7. Tag: Auf den Hebriden

  • Reise 2019 – In Schottland
  • Tagesetappe über 245 Km
  • Isle of Lewis, Isle of Harris, Tarbert, St. Clemens Church, Callanish, Gearrannan Black Houses 


Wettermäßig begann der Tag nicht gerade sehr verheißungsvoll. Dies änderte sich allerdings im Laufe des Tages. Das Gute war erst mal, das wir auch heute keine Koffer verladen mussten, wir blieben ja diese Nacht nochmals in Stornoway.

Seit gestern befinden wir uns ja auf den Hebriden, genauer gesagt aus den Äußeren Hebriden.

Die Inselgruppe der Hebriden (schottisch-gälisch: na h-Innse Gall, altnordisch Suðreyjar) befindet sich rund 50 km vor der Nordwestküste Schottlands. Diese ist politisch und geographisch unterteilt in die Äußeren Hebriden (auch bekannt als Western Isles) und die Inneren Hebriden. Getrennt wird die Inselgruppe durch den Little Minch,den North Minch und die Barra Passage.

Die Äußeren Hebriden, auf denen wir uns befanden, haben ihren Namen aus dem schottisch-gälishen Wort Na h-Eileanan Siar für “Die westlichen Inseln”. Die Inselkette erstreckt sich über 208 km. Die Hauptstadt ist Stornaway, in der wir ja gestern und heute übernachten.

Wir starteten also unseren Tag mit etwas getrübten Wetter, aber da dies für die Gegend wo wir uns befanden geradezu normal ist, hatten wir uns schnelle damit abgefunden. Wir fuhren also los in Richtung Süden. Immer der Küste entlang. 

Wir befanden uns auf der Insel Lewis, englisch Isle of Lewis genannt (schottisch-gälisch: Leòdhas bzw. Eilean Leòdhais, An t-Eilean Fada, dt. „die lange Insel“). Sie ist der nördliche Teil der Insel Lewis and Harris.

Lewis und Harris ist eigentlich nur eine Insel, allerdings haben die Bewohner die beiden Teile, die durch eine unwegsame Gebirgslandschaft getrennt sind, mit zwei Namen bedacht.

Wie erwähnt fuhren wir also nach Süden. So weit wir sehen konnten, war die Küstenlandschaft sehr schön anzusehen. Wir kamen vorbei am Loch Eireasort, der keine Binnensee ist, sondern eigentlich einem norwegischen Fjord gleicht. Ein paar Kilometer weiter machten wir dann einen Fotostopp am Loch Shiphoirt. Der Loch Shiphoirt geht hier in den Loch Seaforth über. Sehr schöner Fotostopp mit dem See im Vordergrund und der Bergkette dahinter.

Einen etwas längeren Halt machten wir dann an der Grenze zwischen der Isle of Lewis und Harris. Genauer gesagt im Ort Talbert. 

Tarbert (schottisch-gälisch Tairbeart na Hearadh, „Landenge von Harris“) ist die Hauptgemeinde auf Harris. Von hier geht die Autofähre nach Uig on Sky, doch davon morgen mehr, denn diese Fähre werden wir benutzen.  

Auf dem Parkplatz des Fährterminal parkten wir unseren Bus. Von hier aus konnten wir dann los marschieren. Direkt am Parkplatz konnten wir die Isle of Harris Distillery besuchen. Es handelt sich um eine sehr junge Distillery, denn sie wurde erst im Jahre 2015 eröffnet. Im Verkaufsraum konnten wir dann das Angebot besichtigen,und wer wollte sich natürlich mit der einen oder anderen Flasche eindecken. Die Brennerei begann mit einem Stamm von 10 Mitarbeitern.Heute arbeiten hier 40 Menschen.

Es gab aber auch noch andere Läden, die eine weitere schottische Besonderheit zu bieten hatten. Bekleidung aus Tweed. Es handelt sich hierbei um ein spezielles Textilgewebe. Der Name stammt vom schottischen Wort tweel ab, das gleichbedeutend ist mit dem englischen Begriff twill. Im deutschen heißt dies Köperbindung,es sagt was über die Webart des Stoffes aus. Es gibt allerdings nicht nur die bekannten Jacken aus Tweed. Auch Hüte, Mützen und Taschen werden aus diesem Stoff gefertigt.

Nach dieser Pause ging es dann weiter auf der Isle of Harris. Wir fuhren in westlicher Richtung an die Küste. Doch schon bald konnten wir wieder einen Fotostopp einlegen. Wir hielten oberhalb des Loch Fincastle und konnten von dort einen Blick über den ersten von drei Sandstränden auf unserer Tour werfen. Die Bucht trägt den Namen fadhail losgaintir. An den beiden anderen Stränden machten wir dann auch noch einen schnellen Fotostopp.

Danach fuhren wir weiter bis zur Südspitze der Isle of Harris. Wir erreichten den Ort Rodel (schottisch-gälisch Roghadal).

Hier besichtigten wir die die uralte Kirche St.Clement´s Church aus dem 13. Jahrhundert auch Tur Chliamainn genannt. Hier befindet sich das exquisite Grab des Gründers der Kirche, Alexander Macleod von Harris und Dunvegan. Wir konnten das Innere der Kirche ausgiebig besichtigen. Und auch den Turm der Kirche konnten wir schmale, sehr schmale,Treppen besteigen. Die Kirche wurde mehrmals als Ruine beschrieben, aber auch immer mal wieder restauriert, zuletzt im Jahre 1913.

