6.Tag: Vom Grand Canyon zum Monument Valley

  • Reise 1997 – Golden West
  • Tagesetappe über 251 km
  • Bundesstaaten: Arizona, Utah
  • Örtlichkeiten: Monument Valley


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Heute ist die Zeit der Frühaufsteher. Wir trafen uns um 5.30 Uhr vor der Lodge, um den Sonnenaufgang über dem Canyon zu bestaunen. Wer glaubte, wenigstens hier einmal in aller Stille den Anblick des Canyons genießen zu können, wurde bitter enttäuscht. Auch zu so einer frühen Stunde waren viele Menschen unterwegs. Nichts desto trotz war der Sonnenaufgang gigantisch.. Leider dauern diese Momente nur kurze Zeit, dann ist die Sonne schon so hoch über dem Horizont aufgestiegen, das man nicht mehr in dieselbe schauen kann.

Nach diesem Schauspiel ging es dann zum Frühstücken. Zum ersten und zum letzten Male auf der ganzen Reise hieß es hier – Schlange stehen und warten. Während des Frühstücks begann dann ein Gewitter mit einem gewaltigen Monsunregen, der eigentlich für den Rest des Tages nicht Gutes erhoffen lies. Das sich am späten Nachmittag daraus ein richtiges kleines Abenteuer entwickelt, war uns nicht bewusst, doch davon Später mehr.

Um 8 Uhr ging die Fahrt in Richtung Kayenta los. Jedoch schon nach einer kurzen Fahrt machten wir nochmals am Grand Canyon einen etwa 1 stündlichen halt. Diesmal am östlichen Ende des Canyons, am Aussichtspunkt „Bright Angel“, dessen Turm man von innen besteigen kann. Natürlich für ein Vierteldollar Eintritt. Wir trafen uns dann Alle am Eingang einer Schlucht. Von hier aus starteten wir einen Fußmarsch in Richtung Colorado-River. Bei einer Dauer von 14 Stunden für den kompletten Abstieg war unser Exkurs natürlich relativ bescheiden. Aber selbst nach wenigen Metern auf dem Weg nach unten, bietet sich für den Betrachter ein neues Bild der umliegenden Schluchten und Felsformationen. Auf dem Rückweg nach oben kam uns eine Reitergruppe auf Mulis entgegen. Nach der Ankunft am Eingang des Canyons machten wir einen Einkaufsbummel im Supermarkt, um uns mit Lebensmittel für die Mittagspause einzudecken.

Die Weiterfahrt in Richtung Kayenta wurde dann angetreten. Nach ca. 2½ Stunden kamen wir bei unserer Unterkunft in Kayenta, am Rande des Monument Valley an. Nach dem Einrichten in den Quartieren war gegen 18 Uhr der Ausflug ins Monument Valley auf dem Programm. Dicke schwarze Regenwolken, die uns wahrscheinlich bis hier her nachgereist waren, verkündeten wettermäßiges Unheil. Da unser großer Reisebus für die Fahrt ins Monument Valley nicht geeignet ist, stiegen wir in 2 kleinere Busse um. Schon alleine die Fahrt damit verlangte allerhand Freude an Abenteuer. Unser Fahrer war ein Waschechter Indianer vom hier ansässigen Stamm der Navajos. Ich vergaß zu erwähnen, dass wir uns hier in einem Indianerreservat befanden, was unseren Busfahrer veranlasste das Bier in den Laderaum des Busses zu stellen, da in den Reservaten Alkoholverbot herrscht. Alkoholfreies Bier hatten wir dabei, um dieses am bevorstehenden BBQ zu trinken. Nach dem Verlassen der Landstraße fuhren wir über unbefestigte, sog. Straßen, auf denen wir ganz schön durchgerüttelt wurden. Dann kam der Große Regen. Von einer Sekunde auf die Andere war an ein weiterfahren nicht mehr zu denken. Auf einer kleinen Seitenstraße machten wir halt, um bis auf weiteres hier zu warten. Als nach ca. einer viertel Stunde der Regen nachließ waren wir über unseren Kleinbus plötzlich sehr dankbar, denn der hatte wenigstens ein Dach. Viele Besuchergruppen waren mit offenen Wagen unterwegs und es gab keine Möglichkeit sich unterzustellen. Als dann der Regen nach 10 Minuten genauso plötzlich nachließ wie er begonnen hatte, ging die Fahrt wieder weiter, um diese dann nach wenigen Metern wieder zu Beenden. Die Ursache dafür war ein etwa 5m breiter Bach, der sich nun quer über unsere Fahrbahn ergoss. Unsere Stimmung sank nun fast auf denn Nullpunkt und Alle waren sich über das Ende des Ausfluges bewusst. Als wir aber sahen, daß sich einige PKW und Kleinbusse ein Herz fassten und durch das Wasser fuhren kehrte sich die Stimmung wieder um. Wir warteten am Straßenrand, bis sich über den Bach eine Furt gebildet hat und wir die Fahrt wieder aufnehmen konnten. Es war ein heiden Spaß dabei, denn jeder mutige Fahrer wurde mit Freude und Applaus auf unserer Seite begrüßt.

