4.Tag: Von San Diego nach Phoenix

  • Reise 1997 – Golden West
  • Tagesetappe über 568 km
  • Bundesstaaten: Kalifornien, Arizona
  • Örtlichkeiten: Yuma, Phoenix, Scottsdale

 
Größere Kartenansicht


Heute ist eine langen Busreise angesagt, ca. 600 km durch die Wüste nach Phoenix bzw. Scottsdale. Am Morgen habe ich den Kaffee selber gekocht, auf dem Hotelzimmer mit der zimmerinternen Kaffeemaschine. Wer den probiert hat weis, wie gut unser eigener Kaffee zu Hause schmeckt. Die erste Tagesetappe führte uns zum ersten male buchstäblich in die Wüste, genauer gesagt in die Wüste „Sonora“. Schon ca. 30km hinter San Diego machten wir unseren ersten Fotostop an einem Aussichtspunkt Namens „Desert View“. Von hier aus hat man einen phantastischen Blick in die Wüste von Arizona. Nach einem ca. 1 stündigem Aufenthalt ging die Fahrt dann weiter.

Zum Erstaunen Aller kamen wir sogar an einer richtigen Sandwüste vorbei, bei der wir natürlich einen kurzen Fotostopp einlegten. Nach einem kurzen Anstieg auf eine der Dünen sahen wir das ganze Wüstengebiet vor uns. Die Sandwüste erstreckte sich über satte 45km. Da in den USA fast alles einen Namen hat, heißt die Sandwüste „Imperial Dessert Dunes“. Hier finden mehrmals im Jahr Sandbuggie-Rennen statt.

Wir verließen nun den Bundesstaat Kalifornien, um beim Übersetzen des Flusses Colorado den Staat Arizona zu erreichen. Arizona hat den Beinamen „Grand Canyon Staat“, was später im Bericht bestimmt noch genauer erklärt wird. Hier sahen wir zum ersten male riesige Felder mit Alfalfa, einer Futterpflanze, die bis zu 7 Ernten im Jahr zuläßt.

Schon kurz nach dem Überschreiten der Grenze machten wir Mittagspause in Yuma. Es gab das sogenannte „Yuma-Buffet“, welches wirklich sehr köstlich war. Leider war es uns nicht möglich, eine längere Rundfahrt durch die Stadt zu machen. Was wir aber sahen war sehr interessant, denn eine Wüstenstadt wie Yuma stellt man sich sicherlich nicht als eine grüne Oase vor. Es gab mit Rasen verzierte Seitenstreifen der Straße, Palmen, Büsche und so manches andere botanisches Gewächs, was aber in unseren Breiten unbekannt ist.

Das Problem ist nur, daß jedes Pflänzchen an die städtische Bewässerungsanlage angeschlossen werden muß, vergleichbar mit einer Straßenlampe, die unterirdisch mit Strom versorgt wird. Etwas später im Bericht, wenn uns die Nacht in Las Vegas bevorsteht, werde ich bestimmt nochmals auf dieses Thema eingehen.

Von nun an ging es, außer einer kleinen Tankunterbrechung in „Gila Bent“, weiter nach Phoenix. Da unser Reiseziel Scottsdale hinter Phoenix liegt, konnten wir die Stadt großräumig umfahren. Wir sahen nur die Wolkenkratzer inmitten der Skyline von Phoenix. Im Vergleich zu Los Angeles und San Diego ist Scottsdale ein richtiger verschlafener Ort, der jedoch einen regelrechten Zuwandererboom erlebt. Vor allem von reichen Amerikanern, die hier Überwintern wollen. Vor der Stadt sind bereits große Gebiete zu diesem Zweck erschlossen.

Da heute die erste größere Tagesetappe zu Ende ging und im Vergleich noch weitaus Längere auf dem Plan stand kam man schon ins grübeln, wie wir die vielen Stunden im Bus überstehen sollen. Die Bedenken waren aber, wie sich herausstellte, vollkommen unbegründet.

Nach dem Einchecken im Hotel und einer ausgiebigen Dusche brach ich dann auf, um die „Old Town“ von Scottsdale zu besichtigen. Die Häuser und die Geschäfte sind im Stile eine modernen Westernstadt aufgebaut. Statt der Stangen zum Anbinden der Pferde sind heute allerdings markierte Parkplätze für Autos davor. Was einem aber immer wieder in Erstaunen versetzt ist die Sauberkeit und die Gepflegtheit der Grünanlagen, die eigentlich in keiner Straße fehlen dürfen. Man muß auch hier bedenken, das wir uns eigentlich mitten in der Wüste befinden, und das ganze Wasser über viele Meilen aus den Bergen oder zum Beispiel aus dem „Glenn Canyon Damm“ und dem „Lake Powell“ herangebracht werden muß. Insbesondere muß man Staunen, daß am Ortsrand mehrere Golfplätze existieren, bei denen das Gras in sattem Grün erstrahlt. Zur Abendstunde trafen wir uns dann alle wieder am Bus, um nach ein paar Kilometer fahrt die Westernstadt „Raw Hide“ zu erreichen. Hier gab es richtige Westernromantik mit Bier und frisch gebratenen Steaks und Countrymusic. Etwas besonderes war es, das Haupthaus der Siedlung zu betreten, denn alle Krawattenträger, die in den letzten Jahren hier eintraten, wurden ihres besten Stückes beraubt. Die Beute wird dann als Erinnerung an die Decke oder an die Wand gehängt. Mittlerweile ist von der Decke und den Wänden so gut wie nichts mehr zu sehen.

Einen schönen Gag lies sich das Personal einfallen. Da man bei der Bestellung der Steaks nach dessen Beschaffenheit, d.h. „Medium“ oder „Well Done“, gefragt wird und eigentlich pro Tisch immer einer „Well Done“ bestellt, wird für diese Person ein Stiefel aus Leder serviert. Das richtige Steak ist aber schon in der Hinterhand bereitgestellt. Falls die Frage auftaucht, wie das Essen geschmeckt hat, kann man nur sagen : einfach Spitze. Nach einem kurzen, gemütlichen Beisammensein fuhren wir wieder zurück nach Scottsdale ins Hotel.

Print Friendly, PDF & Email