe. Hier machten wir einen kurzen Fotostopp.

Das Parlament von Nord Irland Das Parlament von Nord Irland Blick vom Stormont Estate über Belfast

Nach der Rückfahrt in die Innenstadt machten wir eine einstündige Pause am Rathaus von Belfast, der Belfast City Hall am Donegall Square. Hier konnten wir das Innere des Gebäudes besichtigen. Am 1. August 1906 wurde das Gebäude eröffnet.

An einer Ecke des Geländes befindet sich das Titanic Denkmal. Erbaut wurde es im Jahre 1920. Zum 100 jährigen Gedenken an den Untergang der Titanic wurde um das Denkmal herum ein Garten angelegt.

Blick auf Belfast Blick auf Belfast Blick auf Belfast
Das Rathaus von Belfast Das Rathaus von Belfast – Foyer Das Rathaus von Belfast – Foyer
   
Das Titanic Denkmal (hinten im Bild)  Queen´s University  Das Titanic Denkmal 

Kurz vor Mittag verließen wir dann Belfast. Unsere Fahrt ging die Küste entlang Richtung Norden. Nach etwas über einer Stunde erreichten wir den Ort Carnlough. Dort legten wir eine kleine Pause ein, um uns wieder kurz die Beine zu vertreten, oder aber um uns von Teilen des Frühstücks wieder zu entledigen. Im Ort und am kleinen Hafen war es sehr ruhig, was sicherlich auch an dem etwas schlechten Wetter lag. Die Wolken hingen sehr tief und ab und zu nieselte es leicht. Nach einem kleinen Spaziergang trafen wir uns wieder alle am Bus und die Fahrt konnte wieder weiter gehen.

Ansichten in Carnlough Ansichten in Carnlough Ansichten in Carnlough

Die Küstenstraße führte uns immer weiter nach Norden durch den County  Antrim. Ab und zu konnten wir durch den Dunst die schottische Küste erkennen. Allerdings nur als einen dunklen Streifen am Horizont.

Kurz nach Mittag machten wir einen Stop bei Carrick-a-Rede. Zumindest am nahegelegenen Parkplatz. Carrick-a-Rede ist eine Insel unmittelbar vor der Küste. zwischen Ballycastle und Ballintoy. Die unbewohnte Insel ist durch eine Hängebrücke (sehr spektakulär) mit dem Festland verbunden. Die Insel erhielt den Namen, der übersetzt soviel heißt wie „Fels im Weg“, durch die Tatsache, das sie den Lachsen den direkten Weg zu deren Laichplätzen versperrt.

Die erwähnte Hängebrücke überquert in einer Höhe von 30 Metern die 20 Meter breite Meerenge zur Insel. Bereits seit ca. 350 jahren gibt es hier eine Brücke. Die Fischer konnten darauf zum Lachse fangen auf die Insel gelangen.

Wir konnten diese Insel leider nicht besuchen, aber trotzdem erfreuten wir uns an der schönen Aussicht.

Carrick-a-Rede Carrick-a-Rede Carrick-a-Rede

Am frühen Nachmittag erreichten wir dann unser erstes großes Etappenziel für den heutigen Tag; den Giant´s Causeway.

Giant´s Causeway bedeutet soviel wie „Damm des Riesen“ und heißt auf irisch Clochán an Aifir oder Clochán na bhFómharach. Er befindet sich in der Nähe von Bushmills. Bushmills ist den Whiskeyfreunden ein Begriff, denn hier steht die älteste Whiskeybrennerei der Welt, die 1743 das erste mal erwähnt wurde.

Wie man sich denken kann, waren wir nicht die einzige Reisegruppe. Der Busparkplatz am Besucherzentrum war schon sehr gut gefüllt. Nach dem wir uns alle am Eingang versammelt hatten, wurden uns die Audio-Guides ausgehändigt. In deutscher Sprache konnten wir uns damit an den verschiedenen Stellen mit Informationen eindecken.

Wir machten uns dann zu Fuß auf den Weg zu den Sehenswürdigkeiten an der Küste. Wer nicht gehen will oder kann, für den fährt auch ein Shuttlebus. Der Fußweg dauert wohl ca. 15 Minuten.

