5. Tag: Vom Dromoland Inn nach Tralee

  • Reise 2016 – Irland
  • Tagesetappe über 196 Km
  • Örtlichkeiten: Burren, Poulnabrone Dolmen, Cliffs of Moher, Tralee

Auf dem Programm für heute stand Natur pur. Das hatten wir auch, vor allem von oben. Der Tag begann recht freundlich. Erst ein gutes, reichhaltiges Frühstück und dann bei schönem Wetter zu unserer heutigen Etappe aufbrechen. Leider war das mit dem guten Wetter nicht ganz so wie geplant. Nun gut, der Reihe nach.

Unsere Tour führte uns erst etwas nach Nordwesten. Das Stückchen Irland hier trägt den etwas eigenartigen Namen „Burren“ – ausgesprochen „Barren“. Der irische Name hierfür lautet „An Bhoireann“ – „steiniger Ort“ und es ist eine Karstlandschaft. Dieses Karstgebiet erstreckt sich über eine Fläche von ca. 250km². Etwa knietiefe rechteckige „Karren“ untergliedern den Burren. Das heißt, der felsige Boden ist durch Erosion in längliche Spalten aufgebrochen.         

Es gibt auch horizontale Aufspaltungen, so dass mein beim darüber laufen immer wieder auf losen Platten läuft. In den Spalten wächst Gras und niedriges Gebüsch. Deshalb sollte man beim Umhergehen sehr aufpassen, damit man nicht mit dem Standbein ins Leere tritt und man sich verletzt.

Oliver Cromwell charakterisierte den Burren nach einem Kriegszug so: „Kein Baum, an dem man einen Mann aufhängen, kein Tümpel, worin man ihn ersäufen, keine Erde, in der man ihn verscharren könnte.“ 

Und da ist wirklich was dran. Die bizarre Landschaft bietet etwa 500 archäologische Anlagen verschiedenster Arten, wie Höhlen, Burgruinen, Ringforts, Kirchen und Klöstern.

Der „Burren“ Der „Burren“

Nach gut einer halben Stunde nach unserer Abfahrt vom Hotel konnten wir unseren ersten Stopp machen. Wir hielten an der Ruine des Leamaneh Castle. Der irische Name „léim an éich“ bedeutet hier „Pferdesprung“. Das Castle wurde in 15. Jahrhundert als Turmhaus erbaut und im 17. Jahrhundert zum Schloss erweitert. Unser Aufenthalt war nur kurz. Ein klassischer Fotostopp.

Leamaneh Castle

Unser nächster Punkt auf der Tagesetappe musste nicht lange auf uns warten. Schon etwa 10 Minuten nach der Weiterfahrt vom Leamaneh Castle erreichten wir unseren nächsten Anlaufpunkt, bei dem wir auch etwas länger Halt machten. Wir kamen an den sogenannten  Poulnabrone Dolmen. Ein Dolmen ist ein sogenannter Steintisch aus großen, unbehauenen Steinblöcken, der meist als Grabstätte dient. Die obere Deckplatte ragt meist über die Senkrechten Tragsteine hinaus, deshalb wurde auch vermutet, dass es sich bei den Gebilden um Opfertische handelte.

Wir erreichten also unseren Dolmen, den  Poulnabrone Dolmen. Der irische Namen „Poll na Brón“  wir übersetzt mit „Das Loch des Mühlsteins“. Der Dolmen wurde in der Jungsteinzeit, wahrscheinlich zwischen 3.800 und 3.200 v. Chr. erbaut. Der Deckstein hat eine Länge von 3,65m. Im Jahre 1986 wurde der Dolmen restauriert, ein Jahr zuvor wurde ein Riss in einem der Tragsteile entdeckt. Der Dolmen wurde einst durch einen Steinhügel bedeckt. Im Zuge der Arbeiten konnten Grabungen durchgeführt werden, bei denen Reste einer Bestattung gefunden wurden. Diese Spuren konnten bis ins Jahr 3000 v. Chr. zurückdatiert werden.

Von allen Seiten konnten wir den Dolmen ausgiebig besichtigen. Wir bleiben eine gute halbe Stunde hier am Dolmen. Das Wetter wurde langsam immer ungemütlicher, weshalb wir uns auch schleunigst wieder am Bus pünktlich einfanden.

In dem kleinen Örtchen Ballyvaughan (irisch Baile Uí Bheacháin)  machten wir unseren obligatorischen Stopp um uns wieder mal von den Resten des Frühstücks zu befreien – Pinkelpause. Auch hier waren die Radfahrer zu finden. Hie und da bog einer um die Ecke. Diesmal regelte sogar die Polizei das Ganze. Das 224 Einwohner zählende ehemalige Fischerdorf hat sich zum Segler- und Touristendorf entwickelt.

Ballyvaughan Ballyvaughan

Die Fahrt ging nun schnurstracks weiter zu unserem Höhepunkt des Tages. Höhepunkt ist hier sogar wörtlich zu nehmen. Leider aber wurde das Wetter immer schlechter. Nun, da kann man nichts machen. Wir erreichten also unser Ziel – die „Cliffs of Moher“.

