9. Tag: Von Santa Fe nach Durango

  • Tagesetappe über 461 km
  • Bundesstaaten: New Mexico, Colorado
  • Örtlichkeiten: Taos Pueblo, San Juan Mountains
  • Reiseroute auf Google Maps

Heute Morgen erlebten wir eine kleine Überraschung. Ray hat die Schneeketten für den Bus bereit gelegt. In den Bergen besteht die Möglichkeit, dass wir auf Schnee stoßen. Nach einem kleinen Frühstück auf dem Zimmer ging es zur Standard wieder weiter. Ruth hat mir heute Morgen gesagt, dass ich der einzige bin, der den Rundflug über den Grand Canyon gebucht hat. Damit kann ich aber sehr gut leben.

Heute verlassen wir New Mexico und fahren nach Colorado. Der Bundesstaat Colorado ist mit einer mittleren Höhe von 2000m der am höchst gelegene der USA.

Am Ende der Interstate 68 trafen wir wieder auf den Rio Grande. Hier legten wir verschiedene Pausen ein. Man konnte direkt bis zum Flusslauf Vordringen. Die hohen Berge rings herum und die Straße die, sich durch das Tal zieht, ergibt eine atemberaubende Landschaft ab, wie sie in vielen Prospekten zu sehen ist. In dieser Höhe verfärbten sich schon die Laubbäume, der Herbst kam mit Riesen Schritten näher. Der Rio Grand entspringt in den Bergen Colorados. Ebenso der 2. Hauptfluss, der Rio Pecos. Dieser fließt südlich von hier in den Rio Grande.

Schon nach kurzer Fahrt erreichten wir unser erstes Tagesziel. Es war die kleine Stadt Taos mit dem gleichnamigen Indianerpueblo. Insgesamt befinden sich in New Mexico 19 Pueblos. Unser erster Besuch galt der Kirche San Francisco de Asis. Diese wurde in den Jahren 1710 bis 1755 von den Spaniern erbaut. Nach dem Besuch durchkreuzten wir die Stadt erst mal mit dem Bus. Taos hat 4100 Einwohner und liegt auf 2117m Meereshöhe. Auch hier ist der Vorherrschende Baustil Adobe, wie in Santa Fe, Kid Carson hat hier lange Jahre gelebt.

Wer war Kid Carson?

Kid Carson war schon zu seinen Lebzeiten eine Legende im damaligen wilden Westen. Er war Trapper, Pfadfinder, Vertreter der Indianer und Soldat. Geboren wurde er an Weihnachten 1809 und er verlebte seine Kindheit in Boone´s Lick, Missouri. Sein Vater starb, als der kleine Kid 9 Jahre alt war. Die daraus folgende Notwendigkeit, das er schon in frühen Jahren für seinen Unterhalt selbst zu sorgen hatte, verhinderte eine Schulausbildung. Im Alter von 14 Jahren war er Sattlerlehrling, aber er verließ seine Heimat 1826 in Richtung Santa Fe im Bezirk New Mexico. Hier wurde er dann als Fallensteller aktiv und er hatte ersten Kontakt zu Indianern. Er reiste und er lebte viel mit Indianern, auch seine ersten beiden Frauen waren vom Stamm der Araphahoe und Cheyenne. In den folgenden Jahren, nach dem amerikanischen Bürgerkrieg (1864) war er Maßgeblich an der Vertreibung der Navajoindianer beteiligt. Erst vermittelte er zwischen Weißen und Indianern. Später leitete er die gewaltsame Umsiedelung. 8000 Indianer wurden damals aus Arizona nach Fort Sumner, New Mexico, vertrieben. Dieser Marsch über eine Distanz von 300 Meilen ging in die unrühmliche Geschichte der Indianervertreibung als „The Long Walk – Der lange Weg“ ein. Er lebte dann in Colorado, wo er im Jahre 1868 starb. In den folgenden Jahren wurde seine Leiche dann nach Taos überführt. Er ruht jetzt auf einem kleinen Friedhof in Taos.

