4. Tag: Von Tucson nach Las Cruces

  • Tagesetappe über 541 km
  • Bundesstaaten: Arizona, New Mexico
  • Örtlichkeiten: Tombstone, Bisbee, Las Cruces
  • Reiseroute auf Google Maps

Heute geht die Fahrt in Richtung Osten weiter, und zwar ins ca. 325 km Las Cruces im Bundesstaat New Mexico. Unsere Route führt nicht direkt über den Highway, sondern wir machen einen „Umweg“ über Tombstone und Bisbee. Nachdem wir um 8 Uhr am Hotel abgefahren waren, wurde nun endgültig beschlossen auf das Rotationsverfahren im Bus zu verzichten. Wir fuhren heute morgen nochmals am Flugzeugfriedhof vorbei. Auch am „Pimar Air and Space Museum“ machten wir einen Fotostopp. Hier ist der Düsenjet ausgestellt, mit dem der Ex-Präsident John F. Kennedy Mitte der Fünfziger Jahre flog. Weiter ging es nun durch „Cochise-County“ und durch die Stadt Benson.

Hier ein paar Zahlen über die Verteilung und Aufgliederung von New Mexico. 47% des Landes sind noch im Besitz des Staates. 12% sind in Privatbesitz und der Rest von 41% sind Reservate und im Bundesbesitz. New Mexico wurde im Januar 1912 Mitglied der Vereinigten Staaten. Im Staat leben nur 1,5 Mio. Einwohner. Ungefähr 49% davon sind von mexikanischer Abstammung. Im Jahre 1990 betrug die Einwohnerdichte ungefähr 5 Einwohner pro km². Im südlichen Teil wird zumeist Viehzucht betrieben, im Norden hingegen Landwirtschaft.

Unsere erste Anlaufstation ist nun erreicht. Die ultimative Westernstadt Tombstone.

Die Ansiedlung im County Cochise wurde von Ed Schieffelin, einem Goldgräber, 1877 gegründet und erhielt 1881 Stadtrecht. Tombstone ist ein beliebter Erholungsort und Anziehungspunkt für den Tourismus. Zu den Sehenswürdigkeiten gehören der Friedhof Boot Hill mit den Gräbern zahlreicher Verbrecher und das O.K. Corral, 1881 Schauplatz eines berühmten Revolvergefechts, in dem vor allem die Clantonbande und die Earp Brothers gegeneinander kämpften. Im Tombstone Courthouse Historic Park befindet sich eine Gedenkstätte und ein Museum. Während der achtziger Jahre des 19. Jahrhunderts wurden in Tombstone große Mengen an Gold und Silber abgebaut. Der Rückgang der Fördermenge nach 1890 ist zum Teil auf eine Überflutung der Bergwerke zurückzuführen. In ihrer Blütezeit hatte die Gemeinde rund 10 000 Einwohner. Die Einwohnerzahl beträgt etwa 1 200.

Sie entstand eigentlich als Silberminensiedlung. Der eigentümliche Name (dt. „Grabstein“) wurde vom Gründer der Silbermine kreiert. Er war ein Soldat und als er Freunden gesagt hatte, was er in der einsamen Gegend vor hatte, sagten sie zu ihm „Hier wirst du nichts anderes finden als deinen Grabstein, unter dem du begraben sein wirst.“ Er belehrte diesen Freunden allerdings eines Besseren –Er fand Silber. Auf seinem echten Grabstein „rächte“ er sich dann mit einer entsprechenden Inschrift. Der Höhepunkt und die Blütezeit von Tombstone war etwa gegen 1880.

Gegen 10 Uhr erreichten wir dann Tombstone. Unsere erste Anlaufstelle ist der „Boothill“ (dt. Hügel der Stiefel). Hierbei handelt es sich um den alten historischen Friedhof der Stadt. Der Friedhof nennt sich „Graveyard“.

Hier liegen viele, die durch Schießereien, Indianerüberfälle oder durch Vollstreckung der Todesstrafe ums Leben kamen. Die Bekanntesten darunter sind die drei Cowboys, die bei der Schießerei beim O.K. Korral erschossen wurden. Besonders tragisch jedoch ist der Fall des einen Mannes, der wegen Mordes zum Tode verurteilt und noch am gleichen Tag hingerichtet wurde. Leider stellte sich dies als Irrtum heraus, was ihm aber nichts mehr nützte. Es liegen hier auch Männer, die durch den aufgebrachten Mob aus dem Gefängnis befreit und am nächsten Baum aufgeknüpft wurden. Raue Zeiten in einem rauen Land.

