13.Tag: San Francisco II

  • Reise 1997 – Golden West
  • Tagesetappe über 50 km
  • Bundesstaaten: Kalifornien
  • Örtlichkeiten: Muir Woods National Monument, Sausalito, Alcatraz

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Am heutigen Tag war Vollbeschäftigung angesagt.

Am frühen Morgen fuhren wir wieder über die Golden Gate Brücke nach Sausalito, um den Naturpark „Muir Woods“ zu Besuchen. Hier befinden sich die größten Bäume der Welt. Die höchsten Bäume stehen allerdings im „Yellowstone Park“, der leider nicht auf unserer Route liegt. Aber die Bäume hier erreichen ebenfalls ganz locker eine Höhe von 80m. Nach der Ankunft am Eingang des Besucherzentrums begaben wir uns Alle auf einen etwa einstündigen Rundgang. Auch hier gab es einige Fußkranke, die lieber auf uns warteten. Es ist schon beeindruckend, wie groß solche Bäume werden können. Man fühlt sich daneben klein wie ein Gartenzwerg. Nach dem Rundgang erfrischten wir uns dann am Besucherzentrum mit einer kalten Cola. Danach ging es wieder zum Bus. Wir fuhren nun auf eine Anhöhe, die sich neben der Golden Gate befindet. Von hier aus hat man einen super Blick auf die Brücke und auf San Francisco. Es war ein richtiges Postkartenpanorama.

Nach einem kurzen Aufenthalt hier am Aussichtspunkt fuhren wir zu einem kleinen Bummel nach Sausalito. Nach der Hektik in San Francisco kann man hier in aller Gemütlichkeit spazieren gehen. Es ist ein nobler Ort, indem viele Menschen vor der Großstadt Zuflucht suchen. Aber sog. „Kleine Leute“ findet man hier nicht. Nur Reiche können sich hier ein Haus oder eine Wohnung leisten. Der Hafen, mit den darin liegenden Booten – manchmal auch Schiffen – lässt erahnen, welche Bevölkerungsschicht hier lebt.

Zurück nach San Francisco fuhren wir dann mit der Fähre. Nach dem Anlegen am Pier 41 ging ich dann mit meiner Gruppe zum Fischessen am „Fisherman´s Warf“.

Nach dem Essen ging es wieder zur Anlegestelle der Fähre. Diesmal aber fuhren wir nicht zur anderen Buchtseite, sondern auf die Insel „Alcatraz“, dem ehemaligen Staatsgefängnis mitten in der Bucht von San Francisco. Hier erwartete uns eine spannende Führung. Alle Besucher erhielten einen Walkman, mit dem man in eigener Landessprache durch den Zellentrakt geführt wurde. Es war wirklich erstaunlich, wie klein die Zellen sind. Die Einrichtung der Zellen ist noch im Originalzustand. Die Führung ging dann durch den Speisesaal, die Bibliothek, die Waschräume und vorbei an der Küche. An der Wand der Küche waren damals die Küchengeräte wie Beil, große Messer usw. mit Farbe markiert, so das man mit einem Blick erkennen konnte, ob was fehlt. Der gefährlichste Platz im ganzen Gefängnis war eh der Speisesaal, weil dies der einzige Ort war, an dem die Gefangenen Messer und Gabel besitzen konnten. Auch die Masse der Gefangenen war hier auf engstem Raume beisammen. Aus diesem Grunde befinden sich auch heute noch an den Decken kleine graue Kästen. In diesen Kästen war damals Tränengas untergebracht, das bei Unruhen freigesetzt wurde. Der wohl bekannteste Insasse war der Gangsterboss Al Capone. Er wurde aber nicht wegen der vielen Morde eingesperrt (die konnte man ihm nicht nachweisen), sondern wegen Steuerhinterziehung.

Gebaut wurde das Gefängnis jedoch nur für 300 Gefangene. Nach dem spektakulären Ausbruch dreier Gefangene im Jahre 1963, der aber nach offiziellen Angaben nicht gelungen ist, wurde das Gefängnis geschlossen. Verfilmt wurde der Ausbruch mit Clint Eastwood in den 70er Jahren. Die Gefangene hatten damals das Lüftungsgitter in ihren Zellen ausgegraben und dieses sowie ihre Köpfe mit Pappmasche´ nachgebildet, damit bei den nächtlichen Rundgängen des Wachpersonals das Verschwinden nicht bemerkt wird. Die 3 Zellen und Nachbildungen der Köpfe sind Extra auf dem Rundgang gekennzeichnet. Zum Schluss konnte man die Zellen für Einzel- und für Dunkelhaft besichtigen. Es ist wirklich unfassbar, unter welchen Bedingungen die Gefangenen hier ihre Strafe verbüßten. Fernsehen oder Radio gab es keine. Nach dem Rundgang im Zellenblock marschierten wir dann ins Freie, um das Gebäude von außen zu umrunden. Dabei überquerten wir auch den Freiganghof der Anstalt. Gegen 17 Uhr nahmen wir dann mit der letzten Fähre Abschied von der Insel. Am Pier wurden wir dann mit den Worten „Congratulation, you escaped from Alcatraz „ von der Schiffsbesatzung verabschiedet. Dies bedeutet so viel wie „Glückwunsch, Sie sind entkommen“.

Auf meinem Rückmarsch ins Hotel kam ich nochmals am Fairmont Hotel vorbei. Rund um das Hotel war ein großer Menschenauflauf und Polizei war überall zu sehen. Aus einem Gespräch mehrerer Leute erfuhr ich, dass der Präsident Bill Clinton heute Abend hier zu Gast ist, und dieser in wenigen Minuten das Hotel verlassen wird. Da ich für heute Abende nichts mehr vorhatte, entschloss ich mich, hier einfach zu warten und das Spektakel zu verfolgen. Nach ca. ! Stunde kamen dann die ersten Wagen aus der Garage des Hotels heraus gefahren. Im einem Augenblick hatten die Polizisten die Straße gesperrt, so das der Convoy der Limousinen und der Sicherheitsfahrzeuge ohne Probleme abfahren konnten. Sage und Schreibe 20 PKW umfasste die Wagenkolonne. Das letzte Fahrzeug war übrigens ein Krankenwagen, der bei einem Zwischenfall sofort zur Stelle gewesen wäre. Zu Gesicht bekam man den Präsidenten allerdings nicht, denn die Scheiben am Wagen sind nach innen undurchsichtig. Trotzdem war dies ein großer Augenblick für alle Umstehenden Menschen. Selbst in San Francisco sieht man so was nicht alle Tage.

Nach diesem Ereignis war der vorletzte Tag meiner Reise beendet.

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