12. Tag: Von Chinle nach Page

  • Tagesetappe über 388 km
  • Bundesstaaten: Arizona
  • Örtlichkeiten: Hubble Trading Post, Glen Canyon Dam, Lake Powell
  • Reiseroute auf Google Maps

Das transportieren der Koffer vom Zimmer an den Bus erledigte ich heute selbst, da zufälliger weise jeder Koffer, auch von anderen Reisegruppen, ein gelber Anhänger hatte.

Früh morgens ging es Richtung Süden weiter. Unser erster Stopp war bei dem Städtchen Ganado. Hier besuchten wir die „Hubbel Trading Post“. Es handelt sich hierbei um einen Handelsposten, dessen Gründer John Lorenzo Hubbel als erster erkannte, daß man mit den Indianern auch ehrliche Geschäfte machen kann an denen beide Seiten verdienen. John Lorenzo Hubbel hat auch heute, 70 Jahre nach dessen Tot, hohen Respekt bei den Indianern.

Hinter dem Handelsposten ist sein Grab, dass von den Navajo gepflegt wird. Hubbel ist in den Augen der Indianer gleichberechtigt mit Ihresgleichen. Die „Einbürgerung“ als Indianer ist auch heute nicht ganz einfach, daran erkennt man, wie beliebt der Mann war. Die Navajos verlangen heute eine „Blutreinheit“ von 2/3 bis ¾. Die Hopi-Indianer, deren Reservat mitten in dem der Navajo liegt, verlangen eine Reinheit von 100%.

Nach dem wir die Verkaufsräume besichtigt hatten ging es dann wieder weiter. Bei der Stadt „Polacca“ liegt die erste der 3 Pueblos, die sich hoch oben auf den Mesa befinden. Sinniger weise sind die Namen hierfür „first“ (erste), „second“ (zweite) und „third“ (dritte) Mesa. Da ein Besuch hier nicht erlaubt ist, fuhren wir ohne Stopp weiter. Hinter der Stadt Tuba City durchfuhren wir dann die „Painted Desert“ dt. „angemalte Wüste“. In allen Farbschattierungen ist hier der Wüstensand verfärbt. Im ersten Augenblick kann man den verschiedenen Sandhügel für Abraumhalden von Bergwerken ansehen. Aber die Hügel entstanden durch eine Laune der Natur.

Kurz nach Mittag erreichten wir dann unser heutiges Tagesziel, Page am Lake Powell. Page liegt auf 1300m Meereshöhe und hat 8500 Einwohner. Entstanden ist die Stadt als Arbeitersiedlung während des Baus des Glen Canyon Dammes in den sechziger Jahren des vorigen Jahrhunderts. Unser erster Besuch galt der Stahlbogenbrücke, die sich in gut 200m über den Colorado spannt. Die Brücke entstand auch im Rahmen des Staudammbaus und war auch als erstes beendet. Zu Fuß ging es über die Brücke zum Besucherzentrum. Wir konnten hier an einer Besichtigung des Dammes und des Kraftwerkes teilnehmen. Mit einem Lift fuhren wir zur Dammkrone hinab. Hier steht als Andenken einer der Betonkübel, mit denen der Beton an armdicken Stahlseilen zur Baustelle hinab gelassen wurde. Hier nur ein paar Zahlen über den Bau des Dammes. Die reine betonier Zeit hierfür betrug 3 Jahre, 3 Monate und 3 Wochen. Ununterbrochen, 24 Stunden am Tag.

Acht Fallrohre mit einem Durchmesser von 5m bringen das Wasser zu den Turbinen. Der Damm wird seitlich mit 8m langen und 8cm dicken Schrauben am Felsen gehalten. Des Weiteren ragt die Mauer zu beiden Seiten 50m in den Felsen. Uns fiel auf, dass jede Menge Wasser durch den Felsen sickerte. Auf unsere Frage darauf wurde uns erklärt, dass der Fels das Wasser aufsaugt wie ein Schwamm und hinter der Staumauer wieder frei lässt. Unterhalb der Mauer verläuft deswegen sogar eine Abflussrinne. 66 Arbeiter sind hier im Kraftwerk beschäftigt, dass einen Strombedarf für eine Stadt mit einer Million Einwohner erzeugt. Innerhalb der Staumauer verlaufen Versorgung -und Wartungsgänge mit einer Gesamtlänge von 5km. Beim Bau wurde der Colorado links und rechts an der Baustelle vorbei geführt. Die Umleitung dient heute zur Regulierung des Wasserstandes oberhalb der Mauer.

Hier nun ein paar Zahlen über den Lake Powell. Der See hat eine Länge von 310km und ist 1242m tief. Die Uferlänge beträgt 3266km. Benannt ist der Stausee nach John Wesley Powell, einem einarmigem Bürgerkriegsveteran, der zusammen mit einigen Männern als erster auf dem Colorado den Grand Canyon mit Holzbooten befuhr.

Es gibt mittlerweile ernsthafte Überlegungen, den Damm aus ökologischen Gesichtspunkten wieder abzubauen. Aber die 500 Millionen US-Dollar, die hier jedes Jahr durch den Stausee von Touristen kommen sprechen wohl dagegen. Man versucht nun durch regelmäßige „Spülungen“, wie sie vor 2 Jahren mit positivem Ergebnis stattfand, die Sandbänke unterhalb der Staumauer wieder auf zu bauen.

Am späten Nachmittag machte ich dann eine Bootsfahrt von 90 Minuten in den Antilope-Canyon mit. Der Canyon war ab der Mitte der Fahrt so eng, dass das Boot vorher drehte und Rückwärts weiter fuhr. Beim herausfahren aus dem Canyon kam uns dann auch noch ein anderes Boot entgegen.

Nach der Bootstour fuhren wir dann ins Hotel. Ein Tag mit vollem Programm von der ersten bis zur letzten Minute war zu Ende.

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