Was macht denn den Giant´s Causeway so interessant? Nun, er  besteht aus etwa 40.000 gleichmäßig geformten Basaltsäulen, die ein Alter von etwa 60 Millionen Jahren aufweisen. Etwa die Hälfte der Säulen hat einen sechseckigen Querschnitt, es treten jedoch auch solche mit vier, fünf, sieben oder acht Ecken auf. Die größten der Steinsäulen haben eine Höhe von zwölf Metern. Die Gesteinsschicht ist bis zu 25 m dick. 

Die Säulen können (ja sollen) auch betreten werden. Davon machten wir auch reichlich Gebrauch. Es ist schon interessant, was die Natur so alles erschaffen kann. Geschaffen wurden die Säulen aus sich erkaltender Lava. Das langsame Abkühlen erzeugte im Basalt Spannungsrisse durch Schrumpfung des Materials.

Das war der wissenschaftliche Teil über die Entstehung der Säulen.

Hier nun die Erklärung auf Basis einer irischen Legende.

Der Riese Finn McCool baute diesen Damm um zu seinem Feind, einem Riesen in Schottland, zu gelangen. Er wollte in bekämpfen. Der Damm wurde gebaut, weil es an einem Boot mangelte, das groß genug war. Kurz vor der Ankunft in Schottland bemerkte Finn McCool, das sein Gegner Benandonner für ihn zu groß war. Er flüchtete deshalb wieder zurück nach Irland. Doch Benandonner entschied sich darauf hin, Finn McCool wiederum in Irland zu besuchen. Dieser hatte Todesangst. Aber seine Frau Oonagh hatte einen Plan.

In Babysachen gekleidet, legte sie ihren Mann in eine Wiege. Benandonner kam und wollte McCool sehen, fand aber nur die Wiege. Ihre Mann sei auf der Jagt, sagte Oonagh. Aber er solle warten. Dabei schaute er auch in die Wiege. Darauf hin bekam es Benandonner wiederum mit der Angst zu tun, denn wenn die Baby schon so groß seien, wie groß muss dann Finn McCool sein? Benandonner kehrte darauf hin aus Furcht nach Schottland zurück. Er zerstörte den Giant´s Causway, um zu verhindern, das MacCool ihn verfolgte. Heute stehen nur noch die Reste davon.

Nun wieder zurück zu uns.

Auch wir kletterten natürlich auf den vielen Säulen herum. Beim Blick von oben herab sah es aus, als ob man auf riesigen Bienenwaben herum spazieren würde. Es war allerhand los hier. Aus aller Herren Länder kamen die Besucher hier her, was man an dem Stimmengewirr heraushören konnte. Wir gingen die Küste ein Stück entlang, um die Formation der „Orgelpfeifen“ aus der Nähe sehen zu können. An einem Hang war ein großes Stück blanker Fels zu sehen, der ebenfalls aus den Säulen besteht. Diese Säulen sieht man von der Seite, so dass diese dann aussehen wie nebeneinander angereihte Orgelpfeifen.

Auf unserm Weg kamen wir durch eine kleine Felsenenge aus Säulen. Dabei entdeckten wir, dass in einem Felsspalt ein paar Münzen eingesteckt wurden. Als wir dies genauer in Augenschein nahmen konnten wir erkennen, das JEDER erreichbare Spalt mit Münzen vollgestopft war. Viele Münzen waren schon so alt, das diese nicht mehr als Solche zu erkennen waren. Auch wir machten dabei mit und klemmten eine Münze (die wir vorher auf dem Weg fanden), in einen Spalt ein. Hoffentlich bringt uns das Glück.

Nach dieser für uns hoffentlich guten Tat machten wir uns dann wieder auf den Rückweg in Richtung Besucherzentrum. Nun benutzten wir auch an einigen Stellen den elektronischen Reiseführer und wir ließen uns das eine oder andere Teil erklären.

Die Zeit bis zur Abfahrt nutzen wir noch aus, um uns auch das Areal des Besucherzentrums anzuschauen. Aber lange konnten wir nicht verweilen; die Fahrt ging weiter.

