2. Tag: Von Phoenix nach Tucson

  • Tagesetappe über 186 km
  • Bundesstaaten: Arizona
  • Örtlichkeiten: Tucson, Flugzeugfriedhof, San Xavier del Bac
  • Reiseroute auf Google Maps

Heute beginnt die erste volle Tagesetappe mit der Fahrt ins südlich von Phoenix gelegene Tucson. Doch der Reihe nach. Nachdem ich um 5 Uhr morgens aufgestanden war, ging ich dann zum Frühstücken ins Hotelrestaurant. Mittlerweile hat es auch aufgehört zu Regnen. Eine Abkühlung durch den Regen in der Nacht hat es nicht gegeben, aber die Luft war dadurch klar und sauber.

Um 8 Uhr trafen wir uns dann zum ersten male am Bus. Überraschender Weise bestand unserer Reisegruppe nur aus 16 Personen. Da wir aber einen großen Bus mit über 40 Sitzplätzen hatten, konnte sich jeder nach Herzenslust ausbreiten. Wir alle waren auch dafür, auf das Rotationssystem zu verzichten. Wer Bilder oder Filme aus dem fahrenden Bus machen wollte, hatte ja die Möglichkeit, auf einen der vielen freien Plätzen zu sitzen.

Gleich zu Beginn machten wir eine Rundfahrt durch Scottsdale und durch die Innenstadt von Phoenix. Scottsdale wurde eigentlich als eine Baumwollplantage gegründet, von denen man heute in der Gegend allerdings nicht mehr viel sieht. Orangenbaumplantagen allerdings sind nicht selten anzutreffen. Auffällig ist, daß alle Stämme der Orangenbäume weiß angestrichen sind. Dies kommt daher, weil man wegen der Pflege die senkrecht nach unten hängende Palmblätter abschneidet, die normalerweise als Sonnenschutz dienen.

Wir fuhren im Rahmen der Stadtrundfahrt ein Stück auf den mitten in der Stadt gelegenen Camel-Rock (dt. Kamelfelsen). Der Namen rührt von der Form des Bergrückens, der Aussieht wie ein Kamelbuckel. Hier baut die „bessere Gesellschaft“ aus Phoenix ihre Häuser und Bungalows hin. Von hier hat man nämlich einen sehr schönen Blick über das Valley of Sun (dt. Tal der Sonne), in dem die Hauptstadt Arizonas liegt. Der Aussichtspunkt heißt dem entsprechend auch Wonderview (dt. Wunderblick).

Bei unserer Weiterfahrt überquerten wir auch viele der Wasserkanäle, die schon zu Indianerzeiten angelegt wurden. Hier wird es langsam Zeit zu erklären, woher eigentlich die Stadt den Namen Phoenix hat. Grund dafür sind mehrere hundert Jahre alte Indianersiedlungen, auf denen man im letzten Jahrhundert begann eine neue Stadt zu errichten, die noch schöner und größer sein sollte als die Stadt, die vor langer Zeit von den Indianern verlassen wurde. Bei der Namengebung dachte man also an den Vogel Phoenix, der aus seiner eigenen Asche stieg.

Man hat natürlich den Vogel zum Wappentier der Stadt Phoenix ausgewählt. Überall in der Stadt oder der Umgebung stößt man auf den Vogel.

Von den alten Wasserkanälen der Indianer werden übrigens heute noch – zu den neu angelegten – 300 Meilen ( =480km) genutzt. Bei unserer Rundfahrt waren viele der Kanäle wegen der Monsun-Regenfällen bis zum Rand voll. Der natürliche Wasserlauf durch die Stadt ist der Salt-River (dt. Salzfluss). Um die Stadt herum befinden sich 10 Stauseen, die ein Trinkwasser Reservoire der Stadt darstellen.
Wir kamen nur durch ein Gebiet mit dem Namen Arizona-Biltmore in der auch eine riesen Villa steht, die einem gewissen Hr. Wrigley gehört (Kaugummi).

Zum Schluss unseres ersten Besuches in Phoenix machten wir einen Besuch beim Arizona State Capitol. Hierbei handelt es sich um das Regierungsviertel des Staates Arizona und des Landkreises Maricoba. Wir besichtigten dabei das Regierungsgebäude, das aber nur zu Repräsentationszwecken dient. Die eigentlichen Amtsstuben befinden sich in den angrenzenden Gebäude rund um einen großen Platz.

Das Land südlich von Phoenix bis zur heutigen mexikanischen Grenze wurde von Mexico abgekauft, so daß Städte wie zum Beispiel Tucson amerikanisch wurden. Bei der Fahrt über die Interstate 10 nach Tucson sahen wir die Berge und den Gipfel des Picacho-Peak. Hier fand in den Jahre 1861 bis 1864 die westlichste Schlacht während des amerikanischen Bürgerkrieges statt. Schlacht ist vielleicht etwas übertrieben, es war wohl eine Schießerei von ein paar versprengten Soldaten.

Noch ein bisschen Geschichte. Arizona und New Mexico waren ein Territorium. Nach dem Arizona auf Selbständigkeit drängte, sollte die Staatsgrenze zu New Mexico von West nach Ost verlaufen. Die beiden Staaten wären dann übereinander gewesen. Der amerikanische Senat entschied sich aber für ein Grenzverlauf von Nord nach Süd. Die Staatsgrenze wurde praktisch mit dem Lineal auf der Landkarte gezogen.

