2. Tag: Von Bastia nach Propriano

  • Reise 2018 – Auf Korsika
  • Tagesetappe über 235 Km
  • Bastia, Aleria, Bonifacio, Sartene, Propriano


Nach einer anfangs turbulenten Nacht – in unserer Nachbarkabine wurde anscheinend Fußball gespielt – machten wir uns startklar für den neuen Tag. Unser kleines Gepäck war schnell gepackt und wir konnten uns zum Frühstück begeben. Inzwischen war auch die Küste unseres Ziels – Korsika – zu sehen. Aber bis nach Bastia war es noch ein gutes Stück zu Fahren. Wohl wissend, dass uns heute ein langer Tag bevorstand, machten wir ein wirklich ausgiebiges Frühstück.

Das Auschecken von der Fähre lief zu ähnlich wie das Einchecken. Zuerst wurden alle PKW und LKW Fahrer aufgerufen, sich zu den Fahrzeugen zu begeben. Wir anderen Passagiere wurden angehalten, in dem Treppenhaus und in der “Lobby” zu warten. Da wir alle nicht wussten wie lange das dauern würde kam leichter unmut auf. Allerdings nicht bei uns.

Schließlich kamen wir dann doch an die Reihe und wir konnten, wieder durch die Ladeluke, die Fähre verlassen.

Hallo Korsika – wir sind angekommen!!   

Unser Bus stand schon bereit. Ebenso unsere Reiseleiterin Monika. Was wir für einen großen Wurf mit unserer Monika gemacht hatten, konnten wir noch nicht erahnen. Ohne vorgreifen zu wollen; Monika war eine sehr nette und kompetente Reiseleiterin. Sie ist Reisejournalistin und hat schon einige Bücher über Korsika veröffentlicht. Auch für das Fernsehen war sie schon mit Dokumentationen tätig. Inzwischen lebt sie schon seit 30 Jahren auf Korsika.

Unser aller Gepäck wurde schnell verladen und wir konnten unsere Rundreise starten.

Auschecken in Bastia On the Road Berge auf Korsika

Die Hafenstadt Bastia verließen wir recht zügig. Die Besichtigung von Bastia haben wir uns für den letzten Tag aufgehoben – da hatten wir auch mehr Zeit als an diesem Tag. Es ging also schnurstracks in Richtung Süden. Sofort begann Monika mit den ersten Informationen.

Die Ostküst Korsikas, an der wir nun entlang fuhren, hat eine kleine Besonderheit zu bieten, nämlich Flachland. Nur hier reichen die Berge nicht direkt an die Küste. Es gibt somit einen einige Kilometer breites Flachland.

In der unmittelbaren Nähe von Aleria machten wir unsere erste kleine Pause. Der Ort hat ca. 2250 Einwohner und liegt am Fluss Tavignano, der unweit von hier ins Mittelmeer mündet. In einem Café (Opus Café) konnten wir uns kurz stärken, und auch “erleichtern”. Nach einer halben Stunde ging die Fahrt wieder weiter.Wir überquerten den Tavignano und wir fuhren wieder weiter,vorbei an unzähligen weißen und rosa Oleanderbäumen.

Oleanderbäume Stop bei Aleria Pause im Café

Weiter südlich, in der Gegend von Porto-Vecchio, gab es auch viele Korkeichen zu sehen. An den Straßenrändern lagen viele abgeschälte Korkstücke. Alle 10 bis 20 Jahre kann ein Baum geschält werden.

Ansicht mit Baum Kork am Wegesrand Mehr Kork am Wegesrand

Unser erstes größere Etappenziel erreichten wir dann gegen 11:30 Uhr – Bonifacio.

Bonifacio ist eine knapp 3000 Einwohner zählende Hafenstadt an der Südspitze von Korsika. Sie gab der Meerenge (12 km) zwischen Korsika und Sardinien ihren Namen; Straße von Bonifacio. Die historische Oberstadt mit der Zitadelle liegt auf einer 900 m langen Landzunge oberhalb des Hafens. 70 m über dem Meer schmiegen sich die Häuser an die Klippen. Von der Seeseite aus kann man erkennen, das einige Häuser sich sogar über dem Wasser befinden. Später davon mehr.

Während der Fahrt nach Bonifacio hatten wir die Möglichkeit, eine fakultative Bootstour zu Buchen. Unsere ganze Reisegruppe (wir waren übrigens 21 Personen) hat sich dazu entschieden, an der Tour teilzunehmen. Deshalb machte sich Monika direkt nach der Ankunft am Hafen auf den Weg um unsere per Handy (wie ging das früher?) bestellten Tickets abzuholen. Wir mussten auch nicht lange warten bis es dann los ging. Zusammen mit einer holländischen Reisegruppe starteten wir dann unsere Bootstour. Monika wechselte sich mit der anderen Reiseleiterin am Mikrofon ab, damit jeder an Bord in der Landessprache erklärt bekommen konnte, was wir gerade sehen.

