8.Tag: Von Montreal nach Ottawa

  • Tagesetappe über 200 km
  • Bundesstaaten: Quebec, Ontario
  • Örtlichkeiten: Montreal, Ottawa, Parlament, ByWard Market
  • Reiseroute auf Google Maps

Bevor wir heute Morgen zu unserem nächsten Etappenziel aufbrachen, war wieder mal eine Stadtrundfahrt von 4 Stunden auf dem Programm. Auch diesmal hatten wir hierfür eine „Einheimische“ Reiseleiterin, eine in der Schweiz Geborene Dame mit einem schönen französischen Akzent.

Um 8Uhr ging es los, mit einer Fahrt auf den 232m Hohen „Mont Royal“, den wir ja schon am Vorabend besucht hatten. Unser Blick reichte bei schönstem Wetter weit über die Stadt hinaus bis zu dem Laurentinischen Gebirgen. Immer wieder, zwischen den einzelnen Haltepunkten, hörten wir etwas über die Geschichte der Stadt Montreal, die eng mit dem Namen Jaques Cartier verbunden ist.

Geschichte von Montreal

Die Geschichte der größten Stadt der Provinz Québec begann, als Jaques Cartier um das Jahr 1635 erstmals in die Gegend kam. Der vom französischen König beauftragte Entdecker Neufrankreichs musste seine Fahrt über den Sankt-Lorenz-Strom bei dem Irokesendorf Hochelaga („der Ort des Biberdamms“) abbrechen. Von hier an war der Sankt-Lorenz nicht mehr schiffbar. Die Franzosen gründeten ein Lager und widmeten das Land ihrem König. Zur Ehre des Monarchen nannten sie den Berg in unmittelbarer Nähe ihres Lagers „Mont Royal“, königlicher Berg, ihre Siedlung wurde später Montreal genannt. Das Lager unter dem Berg Mont-Royal entwickelte sich zu einem der wichtigsten Pelzhandelsposten. Der Handel, vor allem der Pelzhandel mit den Ureinwohnern, verhalf der Siedlung allmählich zu wirtschaftlicher Blüte. Mitte des 17. Jahrhunderts zählte Montreal 5.000 Einwohner. Einen rasanten Aufschwung erlebte die Siedlung, nachdem die Engländer 1760 die Geschicke der Kolonie „Neufrankreich“ übernahmen. 1830 hatte Montreal bereits mehr als 30.000 Einwohner. Die meisten von ihnen stammten von den britischen Inseln. Gegen Ende des 19. Jahrhunderts warb Kanada in Europa verstärkt Siedler an. Es wurden Menschen gebraucht, die auf dem fruchtbaren Land der Prärien, im Mittleren Westen Kanadas, Ackerbau und Viehzucht betrieben. Kanada wollte die Prärien als Nahrungslieferant für die wachsenden Industriezentren erschließen. Die in Europa angeworbenen Siedler landeten in Montreal. Statt sich aber auf den Weg in die Prärien zu machen, blieben viele in der Stadt. Montreal bot ihnen Unterkunft, Arbeit, manchmal sogar die Chance, Wohlstand zu erlangen. Um 1900 drohte die Metropole regelrecht aus den Nähten zu platzen. Innerhalb von nur 70 Jahren hatte sich die Bevölkerung auf 300.000 Menschen verzehnfacht. Montreal wurde zum Verkehrsknotenpunkt. Von hier aus wurde die Canadian Pacific Railway Richtung Westen bis an die Küste des Pazifik gebaut. Die Strecke wurde 1885 fertiggestellt. Vor den Toren Montreals entstand der nach Québec wichtigste Hafen am Sankt-Lorenz-Strom. Von Montreal aus begann der Bau des Sankt-Lorenz-Seewegs. Die Kanadier wollten eine schiffbare Verbindung von der Mündung des Sankt-Lorenz bis in die Großen Seen schaffen. Jedes größere Bauvorhaben lockte neue Siedler nach Montreal. Kanada förderte vor allem die Einwanderung von Europäern aus Großbritannien, Frankreich, Belgien, Holland, der Schweiz, Rußland, Deutschland und Polen. Mit dem Bau der Eisenbahn kamen chinesische und japanische Arbeiter aus dem kanadischen Westen.

Italiener und Iren wurden angeworben, um beim Bau der Schleusen und Kanäle des Sankt-Lorenz-Seewegs zu helfen. Sie alle kamen im Hafen von Montreal an und suchten sich von dort ihren Weg in die Stadt.

