Käpple-Tour 2007

30. Wanderung

Vom 28. Oktober bis zum 3. November

Papenburg/ Aschendorf im Emsland


Sonntag, 28.10.2007

Wer eine Reise tut, hat viel zu erzählen, diesem Wunsch möchte ich nachkommen.

Wenn man die Landkarte von unserem Heimatland Deutschland betrachtet, sind viele Flecken darauf, die unsere Gruppe noch nicht besucht hat. Aber nur wenige erfüllen die Vorrausetzung flach zu sein (Sonderwunsch der Gruppe), eines davon ist das Emsland.

Die Entscheidung, welches Verkehrsmittel wir benutzen, viel uns Angesichts der Entfernung leicht, es kam nur die Bahn in Frage. Immerhin betrug die Strecke vom Bodensee nach Aschendorf 780 Km und von der Pfalz immerhin noch 530 Km. Nachdem die Fahrkarten und das Quartier organisiert war, ging es am 28. Oktober los. Um die preiswertesten Fahrkarten zu bekommen sollte die Bahn Abendlehrgänge veranstalten (natürlich mit Verzehrbon), so vielfältig ist die Auswahl.

Am Sonntag nahem wir nun Abschied von der Heimat, einige Frauen, die uns zur Bahn brachten, hatten ein Lächeln auf den Lippen. Eine Woche ohne Mann – Spitze!

Die Bahn setzt nun auf der Schwarzwaldbahn bestes Wagenmaterial ein. Nach dem Umsteigen in Baden-Baden in den schnellen ICE, ging es zügig nach Norden. In Mannheim sind die Pfälzer Wanderfreunde zugestiegen, die uns zum, Vesper eingeladen haben. So macht eine Reise Spaß, wenn man zwischen Frankfurt und Köln mit Tempo 300 vorwärts kommt. Leider ist das Platzangebot nicht mehr so großzügig wie früher, als es für die Reisenden mehr Tische gab.

In Köln wurde die Umsteigepause genutzt, um ein Kölsch zu trinken. Die Herstellung solcher Gläser gehört verboten, benetzt deren Inhalt doch gerade mal die Lippen. Im IC ging es dann weiter nordwärts. Die Landschaft wurde immer ebener und offener. Am frühen Abend waren wir an unserem Ziel in Aschendorf, einem Ortsteil von Papenburg angekommen. Frisch waren wir alle nicht mehr, aber zu einem Gang in die Ortsmitte und zur Einkehr bei „Uwe“ hat es noch gereicht.

Montag, 29.10.2007

Wenn man ein neues Gebiet besucht kommt immer eine Frage auf – wo muß man hin und was muß man sehen. Bedingt durch etwas durchwachsenes Wetter haben wir uns gleich dem Höhepunkt des Emslandes zugewandt, dem Besuch der Meyer-Werft. In Papenburg. Die Zeit bis zur Werftführung haben wir mit eine Ortsbegehung durchgeführt. Anmerkung: Auch im Norden ist der Regen naß.

Dann war es soweit. Mit dem Bus fuhren wir zur Meyer Werft. Was wir Landratten und Binnenländler auf dieser Werft gesehen haben, sprengte das Vorstellungsvermögen von uns allen. Gigantisch, was sich unseren Augen dar bot und wie ein solches großes Schiff entsteht. Allein die Überführung der fertig gestellten Schiffe in die Nordsee ist eine technische Meisterleistung und wird von den Menschen der Region als Volksfest gefeiert. Weitere Details würden den Rahmen dieser Zeilen sprengen. ein Erlebnis, das keiner von uns vergessen wird und wenn im Fernsehen wieder ein Bericht über ein neues Schiff von der Meyer-Werft gezeigt wird oder das „Traumschiff“ gesendet wird erinnern wir uns an den Oktober 2007, als wir die Werft besuchten.