Die „Cliffs of Moher“

Der Eingang zum Besucherzentrum

 Die beiden Bilder stammen aus der Galerie der Homepage
http://www.cliffsofmoher.ie/

Die Cliffs of Moher sind sehr bekannte Steilklippen an der Südwestküste Irlands. Der Name Cliffs of Moher heißt auf Irisch Aillte an Mhothair. Überwucherte Ruinen eines Wohnsitzes hier werden häufig als mothar, gesprochen „moher“ genannt. Daher beziehen die Klippen ihren Namen. Nahezu senkrecht ragen die Klippen hier aus dem Atlantik empor. Sie haben eine Höhe von 120m, am O´Brien´s Tower sogar 214.

O´Brien´s Tower liegt ungefähr in der Mitte der Uferstrecke. Es handelt sich dabei um einen im Jahre 1835 erbauten Wachturm. Der Auftragsgeber war, wie der Name bereits verrät, Sir Cornellius O’Brien.

2007 wurde das Besucherzentrum eröffnet. Dies ist sehr schön in Landschaft verbaut. Von hier aus führen die befestigten Wege zu den Aussichtspunkten. Für die Cineasten unter uns: Hier wurden Teile von „Harry Potter und der Halbblutprinz“ und viele andere Filme gedreht.

Wir erreichten also das Besucherzentrum bei dichtem Nebel und Regen. Einen Gang zu den Klippen konnten wir uns erst mal schenken. Im Inneren ist eine Ausstellung rund um die Cliffs of Moher zu sehen. Auf großen Bildtafeln konnten wir die Klippen erstmals bewundern und uns nur am Rande vorstellen, wie die in echt aussehen könnten. In einem kleinen Kino lief rund um die Uhr ein Film. Dabei konnte man quasi auf dem Rücken einer Möwe über die Klippen fliegen und auch in den Atlantik abtauchen. Der Film war sehr schön. Er läuft in einer Endlosschleife.

Irgendwie hat es uns aber doch in den Füßen gejuckt. In die Regenjacke eingepackt machten wir uns dann doch zu den Aussichtspunkten auf. Es regnete nicht nur, nein, es war auch ein starker Wind aufgekommen. Leider konnten wir von den Klippen nicht die geringste Spur sehen. Wenigstens konnten wir zu O´Brien´s Tower gehen und diesen anschauen. Und dann plötzlich lichtete sich der Nebel. So langsam konnte man immer mehr in die Tiefe blicken. Gefühlte hunderte Touristen wie wir zückten alle Kameras und Handys um diesen Moment festzuhalten. Keiner konnte ja sagen, wie lange die Sicht nun offen bleibt. Was wir sahen war schon beeindruckend. Es ging hier wirklich senkrecht nach unten. Es wäre sehr schade gewesen, wenn wir nicht wenigstens kurz diese freie Sicht gehabt hätten. Ich für meinen Teil war mit dem was wir sahen und mit den Umständen sehr zufrieden. Wenn man mal die vielen Bilder von anderen Touristen im Internet anschaut, haben nicht wenige die gleichen Erfahrungen gemacht wie wir. Tatsächlich war dann auch so, dass einige von unserer Gruppe gar nicht erst versucht haben, die Klippen zu sehen. Die sind lieber im Besucherzentrum geblieben. Also das könnte mir nicht passieren………

Hier nun noch zwei Videos.

 

Und weiter ging die Fahrt. Natürlich gab es im Bus nach diesem sehr schönen Programmpunkt viel zu erzählen. Am frühen Nachmittag erreichten wir dann die Stadt Killimer. Dort gab es zwar nichts zu besichtigen, aber hier bestiegen wir unsere nächste Fähre. Nein, diesmal mußten wir keine große Strecke überbrücken. Die fahrt ging über den Fluss Shannon (irisch: An tSionainn, An tSionna). Der name geht wohl auf die keltische Sagengestalt Sionan zurück. Der Shannon ist der längste Fluß Irland und der britischen Inseln. Er hat eine Länge von 370km, wobei ungefähr 250km schiffbar sind. Die Überfahrt dauerte knapp über eine halbe Stunde und die Strecke, als die Breite des Shannon, betrug ungefähr 3,5km. In der Flussmitte überschritten wir die Grenze vom County Clare zum County Kerry.

Fahrt mit der Fähre über die Mündung des Shannon

Am späten Nachmittag, so kurz vor 17 Uhr erreichten wir unser Hotel in Tralee (irisch: Trá Lí). Tralee ist die Hauptstadt des County Kerry und hat knapp 21.000 Einwohner. Der Bahnhof von Tralee ist der am westlichsten gelegene in Europa. Bekannt wurde die Stadt für das Festival „Rose of Tralee“. Es ist ein alljährlich vergebener Titel für eine junge Irin, die dann für die Stadt Tralee und den County Kerry weltweit wirbt. Es bewerben sich junge Frauen aus ganz Irland und aus irischen Gemeinden aus der ganzen Welt. Der Titel hat nichts mit bekannten Miss-Wahlen zu tun. 1959 fand die erste Wahl statt, damals als Rahmenprogramm einer Pferderennwoche.

„Rose of Tralee“ „Rose of Tralee“ – James Last

Glücklicherweise konnten wir zwei Nächte in diesem Hotel bleiben. Nach dem Bezug der Zimmer trafen wir uns dann wieder alle im Restaurant.

Mit einem gemeinsamen Abendessen ließen wir den langen Tag ausklingen.


Unser Hotel in Tralee

Weblink: meadowlandshotel.com

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