Nach diesem Besuch in der Kirche setzten wir unsere Fahrt fort. Eigentlich wäre eine Rundfahrt auf der Insel möglich gewesen, leider aber nicht für unseren Bus. Wir waren einfach für die weiterführende Straße zu groß. Somit fuhren wir wieder auf der gleichen Route zurück, auf der wir hergekommen waren.

Einen kleinen Abstecher machten wir beim Örtchen Leverburgh (schottisch-gälisch: An t-Òb oder An Tòb), genauer gesagt am Hafen. Hier konnten wir dann auch die eine oder andere wichtige “Örtlichkeit” aufsuchen, was bei der KIrche nicht möglich war. Nach Tarbert ist Leverburgh die zweitgrößte Gemeinde auf Harris. Der englische Geschäftsmann William Lever kaufte Ende 1919 das Anwesen South Harris, und er eignete sich auch das Fischerdorf Obbe, das soviel heißt wie Bucht, an. Ihm gefiel die Lage an der Bucht,um hier ein Fischereizentrum zu errichten. Im Jahre wurde der Ort mit Zustimmung der Bevölkerung in Leverburgh umbenannt. Eine Fähre verbindet Leverburgh mit Berneray auf der Insel North Uist.

Nachdem dann so manches kleinere und größere Geschäft erledigt war.setzten wir unsere Fahrt fort. Wir fuhren also wieder ein gutes Stück zurück, vorbei an Tarbert bis zu einer Straßenkreuzung bei Leurbost. Hier verließen wir die schon bekannte Straße und wir bogen ab in Richtung Westen. Am Loch na Gainmhich machten wir wieder einen kurzen Fotostopp.

Wieder einen längeren Halt machten wir an den stehenden Steinen von Callanish. Callanish (gäl. Calanais, beides aus Altnordisch Kalas ness, so viel wie Kalas Halbinsel/Landvorsprung). Es sind die größten heute bekannten Steinformation auf dem britischen Inseln. Die Menhire sind bis zu 4,75 m hoch und waren bis zu 1,mm hoch mit Torf bedeckt. Im Jahre 1857 fanden die ersten Ausgrabungen statt. Auch heute ist der Zweck dieses Steinkreises nicht mit Sicherheit geklärt, doch ist man allgemein der Ansicht, es handelt sich um frühe astronomische Hilfsmittel.

 

Ähnlich wie beim Steinkreis auf den Orkneys, konnten wir bei einem Rundgang die Formation besuchen. Man kann sich mit unseren heutigen Möglichkeiten im Kopf nicht vorstellen, wie die Erbauer dieses Steinkreises geschafft haben, die Steine mit einfachsten Werkzeugen zu Bearbeiten, und dann auch noch hierher zu transportieren. Selbst das Aufstellen der tonnenschweren Steine war bestimmt nicht ganz einfach.

Nach dem Rundgang konnten wir im Besucherzentrum im dortigen Cafe´ eine kleine Pause einlegen. Bis zur Weiterfahrt vertrieben wir uns dann die Zeit noch im dazu gehörenden Geschäft.


Die stehenden Steinen von Callanish

Unser nächster Halt lies dann auch nicht lange auf sich warten. Wir besuchten das “Gearrannan Blackhouse Village”. Es handelt sich hierbei um ein Freilichtmuseum mit neun sogenannten “Black Houses” bei der Ortschaft Carloway. Das Blackhouse (schottisch-gälisch t (a) igh-dubh  – irisch teach dubh – deutsch „Schwarzhaus“) ist eine Bezeichnung für einen traditionellen Haustyp der Hebriden. Diese Häuser waren bis in die Nachkriegszeit bewohnt. Es sind typische Häuser der Landpächter. Im Jahre 1974 verließ der letzte Bewohner eines der Blackhouses. Ab dem Jahre 1989 begann man damit, die Häuser zu restaurieren. Zehn Jahre später wurde das Dorf wieder eröffnet. Ein Blackhouse dient als Besucherzentrum mit Cafe´und Geschäft. Ein anderes Haus wiederum ist zu Anschauungszwecken so eingerichtet, wie die Menschen damals lebten. Einige Häuser wurden auch als Ferienwohnung ausgebaut.

Unsere Reisegruppe war angemeldet und wir konnten einen geführten Rundgang unternehmen. In dem restaurierten, und nach alter Sitte eingerichteten Haus wurde uns alles über diese Siedlung und den Häusern erklärt. Nebenan konnten wir dann sogar einem Weber dabei zusehen, wie er den typischen Tweed am Webstuhl webte. Danach konnten wir uns bei einem Rundgang alles in Ruhe ansehen.

Aber auch von hier hieß es dann wieder Abschied nehmen. Wir konnten unsere Fahrt pünktlich fortsetzen. Diesmal war eine Inselrundfahrt möglich. Wir mussten also nicht bis zur Hauptroute zurück fahren. Schon bald machten wir aber wieder einen Fotostopp, diesmal am Loch Raoinebhat.

Von hier aus fuhren wir ohne jede Unterbrechung wieder nach Stornoway zu unserem Hotel. Es war wieder mal ein anstrengender,jedoch auch sehr schöner Tag mit vielen neuen Informationen und Impressionen. Nach anfänglich etwas trüben Wetter hatten wir ab der Mittagszeit schönstes Reisewetter. Was will man mehr.

Nach der Ankunft am Hotel konnten wir uns dann gemütlich aus das Abendessen vorbereiten. Mit gutem Essen und dem einen oder anderen Bier ließen wir den Tag ausklingen.

Das war unser 5.Tag der Reise.