„Unser“ Boot Unsere Route

Unsere Tour führte uns zunächst entlang der Anlegestellen der Boote und Yachten. Vom Boot aus hatten wir auch einen wunderbaren Blick auf den Felsen mit der Oberstadt. Schon bald erreichten wir das “offene Meer”. Atemberaubendes blau türkis farbenes Wasser. Einfach herrlich. Wir fuhren entlang der Küste und konnten sehr schöne Eindrücke sammeln. Der Höhepunkt war natürlich die Fahrt in einer Grotten. Es war die “Grotte Marine de Sdragonato”. Hinter der Einfach öffnete sich die Grotte zu einem wahren Dom. Die Decke zeigte eine Öffnung, durch die man den Himmel sehen konnte. Ein wirklich einmaliges Erlebnis. Schon früh auf unserer Tour eines der Highlights. Nach dem Verlassen der Grotte fuhren wir der Küste entlang und besuchten die Bucht “Cala de Paraguane”.

Impressionen unserer Bootstour I

Mit etwas mehr Speed ging es dann wieder zurück, allerdings nicht in den Hafen. Wir fuhren an der Hafeneinfahrt vorbei und kamen dann an die Steilküste,auf der sich die Oberstadt von Bonifacio befindet. Vom Meer aus sahen wir auch,das es eine Treppe von oben bis fast nach unten ans gibt, die sogenannte “Treppe des Königs von Aragon”. 187 Stufen führen in einem Winkel von 45° nach unten. Wahrscheinlich wurde die Treppe von Franziskanern angelegt,um an das Wasser zu gelangen.

Nun befanden wir uns direkt an den Klippen der Oberstadt. Und wirklich, die Felsen sind teilweise vom Wasser so weit ausgespült worden, das einige Häuser inzwischen über die Wasserlinie hinaus ragen. Die Klippen haben hier eine Höhe von durchschnittlich 70 m. Von hier aus hatten wir buchstäblich Postkartenmotive vor Augen.

Impressionen unserer Bootstour II

Aber leider ging auch diese Fahrt zu Ende. Es wäre wirklich ein Versäumnis gewesen, diese fakultative Fahrt nicht mitzumachen. Wir fuhren also wieder zurück in den Hafen von Bonifacio.

Nun hatten wir etwas Freizeit. Wer wollte konnte was Essen gehen. Wir haben uns mit einem kühlen Getränk und einem Muffin begnügt. In einem der vielen Souvenirläden konnten wir am ersten Tag schon unsere obligatorische Flagge kaufen; nei, nicht die französische Flagge, sondern die Flagge der Insel Korsika.

Reise2018_Korsika_FlagDie Flagge zeigt auf weißem Grund einen schwarzen Mohrenkopf. Diese Flagge wurde um 1760 von Pasquale di Paoli entworfen. Der Mohr trägt ein weißes Stirnband, das Anfangs noch die Augen bedeckte. Pauli änderte das Wappen später um, sodass die Augen frei wurden “Die Korsen sollen frei sehen…..”. Von 1755 bis 169 war Korsika eine Republik und benutzte eben diese Flagge.  Von den Franzosen wurde die Flagge später verboten. Ab 1980 wird die Flagge wieder offiziell benutzt. Sogar auf den Nummernschildern der PKW und LKW ist diese zu finden.

 Am Hafen von Bonifacio

Nach der Pause trafen wir uns wieder alle bei Monika. Wir wollten mit der Touristenbahn nach oben in die Oberstadt fahren. Inzwischen hat sich ein kleines Naturphänomen ereignet, das selbst Monika in den 30 Jahren noch nicht gesehen hatte. Woher auch immer flogen plötzlich aber tausenden von Heuschrecken umher. Alles war voll mit Insekten. Keiner konnte sich erklären, wo die auf einmal herkamen, und warum. Nahrung gab es hier keine. Dennoch fuhren wir dann pünktlich mit der Bimmelbahn los.

Die Lokomotive unserer Bimmelbahn

Immer weiter nach oben zog sich die Straße Serpentinen artig nach oben. Nach einigem Rattern und Knattern kamen wir dann oben an. Die Fahrt war sehr schön, insbesondere der Ausblick auf den Hafen.

Sofort nach dem Aussteigen begannen wir mit dem Rundgang durch die historische Zitadelle von Bonifacio. Anfangs waren die Gassen noch recht breit, das sollte sich aber bald ändern. An jeder Ecke wurden wir von Monika über die Geschichte und Besonderheiten der Stadt informiert. In den Gassen gab es natürlich unmengen an Geschäften,Cafe´s und Restaurants. Der Kirche “Église sainte-Marie-Majeure” statteten wir einen Besuch ab. Hier zeigte sich sehr gut die Enge der Gassen. Die Stützstreben der Kirche sind über eine Gasse hinweg in den Nachbarhäusern integriert.

Als Abschluss unseres Rundganges besuchten wir eine Terrasse direkt auf den oben beschriebenen Klippen. Hier konnten wir einen schönen Ausblick über das Meer genießen; noch vor einer Stunde fuhren wir hier mit unserem Boot.