Nach „Boothill“ ging es dann in die „Innenstadt“ von Tombstone. Leider muss man sagen, dass die modernen Zeiten hier das Ortsbild erheblich verschlechtern. Die asphaltierten Straßen und die Autos vor den Häusern stören gewaltig. Dies bezüglich sind aber schon Planungen im Gange, um eine Umgehungsstraße zu bauen. Auch die Asphaltdecke soll herausgerissen werden. Nach zweimaligen auf- und ablaufen der Fremont Street kam dann ein Reisekumpel auf die Idee, dass man in einer solchen Westernstadt eigentlich im Saloon einen Whisky trinken müsste. Gesagt, getan. In dem Saloon, der noch fast im Originalzustand ist, tranken wir dann unseren Whisky an der Bar. Natürlich fehlten auch kein Barkeeper und keine Bardamen. Diese waren sogar in Originalkostüme gekleidet. Nach dem erfrischenden Schluck Whisky ging ich dann weiter zum berühmtesten Punkt der Stadt, dem „OK Korral“. Der Korral ist die Pferdekoppel, die am Mietstall der Straße angrenzt. Hier fand die unten beschriebene Schießerei statt, die die Stadt als auch die Beteiligten unsterblich in der Geschichte des Wilden Westens werden ließ.

Zum Schluss meines Rundganges besuchte ich noch in aller Eile das alte Gerichtsgebäude. Im Innenhof des Gerichts steht immer noch der Galgen.

Die Schießerei im OK Coral

Am Nachmittag des 26. Oktober 1881 krachten und knallten bei Montgomery´s O.K. Korral während 28 Sekunden Revolver und Gewehre, hörten abrupt wieder auf und drei Männer waren Tot . Zwei weitere Männer waren schwer verletzt.

Diese jetzt berühmte Schiesserei dauerte weniger als eine halbe Minute, doch die Kontroverse dauert über ein Jahrhundert und die Namen der Schützen sind Folklore, Legende und Geschichte des Wilden Westens.

Der Kampf begann, als die drei Earps ( Wyatt, Morgan und Virgil) und ihr Freund „Doc“ Holliday (eigentlich John Henry Holliday) sich auf der Fremont Street in Tombstone (dt. Grabstein) trafen und dann zum O.K. Korral hinunter schlenderten, ihrem Schicksal entgegen. Zur blutrünstigen Geschichte von Tombstones.

An der Ecke Forth Street / Fremont Street angekommen, sahen sie die Cowboys. Als sie einige Schritte auf sie zu gingen, eilte ihnen Sheriff Behan entgegen und sagte zu Virgil, der sich an der Spitze befand:

„Ich habe diese Männer entwaffnet, wir wollen keinen Ärger!“. Dann trat er vor Fly´s Türe, um sich nötigenfalls in Sicherheit zu bringen.

„Hast du sie verhaftet, Behan?“ fragte Virgil. „Ich hatte keinen Grund, sie zu verhaften.“ antwortete Behan. „Geh mir aus dem Weg!“ knurrte Virgil und stieß den Sheriff beiseite. Die Earps und Holliday gingen weiter auf die Cowboys zu. Drei Meter vor ihnen blieben sie stehen.

Die Todfeinde starrten einander an.

„Ihr Männer seid auf einen Kampf aus gewesen. Den könnt ihr jetzt haben !“ brüllte Wyatt. „Schiesst nicht auf mich, ich will nicht kämpfen!“ schrie Billy Clanton. „Ihr Männer seid verhaftet ! Hände hoch !“ befahl Virgil Earp.

„So habe ich es nicht gemeint!“ brüllte er, als Frank McLaury und Billy Clanton nach ihren Revolvern Griffen. Kaum hatte Virgil diese Worte gesagt, als zwei Revolver losgingen. Man vermutet, dass diese Schüsse von Wyatt Earp und Billy Clanton stammten. Earp schoss auf Frank McLaury und Billy Clanton schoss auf Earp. Clantons Schuss ging daneben, Wyatt´s Schuss traf McLaury in den Magen.

„Doc“ Hollidays erster Schuss traf Billy Clanton in die Brust. Billy strauchelte und fiel nach hinten gegen die Mauer des Korrals. Er rappelte sich jedoch wieder auf die Knie und kämpfte weiter. Tom McLaury duckte sich hinter das Pferd seines Bruders, offensichtlich um das Gewehr vom Sattel zu greifen. „Doc“ Hollydays Schrottflinte krachte, und zwei Ladungen Schrot rissen ihn hoch, warfen ihn zurück und verursachten eine grässliche Wunde zwischen der dritten und der fünften Rippe.

Ike Clanton, der die ganze angefangen hatte, griff nicht nach seiner Waffe, sondern rannte auf Wyatt zu und zerrte ihn am Ärmel. Merkwürdiger weise erschoß Wyatt ihn nicht sondern er stieß ihn weg und sagte „Der Kampf hat angefangen! Kämpfe oder verschwinde. Ike machte das er weg kam und rannte durch Fly´s Veranda, wo Sheriff Behan schon Zuflucht gefunden hatte. Holliday schickte dem Fliehenden zwei Schüsse nach.