Am Abend gab es eine Riesenüberraschung, haben wir doch alle aus Anlass der 30. Wanderung von unseren Pfälzer Wanderfreunden ein T-Shirt mit Aufdruck und eine Medaille zum Umhängen erhalten. Top sehen wir aus – mit den neuen Hemden.

Die Medaille darf zum Schlafen abgenommen werden, §2 der Tageordnung.

Am Morgen danach wollte einer eine Unterschriftenaktion zum Verbot des Alkohols starten, er fand mit seinem Ansinnen keine offenen Ohren.

Dienstag, 30.10.2007

Im Emsland zu sein, da ist eine Wanderung der Ems entlang ein muss. Also die Wanderschuhe geschnürt und los geht´s. Die Ems hat bis zur Herbrumer Schleuse den Gezeitenstrom von Ebbe und Flut, wenn das Emssperrwerk Geöffnet ist. Als wir die Ems sahen, war Ebbe. Aber nach der Schleuse war Wasser da und alles sah besser aus. Also wurde flussaufwärts marschiert, vorbei an einer alten Fährverbindung, wo sich eine Rast angeboten hat, und dann zur nächsten Schleuse.

Hier wurde vor unseren Augen ein Frachtschiff, mit Flügeln für ein Windrad beladen, geschleust. Alsbald ist der Zielort Dörpen und der Bahnhof erreicht. Die Zeit bis zum Abfahren des Zuges überbrückten wir in einem Cafe´.

Am Abend wurde Roland ein Leihmusikinstrument übergeben, hat er doch gedacht er könne sich dadurch drücken, indem er seine Handorgel zu Hause lies.

Mittwoch, 31.10.2007

Wenn man so weit im Norden ist und die Salzluft der Küste einem quasi um die Nase weht, dann reift das Verlangen in einem, das Meer zu sehen, jenes Element, das die Menschheit vom ersten Tag ihres Daseins bis heute fasziniert und in seinen Bann zieht. Also gaben wir dieser Sehnsucht nach und fuhren an die Nordsee, so heißt das Meer in dem Abschnitt, den wir mit der Bahn (übrigens zum absoluten Tiefstpreis) erreichten.

In Norddeich-Mole sah man den Fährverkehr, der nach Norderney führte. Die Insel Juist ist nur bei Flut zu erreichen, also mit täglich wechselnden Fahrzeiten. Dies ergibt sich, weil der Mondumlauf (24h und 50Min) um die Erde nicht der Tageslänge entspricht.

Also ca. sechs Stunden ablaufendes Wasser – „Ebbe“ – und ca. sechs Stunden zunehmendes Wasser – „Flut“. Die Höhe der Deiche, so heißen die aufgeschütteten Erdhügel, die das Meer hindern ins landesinnere vorzudringen, war beachtlich, zugleich aber auch beängstigend. Einer aus unserer Gruppe hatte einen Tide-Kalender ( Tide = holländisch/niederdeutsch für „Zeit“ )besorgt, so hatten wir auflaufendes Wasser als wir da waren. Es ist schon einigen passiert, dass sie bei Ebbe an den Strand gekommen sind und kein Wasser da war. Am Bahnhof haben wir uns in kleinere Gruppen aufgeteilt und bald sah man auf dem Deich, im Ort oder im Hafenbereich immer wieder Käpplesträger.

Beim Abfahren des Zuges waren alle wieder da und jeder hatte von seinen Eindrücken auf der Fahrt über Emden nach Aschendorf zu erzählen.

Am Abend in der Unterkunft wurden wir gut bewirtet und ließen mit Musik den Tag ausklingen.

Donnerstag, 01.11.2007

Was im Emsland ebenfalls nicht versäumt werden darf ist eine Radtour. Also besorgten wir uns Drahtesel. Nach einigen erheiterten Proberunden fuhren wir ab.

