4. Tag: Von Letterkenny ins Dromoland Inn

  • Reise 2016 – Irland
  • Tagesetappe über 406 Km
  • Örtlichkeiten: Genties, Donegal, Drumcliff, Sligo, Westport, Leenaun, Galway


Nun, das ist jetzt der Bericht des dritten Reisetages, und die eigentliche Irland Rundreise fängt jetzt erst an.

Überaus pünktlich starteten wir in den heutigen Tag. Es lagen einige Kilometer vor uns.

Über einen Punkt möchte ich hier berichten, der uns die ganze Reise über begleitete. Überall auf der Insel sieht man verlassene Steinhäuser, ohne Dach. Viele davon sind fast komplett verfallen, so dass man nur noch die Giebelwände sehen konnte. Hierbei handelte es sich um die sogenannten „Famine Häuser“. Famine steht für Hungernot. Von 1845 bis 1852 herrschte in Irland große Hungersnot. Ausgelöst wurde diese durch die Kartoffelfäule, die zu großen Missernten führte. Die Kartoffel war zu dieser Zeit das Hauptnahrungsmittel der Iren. Mehrere Millionen Menschen fielen der Hungersnot zum Opfer, das waren etwa 12 Prozent der damaligen Bevölkerung. Zu dieser Zeit wanderten etwa zwei Millionen Iren aus. Viele davon in die USA. Heute hat Irland ca. 6 Millionen Einwohner. Allerdings behaupten inzwischen 40 (!!) Millionen Amerikaner von sich, irische Wurzeln zu haben. Selbst Barack Obama hat mütterlicherseits in Irland seine Wurzeln.      

Dies kurz zum Hintergrund warum hier überall diese Häuser zu sehen sind. Immerhin sollen es 3000 davon sein. Man könnte meinen, dass dies schon Jahrhunderte her sei, allerdings ereigneten sich die Missernten und die Hungersnöte gerade mal vor rund 150 Jahren.

Ein weiteres immer wieder kehrendes Landschaftsbild waren die Torffelder. Noch heute wird Torf gestochen und die einzelnen Schollen werden zum Trocknen pyramidenförmig aufgestellt. Genutzt wird der Torf in ländlichen Gegenden als Brennmaterial.

Wir begannen diesen Tag wieder mit einem ausgiebigen Frühstück. Wir wunderten uns allerdings, als so früh am Morgen so viele Radrennfahrer plötzlich bei uns im Hotel Station machten. Nun, es fand ein Straßenrennen statt. Und das auf öffentlichen Straßen ohne besondere Absperrungen. Nur an besonderen Stellen wie etwa Straßenkreuzungen waren Helfer postiert. Ab und zu sah man innerorts auch mal ein Polizeiauto. Das Wetter war an diesem Tag typisch, leichter Regen.

Wir steuerten nun unser erstes großes Etappenziel an – die Stadt Donegal.

Donegal, oder „Dún na nGall“ heißt so viel wie „Festung der Fremden“. Der Name wird auf eine Wikinger Siedlung zurückgeführt, die hier vor Jahrhunderten entstand. Die Stadt liegt im gleichnamigen County Donegal, ist aber weder Hauptstadt noch Verwaltungssitz. Knapp 2400 Einwohner zählt der beschauliche Ort. Mitten hindurch fließt das Flüsschen River Eske. 

Wir parkten unseren Bus am südlichen Ende und machten uns dann zu Fuß auf ins Zentrum, dem Donegal Town Center. Dieses Center wird von einem dreieckigen Platz gebildet, der „The Diamond“, also Diamant genannt wird. Im Zentrum steht ein Obelisk, der die „Four Masters“, die vier „Meister“ ehren soll. Diese waren gälische Historiker.

Diese waren:

  • Brother Michael (Tadhg) O´Cleary,
  • sein Cousin Peregrine oder Cucogry O“Cleary,
  • Fearfasa O´Mulconry und
  • Peregrine O´Duigenan.

Um den Platz herum befanden sich natürlich viele Geschäfte und Pubs, wie es in Irland so üblich ist.

Auf der gegenüberliegenden Seite des Flusses  liegt das Donegal Castle. Es liegt mitten in der Stadt. Hier lag wohl auch die Wikinger Siedlung, die 1159 zerstört wurde. Das Donegal Castle wurde von Sir Hugh O’Donnell im Jahre 1474 erbaut. In den späten 90er Jahren wurde Donegal Castle komplett restauriert.

Unser Rundgang endete wieder am Bus. Unsere Zeit bis zur Weiterfahrt nutzte ich noch kurz, um die nahe gelegene Klosterruine der „Donegal Abbey“ zu besuchen. Das Kloster wurde von Aodh Rua O’Donnell und seiner Mutter Nuala O’Conor 1474 als Haus der reformierten Franziskaner gegründet. Die Klostergemeinschaft existiert noch heute, allerdings in Rossnowlagh weiter südlich von Donegal.