Vom Hafen Montreals erstreckt sich der Boulevard Saint-Laurent Richtung Mont-Royal. Entlang dieses Boulevards fanden die Neuankömmlinge ihr erstes Quartier und siedelten sich häufig in unmittelbarer Nachbarschaft ihrer Landsleute an. Dort, wo man ihre Sprache verstand, wo sie Nahrungsmittel und Nachrichten aus der Heimat bekamen, entstanden „Little Italy“, „Little Germany“ oder „China-Town“. Noch heute siedeln sich jedes Jahr mehr als 20.000 Einwanderer in der Stadt an. Fast ein Drittel von ihnen kommt aus Asien, etwa ein Viertel aus Afrika und dem Nahen Osten.

Weiter nun mit der Reise. Unterwegs erfuhren wir, dass im Großraum Montreal ca. 3,4 Mio. Menschen leben. Das höchste Gebäude der Stadt ist 205m hoch. Kein Wolkenkratzer darf höher sein als der Berg Mont Royal. In der Stadt werden 112 unterschiedliche Sprachen gesprochen. Zur Erholung sind in der Stadt 800 Parks angelegt. Die Stadt gibt alle Jahre über 58 Mio. CAD (ca.38 Mio. DM) für die Schneeräumung aus. Um Montreal herum leben ca. 52 000 deutschstämmige.

Auf unserer Tour kamen wir auch an dem Olympiastadion des Jahres 1976 vorbei. Der schräge Turm, der die Dach Konstruktion hält ist 175m hoch und mittels seitlichen Aufzugs befahrbar.

Eine kleine Anekdote gab uns die Reiseleiterin auf den Weg. Da in Kanada alle Mietverträge bis zum 1. Juli eines Jahres laufen, findet unmittelbar davor das große Umziehen statt. Jedes Jahr finden hier in Montreal 140 000 Wohnungsumzüge statt. Viele von diesen führen nur eine Straße oder einen Block weiter.

Einen Höhepunkt der Stadtrundfahrt war dann die Besichtigung der von James O´Donell in den Jahren 1824-29 erbauten Kirche mit dem Namen „Notre-Dame Basilica“. Zum Glück war im Inneren gerade eine deutsche Reiseleiterin einer anderen Gruppe bei Erläuterungen, so dass ich mich heimlich der Gruppe anschließen konnte und einiges über die Kirche erfahren habe.

Nach dem Kirchenrundgang traf sich „meine“ Gruppe, um einen letzten Bummel durch die Altstadt von Montreal zu machen. In einem Bistro machten wir dann Mittagspause, bis wir uns dann gegen 12Uhr alle am Bus trafen, um Montreal den Rücken zu kehren. Schon um 12Uhr55 verließen wir die Provinz Quebec und damit den franz. Sprachraum Kanadas und wir kamen in die Provinz Ontario.

Gegen 14Uhr erreichten wir dann die Hauptstadt von Kanada – Ottawa.

Als erstes fuhren wir quer durch die Stadt und über den Ottawa-River nach Ottawa-Hull. Am Museum hielten wir an, um von der Aussichtsplattform über den Ottawa-River hinweg auf das Parlamentsgebäude zu Blicken. Der Fotostopp hier drüber war sehr schön. Das Wetter trug auch sein Scherflein dazu bei.

Am Nachmittag besichtigten wir dann das Parlamentsgebäude von innen. Nach einer ausgiebigen Kontrolle am Eingang liefen wir durch die weiten Gänge des Gebäudes bis zur Bibliothek. Hier können sich die Abgeordneten von den Sekretären und Sekretärinnen Nachforschungen machen lassen. Wir mussten hier ganz leise sein und auch Fotografieren und Filmen sollten wir hier in der Bibliothek unterlassen. Als nächstes gingen wir in den Sitzungssaal des Senats. Rechts und links im Saal befinden sich die Sitze der Abgeordneten. In der Mitte sind die Tische Schreiber und der Protokollführer. Am Kopfende befindet sich der Platz der Parlamentspräsidenten, und dahinter den Thron für die Englische Königin, die ja immer noch Staatsoberhaupt von Kanada ist.

Nach dem Verlassen des Parlamentes trafen wir uns alle wieder am Bus, um unsere nächste Station anzufahren.

In der Nähe des Parlamentes befindet sich ein Einkauf Areal mit dem Namen „The ByWard Market“.

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