Bill Clanton auf einem Knie feuernd, zielte langsam und genau. Seine Kugel traf Virgil am rechten Bein und zwang auch ihn auf die Knie. Seinen zerfetzten Magen zusammenhaltend blickte Frank McLaury zu „Doc“ Holliday, der keine zehn Schritte von ihm entfernt stand. „Jetzt habe ich dich!“ schrie er. Während McLaury sorgfältig mit seinem sechs-schüssigem Revolver zielte, drehte sich Holliday zur Seite. Hager wie er war, bot er in dieser Stellung keine große Zielscheibe. Franks Kugel traf als Streifschuss seine Hüfte und durchschlug die Pistolenhalter.

Unterdessen schoss Tom McLaury auf Morgan Earp und die Kugel fuhr durch beide Schulterblätter. „Her zu mir!“ schrie Wyatt. Frank McLaury torgelte neben den verletzten Morgan. Holliday, Morgan und Wyatt schossen zur selben Zeit und Frank fiel mit einem Kopfschuss zu Boden.

Billy Clanton war jetzt ganz auf sich gestellt. Als er die Waffe aufrichtete, traf ihn eine Kugel von Virgil Earp zwischen die Rippen. Zwar versuchte er mit letzter Anstrengung wieder hoch zu kommen, aber es gelang ihm nicht mehr. Langsam viel sein langläufiger Revolver zu Boden und er brach tot zusammen.

Der Kampf am O.K. Korral war zu Ende.

Was ist aus ihnen geworden?

  • Morgan Earp: Erschossen aus dem Hinterhalt beim Billardspiel in Campbell and Hatchs-Saloon am 17.März 1882. Begraben in Colton, California.
  • Ike Clanton: Erschossen bei Wilson´s Hütte am Lower Eagle Creek im Jahre 1887. Er widersetzte sich einer Festnahme.
  • Virgil Earp: Gestorben an Lungenentzündung am 19. Oktober 1905 in Goldfield, Nevada. Begraben in Riverview Cematery, Portland, Oregon.
  • John Henry „Doc“ Holliday: Gestorben im alter von 35 Jahren am 8. November 1887 an Tuberkulose in einem Sanatorium in Glenwood Springs, Colorado. Begraben in Glenwood Springs.
  • Wyatt Earp: Gestorben an chronischem Blasenkatarrh am 13. Januar 1929 in Los Angeles. Begraben in den Hills of Eternity in Colima, Kalifornien. Er überlebte sie alle, lange genug, um seine Version der Geschichte erzählen zu können, ohne befürchten zu müssen, es könnte ihn einer korrigieren.

Doch genug jetzt von Mord und Totschlag. Gegen Mittag fuhren wir dann weiter südlich in das Bergbaustädtchen Bisbee. In früheren Jahren wurde hier Kupfer im Tagebau gewonnen. Später waren dies unterirdische Mienen. Abgebaut wurde bis 1975. Als „Abfallprodukt“ hierbei wurden auch Gold und Türkise gefunden. Zur Blütezeit von Bisbee gab es in der Stadt sage und schreibe 40 Saloons. In einem Hotelrestaurant nahmen wir unser Mittagessen ein, bevor wir dann gegen 14 Uhr weiter fuhren. Kurz hinter der Stadt konnten wir dann das Tagebaufeld sehen. Ein riesiges Loch von 1-2km Durchmesser und 300m tief. In Serpentinen gehen die Fahrwege an 2 Stellen bis zum Grund. Rund herum liegen die Abraumhügel, teilweise schon wieder bewachsen.

Von Bisbee aus ging es dann wieder nördlich über den Highway 80 zurück zur Interstate 10. Wir durchfuhren die Chiricahua-Berge und Cochise-County (Cochise war ein Indianerhäuptling). Hier lebten die Cochise- und Chiricahua-Apachen. Auch der Indianerhäuptling Geronimo lebte hier.

Nach dem wir an Pearce und Willcox vorbei waren, erreichten wir wieder die Interstate 10. Am späten Nachmittag überquerten wir die Staatsgrenze zu New Mexico. Von nun an ging es mit nur einer Unterbrechung weiter nach Osten bis nach Las Cruces (dt.Die Kreuze). Die Unterbrechung war mal wieder typisch USA.

An der Grenzstation wurde unser Bus gewogen. Bei unserer Unterbesetzung war aber das Gewicht kein Problem.

Zum Abendessen waren wir dann in verschiedenen Gruppen im Nachbarrestaurant. Danach bei einem Gemütlichen Bier und einem Margarita in der Hotelbar. Hier gab es auch sehr gute Live Country-Musik von einem Sänger zu hören.

 

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