Aber irgendwann ist mal auch Schluß. Pünktlich trafen wir uns wieder alle an der Haltestelle der Touri-Bahn um wieder zurück zum Hafen zu fahren. Dort angekommen konnten wir dann sofort unseren Bus zur Weiterfahrt besteigen. Bonifacio war einmalig. Egal ob Bootstour oder Zitadelle. Wir waren glücklich, hier gewesen zu sein.

Nach dem Verlassen von Bonifacio machten wir erstmal ”Kilometer”. Was auf der Westseite Korsika nicht so einfach ist. Viele Windungen und Wendungen musste unser Fahrer meistern, trotz Gegenverkehr der uns zu so mancher Schleichfahrt zwang.  

Trotzdem ließ der erste Fotostopp nicht lange auf sich warten. Am “point de vue: lion de roccapina”, Aussichtspunkt des “Löwen von Roccapiana” machten wir kurz Halt. Über ein Tal hinweg sahen wir auf einen Berg, dessen Felsen die Form eines liegenden Löwen nachgebildeten. Nur am Rande erwähnt; in meinem Heimatdorf Waldsee steht ein Denkmal das den gefallenen Soldaten des ersten Weltkrieges gewidmet ist; das sieht dem “Löwen von Roccapiana” sehr ähnlich.

Der Löwe von Roccapiana

Unseren nächsten längeren Halt machten wir dann in der Gemeinde Sarténe. Die Gemeinde hat zwar “nur” etwas mehr als 3300 Einwohner, ist aber mit 200 km² die flächenmäßig größte Gemeinde der Insel. Am Place Porta verließen wir unseren Bus und wir begannen unseren Spaziergang durch die Gassen. Natürlich gab es auch hier ein Denkmal für Pasquale Paoli.

Zum Abschluss unseres Rundgangs besuchten wir noch die Kirche “Église Santa Maria Assunta”. Am Karfreitag findet hier ein besonderes Schauspiel statt. Hierbei handelt es sich um die Prozession des “Catenacciu”, des “Geketteten”. Der Weg führt von der Kirche zur Kapelle Saint-Sébastian. Der in rot gekleidete “Büßer” trägt dabei ein schweres Holzkreuz auf dem Rücken und eine ebenfalls schwere Eisenkette an den Füßen. Der “kleine Büßer”, in seinem weißen Gewand, hilft ihm dabei. Wer die Büßer sind ist nur dem Pfarrer bekannt.

Das Besondere an dem Ritual ist die Tatsache, das der Sünder nicht “gespielt” wird. Es handelt sich um eine echte Buße, die sich “jemand” hierbei auferlegt hat. Beeindruckend.

Impressionen aus Sarténe

Nach dem Besuch der Kirche ging die Fahrt am späten Nachmittag weiter. Schon bald erreichten wir unser Etappenziel und Übernachtungsort – Propriano.

Der Badeort im Westen der Insel hat 3800 Einwohner. Von hier aus gehen ganzjährig Fähren nach dem italienischen und französischen Festland.

Nach der Ankunft im Hotel konnten wir rasch unsere Zimmer beziehen. Schock!!!! Nach dem Öffnen der Zimmertür schlug uns eine Hitze und eine Luftfeuchtigkeit wie in einer Saune entgegen. Ok dachten wir,die Klimaanlage ist ausgeschaltet. Pustekuchen. Unser Zimmer hatte keine Klimaanlage. Da haben wir ja das große Los gezogen. Wir machten erstmal Durchzug um wenigstens frische, wenn auch warme Luft,ins Zimmer zu lassen. Nicht lange und wir trafen uns wieder am Bus. Da unser Hotel kein eigenes Restaurant hatte, gingen wir quasi auswärts zum Essen. Und was mussten wir im Bus erfahren? Es gab im ganzen Hotel keine Klimaanlage. Das machte zwar die Situation für uns nicht besser, aber wir schwitzten wenigstens im Kollektiv.

Da wir nur wenige Kilometer zum Restaurant fahren musste, waren wir schnell dort und wir konnten auf der Terrasse den ersten Abend auf Korsika genießen. Das Abendessen, ein drei Gänge Menü war sehr gut. Auch die Getränke, bzw. DAS Getränk war lecker. Wie immer bestellten wir ein einheimisches Bier. Uns wurde das korsische Bier der Brauerei “Pietra” empfohlen. Das hatten wir bestellt und dies wurde auf der ganzen Tour nicht mehr geändert. Das Besondere am Pietra ist die Tatsache, das dem Bier Kastanienmehl beigemischt wird. Kastanien gibt es ja auf Korsika in Hülle und Fülle und findet fast überall in der Küche seine Anwendungen, meist wie beschreiben als Mehl.

Der Abend neigte sich dem Ende entgegen. Wir fuhren zu später Stunde zurück ins Hotel und wir konnten den ersten Tag mit vielen Eindrücken beenden.

Das war unser 2.Tag der Reise.


Unser Hotel in Propriano

Weblink: http://www.rocemare.com/fr/