Tucson ist die zweitgrößte Stadt Arizonas mit 675000 Einwohnern und liegt auf einer Meereshöhe von 732m. Sie ist Sitz einer der 3 Universitäten des Staates. In früheren Jahren lebten hier die Hopocamp Indianer, die aber schon vor der Besiedelung der Gegend durch den weißen Mann (Spanier) das Land aufgaben. Warum weiß man bis heute noch nicht so recht. Tucson wird von 2 Seiten von Bergketten flankiert. Das Tal, in dem die Stadt liegt, war früher ein See. Die Spanier hörten das Wort Tucson erstmals von den Pima-Indianern, die in einem Dorf namens Stukson lebten, was „am Fuß des dunklen Berges“ bedeutet. Der dunkle Berg ist der heutige Sentinal Peak (dt. Wächter-Spitze). Als die spanischen Soldaten 1776 zurückkehrten, um eine Garnison anzulegen, benutzten sie diesen Namen für ihr Fort, dem „Presidio San Augustin del Tucson“. Stadtrechte erhielt Tucson im Jahre 1864.

Als erstes besuchten wir im Rahmen einer Rundfahrt einen Aussichtspunkt auf dem A-Mountain (dt. A-Berg). Bis zu meinem Besuch dort konnte ich mit dieser Bezeichnung nichts anfangen, auch in den Reiseführern war nichts über diesen Berg zu finden. Die Lösung ist ganz banal. Das mehrere Meter hohe „A“ auf dem Hügel über Stadt symbolisiert die College Mannschaft im Football der Arizona State University, den Tucson Wildcats. Die Universität wurde 1891 mit nur 32 Studenten und 6 Lehrkörpern gegründet.

Von diesm Berg aus hatten wir einen guten Ausblick über die Stadt. Das man hier kein Platzproblem wegen weniger Grundstücke hat, konnte man sehr gut erkennen. Nur das Stadtzentrum mit Banken und Geschäftshochhäuser ragte mehrere Stockwerke hoch heraus. Der Rest der Stadt ist relativ flach. Man kann sich dann vorstellen, bei 675000 Einwohnern, wie groß das Stadtgebiet in Quadratkilometern ist.

Als erstes Bauwerk in der Stadt besichtigten wir die Missionskirche mit dem Namen „St. Augustine Cathedral“, die im Jahre 1896 gegründet wurde. Von hier aus machten wir dann einen Spaziergang durch die Straßen von Tucson. Mittagspause hielten wir dann in einem Geschäftsviertel, dessen Innenhof einige Restaurants beherbergte.

Nach der Mittagspause fuhren wir dann mit dem Bus weiter zur nächsten Kirche, der Mission „San Xavier del Bac“. Genannt „Die weiße Wüstentaube“. Die Mission wurde 1700 gegründet. Der Namen setzt sich zusammen aus dem Namen des „Hl. Xaver“ und aus „Bac“, ein Dorf der Tohono O´odham. „Bac“ bedeutet „wo das Wasser entspringt“. Die Kirche stammt aus dem Jahre 1797. Neben der Kirche befindet sich ein kleiner Hügel, von dem aus man einen schönen Blick auf die Kirche hat. Auch eine kleine Mariengrotte befindet sich auf dem Hügel. Eine bauliche Besonderheit der Kirche ist ihre Unvollständigkeit. Es fehlt die Kuppel des zweiten Glockenturms. Man weiß zwar nicht warum, aber es gibt zwei Theorien. Als erstes kann damit gemeint sein, dass auch das Evangelium unvollendet ist. Als zweites (ich denke auch wahrscheinlich) könnte es so gewesen sein, dass den Bauherren das Geld ausging.

Im Hintergrund der Kirche erheben sich die Santa Catarina Berge. Wir befanden uns in der Sonora-Wüste, die im allgemeinen als die grünste Wüste der Welt bezeichnet wird. Dies kommt daher, weil es hier zwei Regenperioden im Jahr gibt. Auch hier windet sich ein ausgetrocknetes Flußbett durch das Tal. Ausgetrocknet deshalb, weil nördlich von Tucson der Fluß gestaut wird.

Pünktlich um 14 Uhr zogen dann wieder Regenwolken auf, die sich aber noch was Regen anbetrifft zurück hielten. Auf dem Weg zurück in die Stadt fuhren wir am Flughafenfriedhof vorbei. Mehrere tausend Flugzeuge, teilweise schon ausgeschlachtet stehen hier in Reih und Glied, schön sauber nach Typen sortiert. Früher gab es noch einen zweiten Flugzeugfriedhof bei Phoenix, doch man hat dann diesen geschlossen und alles nach Tucson geschafft. Separat auf mehreren Schrotthaufen lagen die Reste von Flugzeugen. Tragflächen, Rümpfe, Propeller, Zusatztanks oder Fahrwerke; alles was ein Flugzeug braucht kann man hier finden.
Das Klima hier im Süden von Arizona sorgt dafür, dass die Teile nicht so schnell verrosten. Nach dieser Schrottplatzbesichtigung der anderen Art fuhren wir dann ins Hotel zum Einchecken. Es war eines der schönsten Hotels auf der ganzen Rundreise. Alle Zimmer hatten eine kleine Veranda zum Innenhof. Dort gab es einen Pool und ein paar Seen mit Palmen und mit Zierfischen. Außerdem sprudelten Wasserfontainen aus den Seen. Die Stämme der Palmen waren mit Lichtbändern umwickelt. Ein wirklich gemütlicher Platz zum Urlaub machen. Als Begrüßungsgeschenk gab es vom Hotel Gutscheine für 4 Drinks an der hoteleigenen Bar.

Zum Abendessen war ich in der Nachbarschaft im Restaurant „Hungry Hunter“.

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