Ich konnte bis jetzt noch nichts über die Landschaft und über die Felsformationen berichten, denn diese waren in der Ferne nur schemenhaft zu erkennen. Doch kaum war die Sintflut beendet, kam die Sonne zum Vorschein und hüllte die ganze Gegend in ein einmaliges, glasklares Licht. Kein Staub oder sonstige Luftverunreinigungen waren nach dem Regen noch in der Luft. Von jetzt an fühlten wir uns richtig wie im wilden Westen. Wir erkannten viele Bilder, die uns im Fernsehen oder Kinofilmen schon bekannt waren. Viele große Western wurden und werden immer noch hier gedreht. Der viele Regen, der sich in letzter Zeit über die Landschaft ergoss, hat natürlich auch seine guten Seiten, nämlich die ansonsten um diese Jahreszeit braune, karge Graslandschaft zeigte sich in sattem Grün. Die leuchtend roten Felsen im Hintergrund und der blaue Himmel erzeugten ein einmaliges Panorama. Alle Felsen haben hier einen Namen. Diese ergeben sich aus dem Aussehen der Felsen und der Fantasie der Betrachter. Hier gibt es den Thron des Häuptlings, dessen Federschmuck und dessen rechte und linke Faust. Es gibt die „Drei Schwestern“, den „Totempfahl“, der 100m hoch ist bei einem Durchmesser von ca. 5 Metern. Wir sahen eine Eule, ein sitzendes Kamel und vieles andere. Unser BBQ-Platz lag direkt unter dem „Rain God Mesa“, das so viel wie „ Der Tisch des Regengottes“ bedeutet.

Das Essen wurde von der Familie unseres Fahrers James zubereitet. Es gab natürlich Steaks, Mais, Bohnen und verschiedene Salate. Das Fleisch wurde direkt über dem offenen Feuer zubereitet. Dazu gab es noch eine Art Fladenbrot, das so ähnlich wie unsere Dampfnudeln in Öl gebacken wird. Das Essen in freier Wildnis ist einfach einzigartig. Als Nachtisch gab es – typisch Indianisch – Kaffee und Kekse. Als dann Alle gesättigt waren halfen wir gemeinsam mit, die Stühle und Bänke in einen Transporter zu laden. Als alles aufgeräumt war verabschiedeten wir uns bei der Familie. Auf der Rückfahrt machten wir noch einmal einen Fotostop, diesmal rein zufällig an einem Souvenierstand. Am letzten Fotostop im Monument Valley ließ sich James zu einer kleinen Gesangseinlage auf indianisch überreden. Die Wildwest Illusion war nun perfekt. Viele von uns hatten eine Gänsehaut bei dem Vortrag bekommen. Nach dem Verlassen des Monument Valley besuchten wir einen sogenannten Hogan, ein Haus, wie es in früheren Zeiten die Indianer bewohnt hatten. Es ist vergleichbar mit einem Iglu der Eskimos, nur halt nicht aus Eis und Schnee, sondern aus Holz und Lehm. Darin wurde uns von der Schwester von James gezeigt, wie man einen Korb aus einer Art Weidenrute flechtet. Der Preis für einen etwa Teller großen Korb beträgt 300$. Wir sind natürlich über den Preis zuerst sehr erschrocken, wenn man aber bedenkt, daß man für ein Stück ca. 30 Stunden arbeitet, relativiert sich das Ganze zu einem Stundenlohn von 10$. Nach dieser Vorführung ging es dann in Richtung Hotel zurück. Viele Erinnerungen an diesen Tag werden bestimmt ein Leben lang in unseren Köpfen bleiben.

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