Giant´s Causeway

 
Das Causeway Hotel „The Nook“ Das Besucherzentrum

Schon nach wenigen Kilometern, genauer gesagt nach 7 Kilometern, konnten wir wieder einen kurzen Fotostopp einlegen. Wir erreichten die Ruinen des Dunluce Castle. Hierbei handelte es sich um einer der größten mittelalterlichen Burg Irlands. Der irische Namen Dún Lios bedeutet so viel wie „Starke Festung“.

Hier soll sich bereits ein vorchristliches Fort befunden haben. Dokumentiert ist allerdings als frühestes Datum das Jahr 1513. Im Jahre 1588 lief vor der Burg ein Schiff der spanischen Armada auf Grund. Dieses wurde geplündert und mit dem „Gewinn“ wurde die Burg ausgebaut.

Ruinen des Dunluce Castle Ruinen des Dunluce Castle Ruinen des Dunluce Castle

Am späteren Nachmittag erreichten wir die Stadt Londonderry, oder Derry? Da der offizielle Namen der Stadt in Nordirland Londonderry ist, will ich auch bei dem Namen bleiben. Der irische Namen Doire Cholm Chille heiß in einer verkürzten Version so viel wie „Eichenhain“. Londonderry hat ca. 85.000 Einwohner. Sie ist Grenzstadt zur Republik Irland.  

Wie kam es zu dem Doppelnamen der Stadt? Im 17. Jahrhundert wurde von protestantischen Siedlern zur Anerkennung einer Spende einer Londoner Handelsgesellschaft (für den Aufbau einer Stadtbefestigung) der Name London zu Derry hinzugefügt; also Londonderry. Große Beliebtheit hat der Name Londonderry schon früher nicht gehabt. Heute sieht man auf Straßenschildern, dass der Teil „London“, mit Farbe übersprüht wurde. In der Republik Irland heißt es auf den Straßenschildern einfach „Derry“.

Nach unserer Ankunft fuhren wir als kleine Stadtrundfahrt durch die Straßen. Dabei wurde uns von unserem Reiseleiter allerhand über den Nordirlandkonflikt berichtet. Geradeso wie Belfast, ist uns Londonderry bewusst als Anschlagsort der IRA in den 70er und 80er Jahren. Wir sahen auch die bemalten Häuserwände, die wie damals auch heute noch politische Aussagen zeigen.

Neben den Namen Londonderry und Derry hat die Stadt auch den Beinamen „The walled City“, die „von Mauern umgebene Stadt“. Dies bezieht sich auf die bis heute erhaltene Stadtmauer.

An der Guildhall, dem historischen Rathaus der Stadt machten wir unseren etwas längeren Halt. Genau an der Guildhall verläuft die historische Stadtmauer. Die Mauer wurde in den Jahren 1613 bis 1619 erbaut.

The Guildhall Die „Friedens Brücke“ The Guildhall

Wir nahmen die Gelegenheit war und haben die Stadtmauer auf der deren Krone umrundet. Eine Umrundung zu Fuß dauert ungefähr eine halbe Stunde. Die Länge beträgt ca. 1 Meile, also 1,6km.

Auf der Stadtmauer Auf der Stadtmauer Auf der Stadtmauer
Auf der Stadtmauer Blick über Derry Blick über Derry

Als alle wieder im Bus versammelt waren hieß es Abschied nehmen von Londonderry und von Nordirland. Kurz nach dem Verlassen der Stadt begann die Republik Irland. Anfänglich sah man das nur an den Straßenschildern (nun hieß es Derry), aber am Abend merkten wir das auch beim Bezahlen, den in Irland gilt der Euro.

Gegen 19:00 Uhr erreichten wir unser Hotel in Letterkenny. Die Stadt hat etwas über 15.000 Einwohner. Der irische Name lautet Leitir Ceanainn und heißt „Berghang der Cannon Familie“.

Mit einem gemeinsamen Abendessen ließen wir den langen Tag ausklingen.


Unser Hotel „Mount Errigal“ in Letterkenny

Weblink: http://www.mounterrigal.com

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