Welch herrliches Gefühl, alles flach, außer einer kleinen Steigung an der Autoteststrecke. Der Eintritt ins Versuchsgelände wurde uns nicht erlaubt, wir hörten nur das Vorbeirauschen der Testwagen.

Die Tour führte uns quer durch die Fehnlandschaft nach Rhauderfehn (Fehn = holländisch für Moor) vorbei an unzähligen Entwässerungsgräben und kleinen Torfstechereien, denn das Land liegt zum Teil unter dem Meeresspiegel.

Durch Straßendörfer mit schönen und gepflegten Häuschen, fast wie in einer Modellandschaft haben wir unser Ziel erreicht. Das Schifffahrtsmuseum hatte leider Pause, so sind wir nach einer Stärkung durch die Fehnlandschaft – vorbei an „Ramonas Bar“ (vorbei!!) ins Quartier gefahren.

Die Zeitumstellung machte sich stark bemerkbar, es wurde früh dunkel, aber es sind alle gesund in Aschendorf angekommen. Wo jeder mehr oder weniger sein Hinterteil gespürt hat. Einer behauptete sogar, blaue Flecken an seinem Allerwertesten zu haben, aber eine fotografische Erfassung für unser Album hat er abgelehnt.

Respekt vor der Leistung unserer älteren Freunde, 50Km so einfach ohne Training, alle Achtung !

Freitag, 02.11.2007

Wenn das Wetter nicht so mitspielt ist es gut, wenn Alternativen vorhanden sind. Mit der Bahn fuhren wir nach Papenburg, um den Zeitspeicher zu besuchen. Dies ist eine Ausstellung über die Trockenlegung der Gegend und über die Autoteststrecke, die sich in der Nähe befindet.

Weiter ging es nach Leer, wo wir nach Plan einen Stadtrundgang vornahmen. Leer ist eine alte Stadt, zwei Meter über dem Meeresspiegeln an der Ems und der Leda gelegen. Nach einer Stärkung warfen wir einen Blick auf den Oldtimerhafen. Die Schifffahrt ist eine eigene große Welt, in die wir vom Binnenland immer nur einen Ausschnitt betrachten.

Den Abend in der Unterkunft haben wir bei Speis, Trank und Musik gemütlich verbracht.

Man spürte, die Heimfahrt stand unmittelbar bevor und vor dem Schlafen gehen wurden die Koffer gepackt, so dass am Morgen nach dem zeitigen Frühstück alle bereit zur Fahrt zum Bahnhof waren.

Zum guten Schluß

Das war meine Erzählung von der Reise an die Ems. Aber es gibt noch etwas zu berichten, das die Betroffenen nicht so schnell vergessen werden. Zwei sparten sich de Erwerb einer Fahrkarte, und promt ist der Kontrolleur aufgetaucht. Einer ist im Eiltempo in die vorderen Wagen geflüchtet, dem Anderen ist das Blut in den Adern gefroren als der Beamte vor ihm stand (wegen 1,90€). Merke : wer Bahnfahren will – zuerst Fahrschein lösen, dann einsteigen. So kann man guten Gewissens fahren. Ein anderer hat ein Glas zuviel gehabt und hat beim zu Bett gehen den Fernseher umarmt. Doch die nüchternheit trat am anderen Tag schnell ein, als das Gehäuse einen Riss hatte. Nach einem Tag des Bangens, die Aufklärung, der Riss war schon vorhanden. Einer hat fast noch die Unterkunft abgefackelt, als er die Zeitung las und das Windlicht auf dem Tisch diese in Brand setzte.

Danke an alle, die zum Gelingen dieser schönen Woche beigetragen haben.

Eine Wanderwoche, die sich durch immer neue Höhepunkte auszeichnete.

Können wir uns nach so einer Erlebniswoche noch steigern?

Aber wie heißt es noch : Nach der Wanderung ist vor der Wanderung.

Ich verbleibe bis zum nächsten Mal :  Euer Berichterstatter