Donegal Donegal Donegal
 „Four Masters“  Donegal  Typisches Straßenschild
Donegal – Castle Donegal – Castle Donegal – Abbey

Weiter ging die Fahrt Richtung Süden entlang der Donegal Bay.

Als nächstes erreichten wir die Stadt Drumcliff. Der irische Namen „Droim Chliabh“ bedeudet „Kamm der Körbe“.

Hier besuchten wir die Kirche „Drumcliffe Parish Church“ und den dazu gehörenden Friedhof. Hier befindet sich das Grab von William Butler Yeats, einem Dichter. Er verstarb am 28. Januar 1939 im französischen Menton und wurde dort in  Roquebrune-Cap-Martin begraben. Im Jahre 1948 erfolgte die Umbettung nach Drumcliffe.

Drumcliffe Parish Church Das Grab von William Butler Yeats Das Grab von William Butler Yeats
Drumcliffe Parish Church Drumcliffe Parish Church Drumcliffe Parish Church

Unsere Mittagspause machten wir dann in Westport, irisch „Cathair na Mart“. Das 5200 Einwohner zählende Städtchen war um diese Zeit sehr belebt. Die Pubs und Restaurants im Zentrum waren sehr gut besucht. Auch wir machten es uns in einem Restaurant gemütlich und machten ausgiebig Mittagspause.

Ansichten in Westport Ansichten in Westport Ansichten in Westport
Ansichten in Westport Ansichten in Westport Ansichten in Westport

Schon kurz nach dem Verlassen von Westport fuhren wir an einem ganz bekannten und wichtigen Berg vorbei, dem Croagh Patrick. Der Berg hat eine Höhe von 764 Metern. Er wird auch „The Reek“, genannt („Haufen“). Der Berg ist eine Wallfahrtsstätte zu Ehren des heiligen Patrick (St. Patrick). St. Patrick bestieg im Jahre 441 diesen Berg und fastete dort oben 40 Tage und baute dabei eine Kapelle. Der Heilige St. Patrick vertrieb ja die Schlangen von der irischen Insel. Dies geschah genau hier, der Legende zufolge warf St. Patrick eine Glocke vom Berg hinab.

Nach der Weiterfahrt machten wir wieder mal, nach den Städten, einen Halt in freier Natur. Bei Leenaun machten wir eine kurze Pause an dem einzigen Fjord der irischen Insel, dem Killary Harbour „An Caoláire Rua“. Der Fjord reicht hier 15 bis 16km ins Landesinnere. Teilweise ist er 45m tief. Der Name von Leenaun leitet sich vom irischen Namen „An Líonán Cinn Mhara“ ab, das so viel bedeutet wie „die kleine Flutungsstelle des Kopfes des Meeres“.

Killary Harbour Killary Harbour Killary Harbour
Killary Harbour Killary Harbour Killary Harbour

Am späten Nachmittag erreichten wir unseren nächsten Haltepunkt. Die Stadt Galway „Gaillimh“ (steinerner Fluss).  Der Name leitet sich ab von dem nur 15km langen Flusses, der in die Bucht von Galway fließt. In Galway leben etwas mehr als 75.000 Einwohner. Als erste Siedlung entstand hier ein Kloster. 807 wurde die Stelle jedoch von Wikingern geplündert.

Wir erreichten also Galway und wir konnten mitten im Zentrum kurz anhalten, damit wir den Bus verlassen konnten. Am Eyre Square konnten wir dann mit der Erkundung der Fußgängerzone beginnen. Nun, wir waren sich alleine. Die ganze Fußgängerzone, die zugleich auch die Altstadt ist, war voll mit Menschen. Straßenkünstler zeigten hier ihr Können. Wir schlenderten gemütlich in Richtung Süden, dem Fluß und dessen Mündung zu. Auf beiden Seiten der Straßen reihten sich Geschäfte, Restaurants und natürlich Pubs aneinander. Am Fluß Corrib endete unser Weg. Hier konnten wir den „Spanish Arch (An Póirse Caoch)“ sehen, den „spanischen Bogen“. Es handelt sich hierbei um einen Torbogen des „Blake´s Castle“. Hier soll einer Legende nach Christoph Columbus den Tipp erhalten haben, nach Westen zu segeln.

 Eyre Square Galway  Galway  
 Galway   Galway   Galway 
„Spanish Arch“  Claddagh Hall   Eyre Square

Wir gingen nun wieder den gleichen Weg zurück. Unser Bus wartete schon am Eyre Square auf uns. Alle waren pünktlich an Bord und wir konnten das letzte Teilstück für heute in Angriff nehmen. Wir erreichten dann nach einem sehr langen Tag unser Hotel. Nach dem Einchecken gingen wir dann auch gleich ins Restaurant.

Mit einem gemeinsamen Abendessen ließen wir den langen Tag ausklingen


Unser Hotel „The Inn at Dromoland“

Weblink: theinnatdromoland.ie

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