Guten Mutes fuhren wir an den Eingang des Pueblos. Die Straße war aber von zwei Indianern mit einem Schild blockiert. Das Pueblo sei noch geschlossen, wir sollten um 13 Uhr wieder kommen. Da es schon 11 Uhr war und wir von Taos noch etwas mehr sehen wollten, stimmten wir im Bus ab. Das Ergebnis war, dass wir bis zur Öffnung des Pueblos warteten. Ich unternahm ein Spaziergang auf der Hauptstraße. Unser zweiter Versuch dann verlief zuerst auch nicht besser. Das Pueblo war immer noch zu. Vielleicht in 2 Stunden, wurde uns gesagt. Wir fragten bei unserer Reiseleiterin, warum wir erst bis 13 Uhr vertröstet wurden, um dann festzustellen, dass es immer noch nicht klappt. Die Antwort war einfach und zutreffend. In den Reservaten herrscht „Indian Time – Indianerzeit“, was so viel bedeutet wie „Du kannst um 13 Uhr wieder kommen um zu sehen, ob wir 15 Uhr öffnen“. Großzügiger Weiße wurde uns dann ein Besuch des Spielkasinos gegenüber angeboten, das natürlich den Indianern gehört. Das Angebot schlugen wir natürlich aus. Unsere Reiseleiterin trat dann in Verhandlungen mit den Indianern und machte Ihnen deutlich, dass sie in Zukunft mit den Busen das Pueblo umfährt. Und siehe da, wir konnten ins Pueblo einfahren. Foto und Filmen war leider nicht erlaubt, auch nicht gegen Bezahlung. Bewohnt ist das Pueblo seit 700 Jahren. Die meisten Indianer haben aber in Taos oder der Umgebung ihre Wohnungen und sind nur noch aus Tradition hier im Pueblo.

Nach dem Besuch des Pueblos, der vielen meiner Gruppe nicht gefiel, ging es wieder auf den Highway in Richtung Durango. Kurz hinter Taos überquerten wir dann zu Fuß die „Rio Grande Gorge Bridge“. Diese Stahlbogenbrücken befinden sich 200m über dem Flussbett. Nach beiden Richtungen hatte man einen Atem beraubenden Blick in die Schlucht, die der Rio Grande in Millionen von Jahren aus dem Fels gefräst hat.

Nach der Brücke musste uns die Reiseleiterin besonders auf die nächste Sehenswürdigkeit hinweisen. Neben dem Highway sahen wir die sog. „Earth-ship – dt.Erdschiffe“. Es handelt sich hierbei um Häuser, die fast komplett unter der Erdoberfläche gebaut wurden. Nur der Dachüberbau schaut oben heraus. Es sieht aus wie ein Ruderboot, das am Strand mit dem Kiel nach oben liegt, daher wohl auch der Name der Häuser. Die ganze Siedlung ist von der öffentlichen Versorgung unabhängig. Später auf unserer Reise konnten wir erfahren, dass dies schon eine Bauweise der Ureinwohner in dieser Gegend war (Mesa Verde).

Eine malerische Landschaft mit viel Wald, weiten Ebenen und Farmen lag beidseitig unseres Weges, als wir die „San Juan Mountains“ durchfuhren. Zum Eis essen und zum Eindecken mit diversen Sachen (meist Süßigkeiten) machten wir einen Stopp in Charma. Die kleine Stadt war früher ein wichtiger Eisenbahnknotenpunkt. Nach einem wirklich erfrischenden Eis an einem Kiosk ging es dann wieder weiter. Zwischen der Stadt Charma und Chromo überquerten wir dann die Staatsgrenze nach Colorado. Der Staat Colorado hat den Beinamen „Centenial-State – Jahrhundertstaat“, da er genau am 100-jährigen Bestehen der USA in den Bund aufgenommen wurde. Im 18. Jahrhundert war Colorado in französischem Besitz. Colorado ist der 8. größte Bundesstaat und hat 3,3 Mio. Einwohner, die hauptsächlich von Bergbau, Landwirtschaft und Viehzucht leben.

Etwas später auf der Tour durchfuhren wir den Ort Pagosa Springs. Die kleine Stadt hat Ihren Namen von den heißen Quellen (79°C) die es hier in der Gegend gibt („Heilendes Wasser“).

Am späten Nachmittag erreichten wir dann Durango. Die Stadt liegt auf 2000m Höhe und hat 16000 Einwohner. Genau wie viele andere Kleinstädte ist die Entstehung der Stadt auf den Eisenbahnbau zurück zu führen. Unser Hotel liegt direkt am Animas River. Nachdem wir zuerst eine Rundfahrt mit dem Bus unternommen hatten, brachten wir unser Gepäck auf das Zimmer und jeder konnte losziehen. Wären es langsam dunkel wurde, besuchte ich die Mainstreet, die Hauptstraße der Stadt. Viele Hotels, Geschäfte und Restaurants konnte man hier finden. Eine Attraktion der Stadt machte sich mit lautem Getöse bemerkbar. Es handelt sich um die Durango-Silverton-Railroad, einem alten Zug mit Dampflok. Mehrmals überquerte der Zug die Hauptstraße, so dass man den Zug in aller Ruhe anschauen konnte.

Sehenswert ist das Strater Hotel, das schon zu Gründerzeiten in Durango existierte. Die Gestaltung der Fassade ist wie damals mit rot und weiß ausgelegt. Die bekanntesten Hotelgäste sind wohl die Gebrüder Earp (siehe Tombstone). Nach einem ausgiebigen Rundgang ging ich zum Abendessen ins „Chelsea Londeon“, wo man bei einem Super Service ein gutes Bier und ein saftiges Steak zu sich nehmen konnte. Danach war Schluss für heute.

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